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„Food Sharing“: Verein „WieWollenWirLeben“ installiert „Fairteiler“ im Unverpacktladen Steinfurt

Teilen statt wegwerfen

Steinfurt

„Food Sharing“, also das Retten von Lebensmitteln vor der Entsorgung in der Mülltonne durch Teilen mit anderen, hat sich der Verein „WieWollenWirLeben“ auf die Fahnen geschrieben. Ein Baustein dazu ist die Idee des „Fairteilers“. Im Unverpacktladen „Hülle und Fülle“ wurde ein erster Verteilpunkt gegen Lebensmittelverschwendung in der Region installiert.

Von Ralph Schippers

Freuen sich über die Installation des „Fairteilers“ in Steinfurt (v.l.): Landrat a.D. und Projektlotse Thomas Kubendorff, Horst Schöpper (Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit Kreis Steinfurt), Elke Schmitz (Projektlotsin), Nadja Groger (Food-Sharing-Gruppe Steinfurt), Kristian Kühling (Inhaber „Hülle und Fülle“) sowie Uli Ahlke (Vorsitzender „WieWollenWirLeben“). Foto: rs

„Food Sharing“, also das Retten von wertvollen Lebensmitteln vor der Entsorgung in der Mülltonne durch Teilen mit anderen, hat sich der Verein „WieWollenWirLeben“ auf die Fahnen geschrieben. Über Lebensmittelverschwendung aufklären und sensibilisieren, wie unter anderem bei der Auftaktveranstaltung zum Projekt im vergangenen Jahr im Kochstudio MarktEins geschehen, ist allerdings nur ein Baustein, den die Verantwortlichen dabei verfolgen. Vorsitzender Uli Ahlke und die beiden Projektlotsen Elke Schmitz und Thomas Kubendorff wollen auch ganz konkret handeln. Und das tun sie: Seit Mittwoch steht vor dem Ladengeschäft des Steinfurter Unverpacktladens „Hülle und Fülle“ der erste „Fairteiler“ in der Region. „Es ist ein echter Pilot, von dem wir hoffen, dass er in der Region Schule macht“, sagte Uli Ahlke bei der Eröffnung.

Angebot richtet sich an alle Menschen

Die Idee hinter dem „Fairteiler“, es handelt sich um eine handelsübliche Kühl-Gefrierkombination, lautet: Jedermann kann dort noch verwendbare Lebensmittel einlegen und jedermann kann sie auch entnehmen. „Wer beispielsweise ein paar Bananen übrig hat und in Urlaub fährt, muss diese nicht wegwerfen, sondern kann sie für andere hinterlegen“, verdeutlicht der „WieWollenWirLeben“-Vorsitzende die Intention des Projekts – und betont zugleich, dass das Angebot nicht nur für bedürftige Personen gilt. Ziel sei es schließlich, Lebensmittel zu retten, da brauche niemand Hemmungen haben oder den Gedanken, er könne anderen etwas wegnehmen, so Ahlke.

Zugänglich ist der „Fairteiler“ während der Öffnungszeiten des Unverpacktladens. Inhaber Kristian Kühling reinigt als Kooperationspartner täglich den Kühlschrank und kontrolliert auch dessen Inhalt. Denn nicht alles darf hinein. „Es gibt natürlich Regeln“, sagt Uli Ahlke mit Blick auf die Hinweise, die außen am Gerät angebracht sind. Frischfleisch ist unter anderem ebenso tabu wie Rohmilch oder auch Alkohol. Gerne hineingelegt werden kann hingegen Brot, Obst und Gemüse, Milchprodukte oder Trockenware. Die Verpackung darf noch nicht geöffnet worden sein.

Für Kristian Kühling ist der „Fairteiler“ eine passende Ergänzung zu seinem Ladenangebot. „Dort geht es neben dem Unverpackt-Ansatz ja auch darum, jeweils passende Mengen abzugeben“, so der Einzelhändler. Sollte wieder Erwarten dann doch zuviel eingekauft worden sein, sei die Nutzung des „Fairteilers“ eine Möglichkeit der sinnvollen Abgabe.

Idee soll auch in die Dorfläden getragen werden

Die Projektlotsen Elke Schmitz und Thomas Kubendorff wiesen auf die in Deutschland riesigen Dimensionen der Lebensmittelverschwendung hin. Allein die Haushalte entsorgten jährlich 12 Millionen Tonnen Lebensmittel, bei denen zwar das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, die aber trotzdem noch genießbar sind. „Der Fairteiler ist da nur ein kleiner Beitrag, um diese Menge einzudämmen“, räumte Kubendorff ein. Allerdings sei er ein Anfang, der hoffentlich Schule machen werde.

Horst Schöpper, Sachgebietsleiter Nachhaltigkeit und ländliche Entwicklung im Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit des Kreises Steinfurt, kündigte an, die Idee des „Fairteilers“ auch in die Dorfläden der Region hineintragen zu wollen. Die Anschaffung des Steinfurter Piloten war mit Mitteln aus dem Klimafonds des Kreises gefördert worden. Außerdem bedankten sich die Verantwortlichen für die Unterstützung der Kooperationspartner Metallbauunternehmen Marschalk (Erstellung der mobilen Unterkonstruktion) sowie Schornsteinfegermeister Claus Muchow, der den Transport zum Geschäft besorgt hatte.

Uli Ahlke und die Projektlotsen Elke Schmitz und Thomas Kubendorff hoffen nun, dass der „Fairteiler“ möglicht schnell große Bekanntheit erreicht. Mit dazu beitragen soll unter anderem die „Food-Sharing-Gruppe Steinfurt“, die im sozialen Netzwerk Facebook vertreten ist und mehr als 700 Mitglieder hat.

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