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Einmal Portugal und zurück

Rallye-Wagen für 650 Euro

Burgsteinfurt

Wenn einer eine Reise tut... Mark Abbink ist mit Sohn Angelo und Bruder Herald nach Portugal gefahren. Das wäre noch keinen Zeitungsbericht wert. Aber wie die Drei die Strecke bewältigt haben.

Von Axel Roll

Geschafft und glücklich: Ein Foto: privat

Es ist jetzt nicht unbedingt so, dass es Mark Abbink an fahrbaren Untersätzen mangeln würde. Seine kleine Flotte von Autos und Motorrädern hat aber ein Manko: Sie sind in der Regel mehr wert als 1000 Euro. Und das ist für die Teilnahme an der Barrel-Challange das absolute Ausschlusskriterium. Bei dieser niederländischen (wo sonst?) Spaß-Rallye quer durch Europa muss es nämlich eine, sagen wir ruhig Schrottkarre sein. Idee der Veranstaltung für Auto-Verrückte ist es nämlich, mit einem Wagen, mit dem jeder ernsthafte Chauffeur höchstens bis zum Supermarkt und zurück fahren würde, in diesem Fall mehrere tausend Kilometer an einem Stück abspult. Also musste Mark Abbink suchen. Auf den Marktplätzen des World-wide-Web wurde er im benachbarten Emsdetten fündig, wo ein Dreier-BMW-Touring mit über 200 000 Kilometern auf der Uhr und einem üppigen Drei-Liter-Diesel-Sechszylinder auf einen neuen Besitzer wartete. Endpreis: 650 Euro. Abbink hätte gerne noch ein paar Scheine draufgelegt, wenn es in dem silbermetallic farbenen Schlitten nicht gerochen hätte wie in einer Mäusekolonie. Aber egal, das technische Material für die Tour von Holland bis nach Portugal wartete jetzt auf seinen Einsatz.

Mark Abbink, knapp über 50 Jahre alt und von Beruf Buchhalter, ist eigentlich nicht der große Abenteurer oder Globetrotter vor dem Herrn. „Aber die Rallye war als Belohnung gedacht für meinen Sohn Angelo, der gerade seinen Schulabschluss mit Qualifikation gemacht hatte und im August eine Lehre als Kfz-Mechaniker beginnt“, erläutert der Wahl-Burgsteinfurter. Da Angelo mit seinen 16 Jahren noch keinen Führerschein besitzt und Vater Mark schon allein aus Sicherheitsgründen die bis zu 900 Kilometer langen Tagesetappen nicht alleine herunterreißen wollte, fragte er seinen Bruder Herald, für Spaß immer zu haben. Und Herald sagte natürlich ja.

Noch einmal zur Erklärung: Der Begriff Rallye ist nämlich ein wenig irreführend. Bei der Barrel Challenge geht es nicht darum, in wilden Drifts über schlechte Straßen möglichst schnell zum Ziel zu kommen. Mark Abbink: „Ankommen ist die Devise.“ Und genießen. Wann die rund 40 Teams in ihren klappernden Kisten abends auf den Campingplätzen eintrudelten, das war egal. Sie konnten tagsüber nach Herzenslust die ausgefallenen Strecken durch unbeschreibliche Landschaften so lange genießen, wie sie wollten. „Die Serpentinenfahren durch die Pyrenäen, die Sonnenblumenfelder in Südfrankreich oder die Nationalparks in Spanien waren wirklich eine Wucht“, erzählt Mark Abbink. Das fand auch Beifahrer Angelo, der allerdings die Zeit auch mal gerne für ein Nickerchen nutzte. Nun, die Frage aller Fragen, ob die Kiste denn auf den fast 4000 Kilometern durchgehalten hat, kann das Trio mit einem deutlichen Ja beantworten. Allerdings: Kaum waren die Drei in Spanien, machte die Klimaanlage schlapp. Zwangsweise stellten sie dann um auf Innenraum-Fahrtwindkühlung: Wenig später versagte einer der hinteren Fensterheber. Die Scheibe blieb unten.

Damit war das Team Abbink aber noch vergleichsweise gut bedient. So gab es auf den rund 1800 Kilometern bis nach Porto auch den einen oder anderen Totalausfall zu beklagen. Dabei verfügten die meisten der Barrel-Champs über ansehnliche Schrauber-Kenntnisse. Die sie schon für einen standesgemäßen Auftritt bei der Rallye genutzt hatten. „In Holland nimmt man das nicht so genau“, schmunzelt Mark Abbink. Aber in Deutschland hätte jeder TÜV-Prüfer einen mittelschweren Nervenzusammenbruch bekommen beim Anblick von selbst zusammengeschweißten Kuhfängern oder einer Lichter-Armada rund um die Blechkarosse, die jedem Weihnachtsbaum zur Ehre gereicht hätte.

Trotz der vielen Kilometer am Tag war die Tour eigentlich relativ entspannt. Die Pausen in malerischen Dörfern, an Seen und Meeresstränden, aber auch die Abende beim Dosenbier auf den Campingplätzen waren dafür in erster Linie verantwortlich.

Trotzdem sollte die Barrel-Challenge eigentlich ein einmaliges Erlebnis bleiben. Dieser Gedanke kam allerdings mit einem Telefonat Anfang der Woche wieder ins Wanken. So informierten die Veranstalter die Abbinks darüber, dass sie einen Gutschein für die Teilnahme im kommenden Jahr gewonnen hätten. Mark Abbink: „Unter diesen Umständen sollten wir unseren Entschluss nochmal überdenken.“

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