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Heinrich-Neuy-Bauhausmuseum im Jubiläumsjahr

Schlange bis zum Kock-Brunnen

Borghorst

Zum Bauhaus-Jubiläum hätte Hedwig Seegers einen ganz speziellen Wunsch: „Eine Besucherschlange vom Arnold-Kock-Brunnen bis zur Kasse – und alles nur Borghorster.“ Die Heinrich-Neuy-Tochter lacht und winkt ab. Sie weiß natürlich, dass das Wunschdenken ist. Insbesondere so viele Einheimische für einen Gang durch die Ausstellung am Kirchplatz zu begeistern. Unzufrieden ist Hedwig Seegers trotzdem nicht. „Es läuft richtig gut und wird immer besser.“ Kein Wunder, die musealen Feierlichkeiten zum 100-Jährigen des Bauhauses haben ja noch nicht einmal begonnen. Und trotzdem: Erst in der vergangenen Woche standen drei Busse vor der Tür des Heinrich-Neuy-Bauhausmuseums.

Axel Roll

Kuratorin Dr. Dagmar Kronenberger-Hüffer (l.) und Hedwig Seegers bereiten die nächste Ausstellung im Heinrich-Neuy-Bauhausmuseum (kl.Foto) vor. Foto: Axel Roll

So ist das eben. Der Prophet im eigenen Lande. Hedwig Seegers kennt das. Aber die Gründung der Kunstschule in Weimar vor genau einem Jahrhundert hilft und schlägt in der münsterländischen Provinz gerade hohe Wellen. Viele Bauhaus-Anhänger erinnern sich des Borghorster Schülers von Walter Kandinsky, Mies van der Rohe und Josef Albers. „Die Ausleihen haben zugenommen. Im Augenblick haben wir fünf Neuy-Werke an andere Ausstellungen weitergegeben“, erläutert Dr. Dagmar Kronenberger-Hüffer, die Kuratorin des Heinrich-Neuy-Bauhausmuseums.

Hinter den dicken Mauern des Stiftshauses laufen die Vorbereitungen für die zahlreichen Bauhaus-Veranstaltungen – das Museum ist eingebunden in die Reihe „100 Jahre Bauhaus im Westen“ – auf Hochtouren. Durch die Förderung des Landes steht in diesem Jahr auch ein deutlich höheres Budget für den Heinrich-Neuy-Kulturbetrieb zur Verfügung.

Und da wären wir bei dem diesmal durchaus ernst gemeinten Wunsch der Kuratorin: „Ein sicheres finanzielles Fundament für das Haus wäre schön.“ Derzeit müsse viel improvisiert und durch den Einsatz zahlreicher ehrenamtlicher Helfer kompensiert werden. „Aber wir wollen die Zukunft des Hauses auf feste Füße stellen.“

Ein Schritt in diese Richtung ist das Anlegen eines Werkverzeichnisses von Heinrich Neuy. Im Angesicht einiger hundert Bilder, von denen viele in Privatbesitz sind, eine echte Sisyphosaufgabe. Dr. Dagmar Kronenberger-Hüffer: „Ausstellungen kommen und gehen. Aber das Verzeichnis ist etwas Bleibendes.“

Stichwort Ausstellungen. Es gibt Kooperationen mit den großen Bauhaus-Standorten Weimar, Dessau und Berlin. Allein in der Bundeshauptstadt befinden sich 27 Neuy-Werke im dortigen Archiv. Allerdings arbeiten Seegers und Kronenberger-Hüffer am liebsten mit privaten Sammlern zusammen. Hedwig Seegers: „Das ist meist unkomplizierter.“ Und auch günstiger. Allein die Bedingungen, die große Museen für Transport, Versicherung und die eigentliche Ausstellung stellen, gehen richtig ins Geld.

Und auch wenn die Steinfurter das Bauhaus-Museum mit internationalem Ansehen direkt vor ihrer Haustür immer noch nicht so annehmen, wie Hedwig Seegers es gerne sehen würde, spürt sie das Lebenswerk ihres Vaters breit getragen. „Die Unterstützung durch Verwaltung und Politik ist groß.“ Da bleiben auch zum Bauhaus-Geburtstag keine Wünsche offen. . .

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