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Vertriebsleiter der Stadtwerke Steinfurt zur Entwicklung der Energiemärkte

Notfallplan ist bereits vorbereitet

Steinfurt

Eines steht fest: Die Energiepreise steigen weiterhin. Wie die weitere Entwicklung aussieht, hänge maßgeblich vom Krieg in der Ukraine ab, sagt Tobias Wünnemann, Vertriebsleiter der Steinfurter Stadtwerke,

-dru-

Der Versuch, auch nur halbwegs abzuschätzen, wie sich die Energiepreise in den nächsten Wochen entwickeln, kommt selbst für Experten wie Tobias Wünnemann im Moment dem Blick in eine Glaskugel gleich. Nur die Richtung, in die sich die Kurve bewegt, steht für den Vertriebsleiter der Steinfurter Stadtwerke fest. Da muss er kein Prophet sein: „Es geht weiter nach oben.“ Sehr steil, vermutlich.

Explodierende Kosten

„Das Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht“, hat Wünnemann, der Generalversammlung der Bürger-Energie-Genossenschaft Steinfurt (BEGSt) am Donnerstagabend im Martin-Luther-Haus per Video-Konferenz zugeschaltet, letzte Illusionen auf ein Ende explodierender Kosten genommen. „Da vollzieht sich gerade eine Entwicklung, die wir noch nie so gesehen haben“, zeigte Wünnemann Preissteigerungen auf, die „rational nicht nachzuvollziehen“, aber Realität seien. Allein beim Gas mussten die Stadtwerke Preisanpassungen von 0,6 Cent pro Kilowattstunde in 2019 auf das Doppelte in 2022 vornehmen. Innerhalb der ersten sechs Monate ist der Preis auf nunmehr 4,15 ct/kWh gestiegen und musste der Grundpreis auf 29,75 Euro pro Jahr angehoben werden. „Wir werden uns für 2023 vor noch höheren Preisen kaum schützen können“, zeichnete Wünnemann ein düsteres Bild von der Zukunft.

Gaspreis

Die Frage danach, warum sich Strom nicht vom Gas abkoppeln lässt, erklärte Wünnemann so: Er herrsche zurzeit große Nervosität auf den Märkten. Die Zahl der Anbieter sei niedrig. Es findet kaum Handel statt. Teure Kohle bedeute auch teures Gast. Zudem würden auch wenig Wind und hohe Temperaturen die Rechnungen in die Höhe treiben.

Ukraine

Wohin das alles führen soll? „Die weiteren Entwicklungen hängen wesentlich vom Krieg Russlands gegen die Ukraine ab“, antwortete Wünnemann. Sollten sich der Gasimport nach Deutschland ab Montag nach den angekündigten Wartungsarbeiten an den russischen Versorgungspipelines erheblich reduzieren oder sogar ganz gestoppt werden, müsse damit gerechnet werden, das das Energiesicherungsgesetz (EnSiG) in Kraft tritt und die Gasrechnung entlang der Lieferkette vom Importeur bis zu den Stadtwerken noch einmal deutlich höher ausfallen. Für diesen Fall hätten die Stadtwerke bereits einen Notfallplan entwickelt „und diverse Dinge“ vorbereitet. Wünnemann: „Sollten auch wir Erhöhungen unseres Vorlieferanten erhalten, gilt es schnell zu sein.“ Preissteigerungen nach dem EnSiG müssen den Endverbrauchern eine Woche vor Wirksamwerden mit einem individuellen Schreiben mitgeteilt werden. „Gas wird teuer bleiben. Davon müssen wir ausgehen“, erklärte Wünnemann abschließend und wies daraufhin, dass die Stadtwerke ihren Fokus zukünftig noch stärker auf andere Geschäftsfelder legen wollen, etwa den Ausbau ihrer Energiedienstleistungen (PV, Wärme oder E-Mobilität).

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