1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Steinfurt
  6. >
  7. „Popularität endet am Ortsschild“

  8. >

Carl Ferdinand Erbprinz zu Bentheim und Steinfurt

„Popularität endet am Ortsschild“

Burgsteinfurt

Es müssen nicht immer die mega-ernsten Themen sein, die ein Journalist mit seinen Interviewpartnern bespricht. Bei der Serie „Tratsch am Telefon“ geht es lockerer zu. Die Realität ist schließlich ernst genug. Und weil das wegen Corona gerade so ist, finden diese Gespräche auch nur am Telefon statt. Heute hat sich Carl Ferdinand Erbprinz zu Bentheim und Steinfurt für ein Interview zur Verfügung gestellt. Der 44-Jährige leitet seit 16 Jahren das Fürstenhaus.

Axel Roll

Carl Ferdinand Erbprinz zu Bentheim und Steinfurt Foto: Axel Roll

Guten Morgen, Herr von Bentheim. Bevor wir uns Ihrer Person widmen: Wie geht es Fürst Christian?

von Bentheim: Es geht ihm gut. Er ist keine 80 mehr, aber seinem Alter entsprechend ist er gut dabei, auch wenn er wie viele ältere Menschen unter den Pandemie-Folgen zu leiden hat. Die Generation ist halt mit den technischen Hilfsmitteln, die die Einsamkeit überbrücken können, wie zum Beispiel Videocalls, nicht so vertraut.

Sie sind Jahrgang 1977, waren damit 28 Jahre jung, als Sie geschäftsführendes Familienmitglied und damit Hauptverantwortlicher für das Haus Bentheim und Steinfurt wurden. War das für Sie keine ungeheure Belastung, eine so große Verantwortung als Endzwanziger aufgebürdet zu bekommen?

von Bentheim: Nein, das war es nicht. Es war für mich eine unglaubliche Chance und ein großes Glück. Nach Studium und verschiedenen beruflichen Stationen ist man natürlich heiß darauf, das Erlernte in die Praxis umzusetzen und die Geschäfte zu führen.

Beim Blättern im Archiv sind Sie auffällig oft bei Veranstaltungen rund ums Auto vertreten. Kann ich daraus ableiten, dass Ihrem blauen Blut ein bisschen Benzin beigemengt ist?

von Bentheim: Nein, das muss Zufall sein. Das Auto hat eine faszinierende Technik, der ich vielleicht ein bisschen mehr erlegen bin als manch anderer. Aber ich habe keine teure Oldtimersammlung oder ähnliches. Ich bin auf das Auto angewiesen und versuche es, so vernünftig wie möglich zu nutzen. Darum fahre ich seit vier Jahren auch ein E-Auto. Außerdem sind wir hier in Steinfurt in der glücklichen Lage, dass man vieles mit dem Fahrrad machen kann. Dafür haben wir hier eine gute Infrastruktur, die ich gerne nutze.

Wenn es nicht das Auto ist, was fasziniert Sie dann?

von Bentheim: Ich bin viel in der Natur, was natürlich mit der Ausrichtung unseres Familienbetriebes zu tun hat. Die Hege und Pflege von Pflanzen und Tieren liegt mir sehr am Herzen. Als Jäger und Forsteigentümer habe ich aber natürlich einen anderen Blick darauf als ein Natur-Romantiker.

Da wir gerade beim Thema Arbeit sind: Wie sieht denn bei Ihnen ein typischer Arbeitsalltag aus?

von Bentheim: Das Schöne an meiner Tätigkeit ist, dass es keinen typischen Arbeitstag gibt. Jeder Tag ist anders, ich muss mich um sehr unterschiedliche Bereiche kümmern. Wir versuchen hier, Zukunft zu gestalten. Und viele Projekte nehmen erst nach ein oder zwei Jahren konkrete Gestalt an. Ich weiß also nie genau, wie der nächste Tag aussehen wird.

Sie zählen in Steinfurt zu den bekanntesten Gesichtern. Wie finden Sie die Balance zwischen dem Interesse der Öffentlichkeit an Ihrer Person und dem Wunsch nach Privatsphäre?

von Bentheim: Ich empfinde es als Ehre, wenn sich die Menschen für mich interessieren. Ich freue mich darüber und werte das positiv. Natürlich benötigt man auch seine Privatsphäre, gerade wenn es um Familie und die Kinder geht. Aber bei mir ist es ja auch so, dass meine Popularität am Ortsschild von Steinfurt endet.

In einem anderen Interview sagten Sie einmal, dass es bei Ihnen normaler zugeht, als man sich das vorstellt. Was ist denn Ihre Definition von normal?

von Bentheim: Also bei uns laufen garantiert keine livrierten Diener über die Gänge. Ich koche zum Beispiel gerne für mich und meine Familie, gehe dafür auch selber einkaufen. Außerdem bleibe natürlich auch ich nicht von lästigem Schreibkram verschont. Generell muss ich sagen, dass ich froh bin, dass meine Kinder in der heutigen Zeit aufwachsen. Sie erscheint mir sehr viel menschlicher als in früheren Generationen.

Über Ihre Burg in Bentheim gibt es die Geschichte vom Teufel, der dort sein Ohr auf einem Felsen zurücklassen musste. Hat das Steinfurter Schloss eine ähnliche Sage zu bieten?

von Bentheim: Nein, mir ist leider keine bekannt. Das hat vielleicht damit zu tun, dass Burgsteinfurt als Wasserschloss in einer anderen Landschaft liegt. Burgsteinfurt hat eher diese romatisch-verspielte Attitüde.

Im vergangenen Jahr gab es auch bundesweit Meldungen in Illustrierten, Sie lebten von Ihrer Frau getrennt. Gestatten Sie mir die Frage: Ist da was dran?

von Bentheim: Nein, wir sind nicht getrennt.

Startseite