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Die Realschule am Buchenberg stellt sich gegen zu viel Abfall auf dem Pausenhof

Zusammen gegen Müll

Steinfurt

Die Realschule am Buchenberg geht neue Wege, um das Müllproblem ins Bewusstsein der Schüler zu bringen. Am Mittwoch war es ein Flashmob in der großen Pause.

Von Max Roll

Die Realschule am Buchenberg gibt Abfall einen Korb: Boris Vandeck hat mit seinen Klimadetektiven einen Flashmob gestartet, um die Realschule zu einem nachhaltigeren Ort und auf das Müllproblem aufmerksam zu machen. Foto: Max Roll

Mittwoch zehn Uhr. Für gewöhnlich gehen um diese Zeit alle Schüler der Realschule am Buchenberg ganz normal in die Pause, spielen, reden, trinken, essen und lästern. Doch etwas ist anders in dieser Pause. Auf dem großen Hof, unter den Dächern, sind überall große Müllcontainer aufgebaut, mit Plakaten zum Thema Müll und wo dieser am Ende landet. Ein paar Schüler lesen sich noch interessiert die Plakate auf den Containern durch, während Lea aus der 6e mitten über den Hof läuft und ganz provokant Müll aufs Pflaster, genau neben einen extra dort platzierten Behälter wirft. Die wenigsten wissen: Das ist der Startschuss.

Seit Wochen planen die Klima-Detektive, eine AG der fünften und sechsten Klasse, eine große Aktion. Wegen Corona hat sich die Planung so lange gezogen, dass unterm Strich sogar mehrer Durchgänge der Klimadetektive beteiligt waren. Unter der Leitung von Boris Vandeck machen sie mit bei dem Projekt „Gib Abfall einen Korb“. Bei diesem bewerben sich Schulen in ganz Deutschland und möchten durch besondere Aktionen eine von nur 20 Schulen sein, die besondere Fördermittel erhalten. Das hat die Realschule geschafft. Doch wie genau hat sie das eigentlich angestellt?

Zunächst wurde in der AG das Projekt besprochen und zusammen überlegt, was man an der Schule für eine Aktion realisieren kann. Dafür haben die Klima-Detektive Hot-Spots an ihrer Schule ausfindig gemacht, an denen vermehrt Müll rumliegt. Diese wurden auf einem Lageplan markiert und auf einem Plakat mit dem provokanten Titel „Realschule am Müllberg“ ausgestellt.

Außerdem wurden an den Mülleimern diverse Sticker angebracht, die bewusst auf die Behälter hinweisen und sie mit lustigen Sprüchen versehen, wie es in vielen Städten schon üblich ist. Außerdem wird für das kommende Halbjahr ein erweiterter Mülldienst stattfinden. Unter der Organisation der AG werden immer mittwochs, in voller Klassenstärke, während der Mittagspause, diese Mülldienste den Hof vom Abfall befreien. In jeder Klasse wird es zudem noch einen Klimabeauftragten geben, der sich primär um die Mülltrennung kümmert. „Unser Ansatz ist eine kontinuierliche Thematisierung dieses Abfallproblems mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Wir wollen damit sowohl die klimafreundlichen Vorteile als auch dem Anspruch des nachhaltigen Ansatzes gerecht werden“, beschreibt Boris Vandeck die Planung. Das Herzstück der Aktion war aber der Flashmob, der am Mittwoch stattfand.

Nachdem Lea nun also den Startschuss gesetzt hatte, warteten die Klimadetektive, alle an den Mülltonnen postiert darauf, dass ein Schüler den Müll aufhebt und wegwirft. Keine halbe Minute dauerte es, bis einer den Köder geschluckt hatte und der Flashmob losging. Alle machten Krach, trommelten auf den Tonnen herum und tauchten den Hof in ohrenbetäubenden Lärm. Vier Mädchen der Klima-Detektive griffen sich den Schüler und interviewten ihn über die Lautsprecheranlage auf dem Hof, fragten, warum er den Müll weggeworfen hat. Danach ihre klare Botschaft: „Wir sind die Klima-Detektive und möchten, dass unsere Schule nicht mehr die Realschule am Müllberg sondern wieder die Realschule am Buchenberg ist!“ Danach lief über die Anlage Musik rund um das Thema Müll und Nachhaltigkeit, während die AG mit Spraydosen die Müll-Hot-Spots markierte.

Nach der Aktion war den Schülern die Erleichterung deutlich anzumerken. Mara und Joleen, Schülerinnen der 6e und zwei der Moderatorinnen meinten: „Wir waren am Anfang echt aufgeregt. Nachher hat es aber sehr viel Spaß gemacht.“ Amina und Sophie komplettierten das Moderatorinnen-Quartett, waren aber ähnlich aufgeregt: „Es war sehr spannend, wir waren furchtbar aufgeregt. Wir haben sogar ein bisschen gezittert. Es war aber total cool und wir mussten viel lachen. Und wir haben uns ein wenig berühmt gefühlt.“ Saskia und Lina waren zwei Schülerinnen, die an den Tonnen Stellung bezogen hatten. Auch da war die Anspannung zu spüren. „Es lief nicht ganz nach Plan, deswegen waren wir sehr nervös. Wir dachten schon, dass es voll peinlich wird und viele haben uns schon gefragt, was wir da machen, bevor es überhaupt losging. Es hat aber sehr viel Spaß gemacht.“

Die Aufmerksamkeit war den Klima-Detektiven sicher und als eine von nur 20 Schulen die Förderung bekommen zu haben, spricht für den Erfolg der Aktion gegen ein Problem, was nicht nur an dieser Schule besteht.

                            Max Roll

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