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Feierstunde zum zehnjährigen Bestehen des Bürgerbusvereins

Schutzengel fährt jetzt mit

Steinfurt

Der Bürgerbus feiert das Zehnjährige – und ist aus Steinfurt nicht mehr wegzudenken. Bei der Feierstunde im Bagno-Restaurant gab es viel Lob für das ehrenamtliche Engagement der fast 50 Fahrer. Auch vom Landrat.

Von Axel Roll

Allzeit gute Fahrt: Dafür soll der Schutzengel sorgen, den Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer dem Vereinsvorsitzenden Ferdi Brust überreichte. Foto: Axel Roll

Der Bürgerbus hat ab sofort einen neuen ständigen Begleiter. Ein kleiner Schutzengel aus Holz wird von seinem Aussichtspunkt unter dem Rückspiegel dafür sorgen, dass der rote Flitzer weiterhin die täglichen 35 Kilometer weiten Schleifen durch beide Ortsteile sicher drehen kann. Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer überreichte den Engel am Montagabend dem Vorsitzenden des Bürgerbusvereins, Ferdi Brust, zum zehnjährigen Bestehen des stadtteilverbindenden Mobilitätsangebotes. Das heißt, eigentlich war es schon der elfte Geburtstag. Aber Corona verbannte den Neunsitzer nicht nur zeitweise in die Garage, wegen der Pandemie musste die Jubel-Feier zum ersten runden Geburtstag auch um ein Jahr verschoben werden. Denn tatsächlich ist er schon seit dem 1. Dezember 2011 auf Strecke.

Landrat Dr. Martin Sommer, der RVM-Geschäftsführer André Pieperjohanns, der Vorsitzende des Verbandes Bürgerbus Pro NRW, Franz Heckens, und natürlich die Bürgermeisterin – sie alle stellten nicht nur die große Bedeutung des Personennahverkehrs-Angebots für Steinfurt heraus. Gleichzeitig erinnerten die Festredner im Bagno-Restaurant daran, dass der Bus nur rollt, weil sich so viele Menschen ehrenamtlich dafür engagieren. So zählt der Verein an die 50 Fahrerinnen und Fahrer. Wobei die Herren der Schöpfung im Augenblick – noch – deutlich in der Überzahl sind. Wie Bürgermeisterin Claudia Bögel-hoyer ausgerechnet hatte, beträgt die Frauenquote derzeit 8,7 Prozent, ist also deutlich ausbaufähig.

Landrat Dr. Martin Sommer bezeichnete den Linienverkehr „einen entscheidenden Beitrag zur Mobilität“. Ohne Hektik und Gedränge könnten auch gehandicapte Fahrgäste an ihr Ziel kommen. Sommer wörtlich: „Wo gibt es das schon, dass die Busfahrer die Rollatoren rein und auch wieder raustragen?“ Neun Bürgerbusvereine gebe es im Kreisgebiet. Den Anfang habe 2002 Westerkappeln gemacht. „Die Bürgerbusse werden als Ergänzung des ÖPNV dringend benötigt“, betonte der Landrat. Darum auch sein Angebot an die Steinfurter: „Ich werde Sie auch weiterhin gerne unterstützen.“

Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer hatte zuvor die Geschichte von der Vereinsgründung bis zur Gegenwart humorvoll Revue passieren lassen. Beim Blick in die Zukunft regte sie augenzwinkernd eine Bürgerfähre über den Bagnosee an. Und nach 15 000 abgeleisteten Ehrenamtsstunden konstatierte die Erste Bürgerin: „Was für ein Erfolg.“ Der 50 000. Fahrgast sei schon geehrt worden. „Nach Berechnungen der Experten wird im Dezember 2023 der 100 000. gezählt.“ Aktuell weist die Statistik 84 000 Bürgerbus-Mitfahrer aus.

André Pieperjohanns als RVM-Geschäftsführer stellte die gute Kooperation mit dem Steinfurter Verein in den Mittelpunkt: „Hier läuft alles reibungslos.“ Der Bürgerbus fährt unter dem Dach der Regionalverkehr Münsterland, die als Unternehmen der öffentlichen Hand in Westfalen Personen und Güter befördert. Im Kreisgebiet bedienen die RVM-Busse rund 50 Prozent der ÖPNV-Linien. Da sie nur die großen Achsen befahren, „schließen die Bürgerbusse eine große Lücke“, betonte der RVM-Geschäftsführer. Die RVM war dabei bundesweit Pionier: Der erste rote Kleinbus rollte deutschlandweit 1986 in Legden.

Franz Heckens, Vorsitzender des Verbandes Bürgerbus Pro NRW, vertritt mittlerweile 140 Vereine im Land. Er wünschte den Steinfurtern „allzeit eine Handbreit Asphalt unter den Reifen und einen Schluck Benzin im Tank“.

Und der Vorsitzende des jubilierenden Vereins? Der nutzte die Gelegenheit, um den ehemaligen und aktiven Fahrern des Sprinters für ihren unentgeltlichen Einsatz zu danken: „Ohne Euch stände der Bürgerbus nur in der Garage, bewegen würde er sich nicht.“ Die Mannschaft sei das Tafelsilber des Vereins, betonte Ferdi Brust. Dass diese Engagement bei den Steinfurtern, gerade bei den Älteren, ankommt, ist an den Fahrgastzahlen mehr als deutlich abzulesen. Sie steigen Jahr für Jahr.

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