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Besuchergruppe der Pfarrgemeinde verschenkt Zeit – und bekommt Anerkennung

„Schön, dass Du da bist“

Borghorst

Sie arbeiten im Stillen – ohne sie wäre die Stadt aber ein Stück ärmer. Die Besuchergruppe der Pfarrgemeinde möchte alleinstehende Senioren, die nicht mehr so mobil sind, aus ihrer Isolation helfen.

Axel Roll

Mechthild Wick, Maria Schlattmann, Marianne Janning und Manuela Decker bilden die Besuchergruppe der Pfarrgemeinde. Foto: Axel Roll

Warum? Marianne Janning muss für eine Antwort nicht lange überlegen: „Wenn Dir jemand sagt, ,Schön, dass Du da bist‘, ist das doch das tollste Kompliment, was Du bekommen kannst, oder?“ Dafür investiert die Borghorsterin gerne die zwei Stunden, die sie alle zwei Wochen einem stark sehbehinderten Rentner widmet. „Meist gehen wir spazieren“, erzählt Marianne Janning. Ohne ihren Einsatz hätte der alleinstehende Mann keine Möglichkeit, vor die Tür zu kommen . . .

Marianne Janning gehört zu einer kleinen Gruppe in der Pfarrgemeinde St. Nikomedes, die schon seit 13 Jahren mehr im Stillen wirkt – es dabei aber schafft, ältere, nicht mehr so mobile Menschen aus der sozialen Isolation zu lösen. „Wir machen keine Pflege und keine Seelsorge“, steckt Koordinatorin Maria Schlattmann den Rahmen ab, in dem sich das Team bewegt. Vereinfacht ausgedrückt: Die Besuchergruppe verschenkt etwas äußerst Kostbares: Zeit.

„Wir könnten Zuwachs dringend gebrauchen“, spürt Maria Schlattmann deutlich, dass es offensichtlich immer weniger Menschen gibt, die etwas von ihrer Zeit abgeben wollen – oder können. „Wir waren schon mal sieben oder acht in unserer Gruppe“, bedauert die Koordinatorin den Mitgliederschwund. Anfragen aus dem Seniorenheim, ob die Gruppe nicht noch weitere alleinstehende Bewohner in den Besuchskreis aufnehmen könne, musste sie deshalb ablehnen. „Leider.“

Manuela Decker ist seit fast sieben Jahren dabei und betreut derzeit zwei Senioren. Ihre Erfahrung: „Was man an Vereinsamung erlebt, das ist schon erschreckend.“ Ihr ist klar, dass ihre Besuche im Zwei-Wochen-Abstand nicht die Lösung des Problems sind. „Aber die Senioren haben etwas, auf das sie sich freuen können.“

Das kann Mechthild Wick, die Vierte im Bunde, nur bestätigen. Ihr ist dabei bewusst, dass sie mit ihrer Zusage auch eine Verpflichtung eingegangen ist, die mitunter über Jahre Bestand hat.

Alle drei Monate trifft sich der Kreis, um sich über das Erlebte auszutauschen, sich gegenseitig Mut zu machen oder gemeinsame Aktionen zu planen. Denn auch diese Form von Gemeinschaft ist für die Gruppe natürlich sehr wichtig. Ein Termin im Jahr ist gesetzt: „Im Sommer gehen wir einmal zusammen Eis essen.“

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