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Reformationsgottesdienst mit Joachim Frank in der evangelischen Großen Kirche

Zur Freiheit befreit

Burgsteinfurt

Der „Journalist des Jahres 2021“ ist zurück in seine alte Heimat gekommen. Kirchenkenner und -kritiker Joachim Frank hat zum Reformationstag die „Kanzelrede“ in der Großen Kirche gehalten.

Von Claudia Mertins

Joachim Frank mit Anne Timmers (l.), Presbyterin und ehemalige Klassenkameradin. Sie hatte die Idee, ihn einzuladen. Daneben die Eltern Helga und Heribert Frank sowie Pfarrer Hans-Peter Marker. Foto: Mertins

So voll war die Burgsteinfurter Große Kirche schon lange nicht mehr. Und so gespannt dürfte auch seit Langem keine Predigt mehr erwartet worden sein. Mit der Einladung von Joachim Frank, die Gastpredigt zum Reformationstag zu halten, ist die Evangelische Kirchengemeinde Burgsteinfurt einer Tradition gefolgt, eine prominente Stimme für die „Kanzelrede“ zu engagieren. Frank, Sohn des langjährigen Rolinck-Braumeisters Heribert Frank, ist in Steinfurt aufgewachsen und hat Katholische Theologie, Philosophie und Kunstgeschichte studiert. Das Priesteramt legte er nach vier Dienstjahren nieder. Eine steile Karriere als Journalist schloss sich an.

Im vergangenen Jahr wurde Frank zum „Journalisten des Jahres“ gekürt, gleichzeitig ist er als Berater beim „Synodalen Weg“ mit dabei. Ein Mann also, der sich nicht nur professionell mit Theologie und Rhetorik, sondern auch mit Um- und Aufbrüchen im eigenen Leben auskennt.

Als Grundlage seiner Predigt hatte der Katholik Joachim Frank einen klassischen Reformationstext ausgewählt: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Galater 5,1). Diese Kernbotschaft der Reformation, die Befreiung von der „Knute des Gesetzes“, beschrieb Frank als „Raum zum Atmen“ und Schlüssel für alle Reformen.

Frank skizzierte historische Momente, in denen der Ruf nach politischer und gesellschaftlicher Freiheit besonders laut wurde, beispielsweise 1989 in der damaligen DDR. Der Song „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen lief passend dazu von seinem Handy ab – die Gemeinde summte mit.

Aus Sicht des betroffenen Journalisten schilderte Frank dann, wie diese „Hymne der Wiedervereinigung“ 30 Jahre später von Querdenkern umgedeutet und schmerzhaft verzerrt wird. Auch in seiner eigenen Kirche sieht der ehemalige Arnoldiner eher einen „Gouvernanten-Geist“, als den Geist der Freiheit wehen. „Die Freiheit, von der Paulus im Galaterbrief spricht, ist aber nicht schrankenlos, nicht egoistisch, sie gründet sich in der Liebe Gottes“, erläutert der Theologe abschließend.

Die liturgische Leitung des Gottesdienstes hatte Pfarrer Hans-Peter Marker. Für den festlichen Charakter sorgten der CVJM-Posaunenchor und die Orgelmusik von Kantorin Simone Schnaars.

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