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Viele Jugendliche hadern noch damit, wem sie ihre Stimme bei der Bundestagswahl geben wollen

Wer bekommt mein Kreuz?

In 23 Tagen wird gewählt. Am 26. September wird sich entscheiden, wer nach 16 Jahren Angela Merkel als Bundeskanzlerin ablösen wird. Die Jugendfrei-Redaktion hat mit jungen Menschen aus Steinfurt gesprochen. Fühlen sie sich ausreichend informiert über die Wahl und ihre Wahlmöglichkeiten?

Von und

Auch in diesem Jahr werden viele Jugendliche das erste Mal für die Bundestagswahl an die Urne treten. Doch gerade in diesem Jahr scheint die Wahl so schwer zu sein wie lange nicht mehr. Foto: Anne Eckrodt

In 23 Tagen wird gewählt. Am 26. September wird sich entscheiden, wer nach 16 Jahren Angela Merkel als Bundeskanzlerin ablösen wird. Die drei Kanzlerkandidaten Annalena Baerbock (Grüne), Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) stehen fest. Nun müssen sich die 60,4 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland für einen der Kandidaten entscheiden.

Langwierige Diskussionen, Spekulationen und Meinungen über Meinungen - ein Haufen an Informationen, nach welchen die Wähler entscheiden sollen, wo sie letztendlich ihr Kreuz auf dem Stimmzettel setzen werden. Klarheit über Ambitionen, Ziele, Positionen und Prioritäten der Parteien sollen die Wahlprogramme schaffen - eine Leitlinie für den Wahlkampf und Entscheidungshilfe für die Wähler?

Die Universität Hohenheim hat die Programme genauer unter die Lupe genommen und festgestellt, noch unverständlicher als dieses Jahr waren die Programme nur 1994: Hohe Komplexität, lange Bandwurmsätze und unverständlicher Fachjargon. Und dazu werden sie immer länger. Das längste Wahlprogramm ist das der Linken. Es erstreckt sich über 136 Seiten, wobei auch die anderen Parteien nicht groß abweichen. Das schließe Wähler aus und bringe wenig Transparenz über die Positionen der Parteien, was zur Folge hat, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, sich mit den Parteien zu identifizieren. Es scheint, als hätte man die Chance der Kommunikation zwischen Politik und Wählern verpasst.

Die Jugendfrei-Redaktion hat mit jungen Menschen aus Steinfurt gesprochen. Als Erstwähler stehen sie dieses Jahr vor einer neuen Herausforderung. Fühlen sie sich ausreichend informiert über die Wahl und ihre Wahlmöglichkeiten? Die Zahl der Erstwähler beläuft sich auf rund 2,8 Millionen - spricht die Politik diese Gruppe ausreichend an?

„Für mich persönlich ist es dieses Jahr besonders schwer, mich zu entscheiden. Erst einmal kann ich mich mit keinem der drei Kanzlerkandidaten zu 100 Prozent identifizieren, da ich ihre Meinungen und Argumentationen sehr fraglich finde. Zwar ist es immer schwierig, einer Partei im Ganzen zuzustimmen und hinter allen Punkten des Wahlkampfes zu stehen, allerdings sollte man immer bereit sein, Kompromisse zu finden, die auch der eigenen Meinung entsprechen. Auch das fällt mir dieses Jahr besonders schwer.

Trotz alledem ist es immer noch wichtig, dass wir wählen gehen und ein Meinungsbild abgeben, ansonsten wird sich in unserer Politik nicht viel ändern“, meint Sophie Scheiper, 18 Jahre aus Steinfurt. Auch wenn dies die erste Bundestagswahl für viele Jugendliche ist, haben sie bereits bei der letzten Kommunalwahl Erfahrungen sammeln dürfen. In den meisten Fällen wissen sie auch, dass vorher etwas Zeit investiert werden sollte, um sich zu informieren. Doch auch das war dieses Jahr für viele schwieriger als gedacht, so auch für die Schülerin Anna Riedl: „Ich fühle mich einigermaßen gut auf meine ersten großen Wahlen vorbereitet. Hätte ich selber keine Zeit investiert, Programme gelesen oder digitale Tools zur Entscheidungsfindung genutzt, wüsste ich allerdings nicht, wen ich wählen sollte. Ich fände es schön, wenn wir in der Schule mehr Informationen über die Wahl bekommen oder die Parteiprogramme behandeln würden.“

Der 18-jährige Maurus Hegge tut sich bis jetzt auch noch sehr schwer, mit einer der Parteien zu sympathisieren: „Für mich sind die Wahlen dieses Jahr so schwer wie noch nie. Die Wahlprogramme der Parteien entsprechen nur zum Teil dem, was mir eigentlich gefällt. Mir ist es wichtig, eine gute Wahlentscheidung bezogen auf meine Zukunft zu treffen. Das erweist sich für mich als sehr schwer, weil ich mich mit keinem der Wahlprogramme zu hundert Prozent identifizieren kann. Außerdem haben viele Parteien so viele Punkte in ihrem Wahlprogramm, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass diese sämtlich umgesetzt werden können. Hinzu kommt, dass meine „Favoriten“-Partei durch die Corona-Krise einige Schwachpunkte offenbart hat, was meine Entscheidung nicht einfacher macht.“

Auch aus diversen Umfragen und Prognosen geht noch kein klarer Favorit hervor. Um letztendlich doch noch Orientierung zwischen der Themenvielfalt zu erhalten, bietet der Wahl-O-Mat Hilfe. Das Onlineportal der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es seit 2002 immer passend zu Wahlen und soll die Wahlentscheidung erleichtern. Das Portal kann helfen, sich einer Partei anzunähern und ihre Position besser kennenzulernen. Auch wenn natürlich nicht „blind“ nach dem Wahl-O-Maten gewählt werden sollte, bietet es Orientierung. Hauptsache man setzt sein Kreuz und geht wählen.

Luca Hannah Roters &

Franziska Böckenhoff

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