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Abendvisite im UKM Marienhospital Steinfurt

Schlafmangel oft hausgemacht

Steinfurt

Rund um das Thema Schlaf drehte sich alles bei der jüngsten Abendvisite, veranstaltet vom Marienhospital.

In den Räumen der Familienbildungsstätte Steinfurt referierte Dr. Matthias Boentert zum Thema „gesunder Schlaf“.

Warum schläft der Mensch eigentlich? Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Es geht dabei um geistige und körperliche Erholung, um Lernen, Gedächtnisverfestigung und sogar um Wachstum. „Guter Schlaf ist ausreichend erholsam und weitgehend ungestört“, hat es Privatdozent Dr. med. Matthias Boentert, Klinik für innere Medizin – Neurologie am UKM Marienhospital Steinfurt, auf den Punkt gebracht. In einer neuen Folge der „Abendvisite“, veranstaltet vom Marienhospital, der Familienbildungsstätte und dem Kulturforum Steinfurt, hat der Dozent das Thema „Schlaf“ in den Fokus gestellt. Zurzeit können Interessierte in Präsenz oder online an der Vortragsreihe teilnehmen.

7,5 Stunden Nachtruhe

Je älter der Mensch ist, desto weniger Schlaf braucht er. Legt sich ein Säugling täglich noch durchschnittlich fünfzehneinhalb Stunden aufs Ohr, so begeben sich 65-Jährige nur noch 7,5 Stunden zur Nachtruhe. Individuell gibt es große Unterschiede. „Frühtypen, „Lerchen“ genannt, gehen früh zu Bett und stehen früh wieder auf. „Eulen“ sind regelrechte Nachtschwärmer, die sich spät zur Ruhe legen und lange schlafen.

Was also genau ist „guter Schlaf?“ Eine wissenschaftlich exakte Definition gibt es nicht. In Anlehnung an den Gedanken des Philosophen Hans-Georg Gadamer (1900- 2002), dass Gesundheit selbstvergessenes Weggegebensein an das Leben ist, könnte man sagen: „Derjenige hat wahrscheinlich einen gesunden Schlaf, der gar nicht darüber nachdenken muss, wie er schläft“, heißt es in einer Pressemitteilung des UKM Marienhospitals.

Computerspiele

Schlafstörungen sind längst nicht in jedem Fall krankhafter Natur. Sie sind oft auch Konsequenzen persönlichen Schlafverhaltens und äußerer Umstände. Dazu zählen selbst gewählte Schlaf-Wach-Zeiten, Arbeitsbedingungen, Wohn- und Familiensituation oder auch der abendliche Alkoholgenuss. „Schlafmangel ist oft hausgemacht“, stellte der Experte fest. Zu langes Fernsehen, Computerspiele, exzessive Nutzung sozialer Medien oder Sport direkt vor dem Zu-Bett-Gehen können sich negativ auswirken.

Zu den körperlich bedingten Schlafstörungen gehört die „Schlafapnoe“. Sie ist unbedingt ernst zu nehmen und kann ausschließlich im Schlaflabor nachgewiesen werden. Hierbei kommt es im Schlaf wiederholt zu Atemaussetzern durch einen vorübergehenden Verschluss des Rachens. Der Königsweg einer Behandlung liegt in der Verordnung der „Schlafmaske“, mit der eine konstante Luftzufuhr während des Schlafes sichergestellt ist. Eine andere Form der Atmungsstörung im Schlaf kann bei Patienten vorliegen, die an chronischen Muskel- oder Nervenerkrankungen leiden. Kommt es hierbei zu einer Schwäche des Zwerchfells, wird die Atmung im Schlaf zu flach, so dass Kohlendioxid nicht mehr ausreichend abgeatmet werden kann. Ist dies der Fall, so bedürfen betroffene Patienten einer richtiggehenden Maskenbeatmung in der Nacht, die gerade auch bei schweren Krankheitsverläufen einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung von Lebensqualität und Lebenserwartung leisten kann.

Alkoholgenuss

Der Arzt erläuterte weitere neurologische Erkrankungen, darunter das „Restless-Leg-Syndrom“ mit Bewegungsdrang und Missem­pfindungen in den Gliedmaßen. Auch die „Traumschlaf-Verhaltensstörung“ kann die Nachtruhe zum Teil erheblich beeinträchtigen. „Narkolepsie“ ist der Name einer „chronischen Schlafsucht“ am Tag kombiniert mit schweren Durchschlafstörungen in der Nacht. Die Autoimmunerkrankung lässt sich nicht heilen, ist aber medikamentös behandelbar.

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