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Polizei, Feuerwehr, Stadtwerke und Schulen

Notfallpläne in der Schublade

Steinfurt

Bestmöglich haben sich wichtige Einrichtungen wie Feuerwehr und Polizei auf eine Verschärfung der Corona-Pandemie vorbereitet. Es lassen sich allerdings nicht alle Probleme lösen, wie zum Beispiel der Feuerwehrchef zu berichten weiß.

Von Axel Rollund

Polizei, Feuerwehr, Stadtwerke, Schulen: In allen Bereichen haben die Verantwortlichen die Pandemie fest im Blick. Foto: Axel Roll

Gar nicht auszudenken, wenn Feuerwehr oder Polizei nicht ausrücken könnten, weil das Personal coronaerkrankt zu Hause bleiben muss. Oder wenn bei Problemen im Gas-, Strom- oder Trinkwassernetz niemand da wäre, der die Fehler beseitigen könnte. Genauso schlimm: Wenn die Schulen am Montag nicht wie geplant mit Präsenzunterricht starten könnte. Trotz der Omikron-Welle, die gerade über das Land hereinbricht, sind diese Annahmen bislang alle aus der Luft gegriffen. „Was wir tun können gegen eine Infizierung der Kollegen, das tun wir auch“, sagt Steinfurts Feuerwehrchef Dirk Telgmann – und spricht damit den Verantwortlichen aus anderen Bereichen der sogenannten kritischen Infrastruktur aus dem Herzen.

„Wir haben das Corona-Geschehen fest im Blick“, sagt Martin Weide-Drees, Sprecher der Kreispolizeibehörde. Notfallpläne lägen griffbereit in der Schublade. Inhalte will Weide-Drees aber nicht nennen. Nur so viel: „Tests der Kollegen sind obligatorisch.“ Ebenso die Einteilung der diensthabenden Beamten in feste Teams.

Erster Beigeordneter Michael Schell, im Rathaus verantwortlich für den städtischen Schulbetrieb, schaut mit einem leicht mulmigen Gefühl auf den Schulstart nach den Weihnachtsferien. Alle notwendigen Vorbereitungen seien getroffen, die verantwortlichen Lehrkräfte über Lüftungsroutine, die bekannten Lolly-Tests, Abstandsregelungen und ähnliches informiert. Die geplante Anschaffung von 112 sogenannter raumlufttechnischer Anlagen, die in Räumen die Luft verbessern sollen, die von Kindern bis zwölf Jahre genutzt werden, ist so weit in den Stiel gestoßen. „Allerdings wird es August werden, bis die Geräte eingebaut werden können“, vermutet Schell. Die Zuschüsse für den Kauf seien bewilligt, jetzt erfolge die Ausschreibung. Die Anschaffung kostet rund 2,5 Millionen Euro, von denen die Stadt knapp 500 000 Euro selbst beisteuern muss.

Bei den Stadtwerken sind die Verantwortlichen relativ gelassen, trotz steigender Omikron-Infektionszahlen. „Seit zwei Jahren orientieren wir uns an immer wieder angepassten Pandemie-Plänen“, erläutert Stadtwerke-Geschäftsführer Rolf Echelmeyer. Eine hauseigene Corona-Gruppe treffe sich regelmäßig. Die habe noch kurz vor Weihnachten die Maßnahmen weiter verschärft. Die Mannschaften testeten sich regelmäßig. „Alle sind geimpft, ein Großteil schon geboostert.“ Die Wasserwerk-Belegschaft sei genauso getrennt worden wie die verschiedenen Notdienste. „Und selbst für die Kolleginnen und Kollegen in den Büros haben wir Fleecejacken angeschafft, damit sie beim regelmäßigen Lüften nicht frieren“, so der Stadtwerke-Chef.

Bislang hat es beim örtlichen Versorger erst einen Corona-Fall gegeben. Für Echelmeyer war das eine Art Generalprobe, die alle Beteiligten blendend gemeistert hätten. „Alle Mechanismen haben tadellos gegriffen.“ Sein Fazit: „So weit, dass im Notfall infizierte Kollegen mit nur geringen Symptomen die Arbeit erledigen, denken wir noch lange nicht.“

Auch wenn Dirk Telgmann als Stadtbrandinspektor die Kollegen auf den Wachen als best möglich geschützt sieht – sorgenfrei ist er deswegen noch lange nicht. Ihm bereitet die Tatsache, dass seine Mannschaft schon lange nicht mehr so praktisch üben kann, wie es eigentlich notwendig wäre, großes Kopfzerbrechen. Bislang habe wenigstens in Kleingruppen an der freien Luft geübt werden können. Auch das sei nicht mehr möglich. „Aber gerade unsere Anwärter müssen dringend geschult werden“, erläutert Telgmann. Bei dem neuen Fahrzeug werde sich die Feuerwehr über die Handlungsanweisung hinwegsetzen und in Dreier-Gruppen trainieren „Es kann ja nicht sein, dass wir ein neues Fahrzeug in der Halle stehen haben und wir es nicht bedienen können.“ Dort, wo irgendwie möglich, habe die Wehr umgeschwenkt auf Online-Ausbildung. „Dafür haben wir viele Kameraden, die sich in dem Bereich richtig gut auskennen.“

Kommt es zum Einsatz, und die sind in Corona-Zeiten nicht seltener als sonst, müssen sich die Feuerwehrmänner und -frauen mit einigen neuen Verhaltensregeln anfreunden. Maskenpflicht ist obligatorisch. Die Besatzung auf den Fahrzeugen wurde von neun auf fünf Personen reduziert. Wo möglich, werden die Einsatzgruppen voneinander getrennt. Außerdem müssen sich die Uniformträger nach einem Einsatz testen. Dirk Telgmann: „Würden wir das vorher machen, ginge zu viel wertvolle Zeit verloren.“

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