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Zweiter Verkehrssicherheitstag

Jeder zweite Helm sitzt nicht richtig 

Münster

Die Fahrradsaison hat begonnen und auf Münsters Straßen sind wieder mehr Radfahrer unterwegs. Wer auf Nummer sicher geht, trägt einen Helm. Doch häufig sitzt der nicht fest. Wie er richtig getragen wird, lernten die Teilnehmer beim zweiten Verkehrssicherheitstag.

Von Klaus Möllers

Geschicklichkeitsparcour der Dekra für Kinder und ihre Eltern Foto: Klaus Möllers

Beim zweiten Verkehrssicherheitstag am Samstag haben sich unter anderem die Polizei und die Verkehrswacht eingebracht, damit Verkehrsteilnehmer auf ein sicheres Verhalten auf Straße- Rad- und Fußweg Acht geben. Sie schützen damit sich selbst und gleichzeitig andere, war die Botschaft. Veranstalter war die städtische Ordnungspartnerschaft „Sicher durch Münster“.

„Der Beginn der Fahrradsaison ist der Grund, warum wir im Verbund der Ordnungspartnerschaft den Tag gestalten“, sagte Marc Belusa, Leiter des Kommissariats Verkehrsunfallprävention und Opferschutz der Polizei Münster. Fahrtraining schon für Kinder etwa in der Jugendverkehrsschule der Verkehrswacht am Heumannsweg und ein Geschicklichkeitsparcours der Fahrzeugprüfer von der DEKRA auf dem Hafenplatz für Kinder und Erwachsene waren ein Bestandteil.

Leni Wohlgemuth aus dem Bereich Prävention des Vereins Kinderneurologie-Hilfe

Ebenso wurde auf Ausstattung im Verkehr und Folgen von Unfällen hingewiesen: „Wir zeigen, wie wichtig für Fahrradfahrer das Tragen eines Helmes ist. Aber jeder zweite Helm bei Personen sitzt nicht richtig“, erklärte Leni Wohlgemuth aus dem Bereich Prävention des Vereins Kinderneurologie-Hilfe auf dem Hafenplatz.

Sie und Kollegen passten Helme richtig an und erklärten anhand eines computergemessenen Test-Kopfs, welcher Druck bei einem Unfall auf den Schädel ausgeübt werden kann – mit beziehungsweise ohne Helm. „Man bekommt den Helm richtig eingestellt vom Fahrradhändler. Wenn man ihn ein paar Mal auf- und abgesetzt hat, verrutschen die Bänder“, so Wohlgemuth. „Der Helm sitzt nicht mehr sicher.“ Also: Wieder zum Händler, den Helm neu einstellen lassen. Auch die Kinderneurologie-Hilfe biete eine Anleitung als Video auf ihrer Internetseite www.kinderneurologiehilfe-muenster.de an.

Sensibilisierung durch moderne Technologie 

Anschaulich gemacht wurden Gefahren auf der Straße auf dem Parkplatz des Vereins Saxonia am Kanal nahe der Wolbecker Straße. Die Polizei Münster war zusammen mit Kollegen vom niederländischen „Team Verkeer Twente“, vom grenzüberschreitenden Polizei-Team aus Bad Bentheim und von der Polizeiinspektion Emsland vor Ort.

„Wir nutzen moderne Technik, um eine wichtige Zielgruppe – junge Fahrer – zu erreichen“, betonte Marc Belusa. Einen Simulator, der die Fahrt auf einem E-Scooter per Bildschirm nachstellte, zum Beispiel. „Mit dem Scooter darf ich nur auf dem Radweg fahren. Ich könnte meine Geschwindigkeit unterschätzen. Und ich muss mir der Verkehrsregeln bewusst sein“, verdeutlichte Belusa, dass Scooter-Fahren nicht bloß ein luftiger Spaß ist, um von Hier nach Dort zu gelangen.

Mit einem anderen Simulator einschließlich einer VR-Brille (VR steht für „Virtual Reality“, also eine künstlichen Wirklichkeit) konnten Besucher – am besten nüchtern natürlich – ohne sich selbst zu bewegen eine Trunkenheitsfahrt am Steuer mitmachen. Zur Aufklärung.

Helme retten Leben

Um drastische Konsequenzen von Unfällen tatsächlich zu zeigen, beteiligte sich der Münsteraner Joachim Kempkes (54) auf eigenen Wunsch hin am Info-Tag. Als Radfahrer wurde ihm im August 2020 in Nienberge von einem Transporter die Vorfahrt genommen. Er schlug auf die Windschutzscheibe des Wagens auf und dann auf das Straßenpflaster. „Hätte ich nicht einen Fahrradhelm getragen, wäre ich heute sicher nicht mehr unter uns“, sagte er am Samstag angesichts eigentlich zu erwartender Kopfverletzungen. Kempkes hatte den zerbrochenen Helm zur Anschauung mitgebracht. „Joachim hatte dank des Helms nur Schürfwunden, Hämatome und er hat Zähne verloren“, ergänzte seine Ehefrau Christiane. Dennoch ist Kempkes heute auf einen Rollstuhl angewiesen, weil es bei der Behandlung im Nachhinein Probleme gab.

17- bis 24-Jährige sind zu etwa 20 Prozent aktiv an tödlichen Unfällen beteiligt

Dass sich gerade junge Fahrer am Steuer häufig überschätzen, berichtete die Polizeiinspektion Emsland: Dort stellten die 17- bis 24-Jährigen acht Prozent der Bevölkerung, seien aber zu etwa 20 Prozent aktiv an tödlichen Unfällen sowie an solchen mit Schwerstverletzten beteiligt.

Kindern brachte die Polizistin Kerstin Hagemann aus Münster mit einem mobilen Puppentheater aufmerksames Verhalten im Straßenverkehr auf sanfte Weise näher. Das Motto hieß: „An der Bordsteinkante Halt – damit es nicht knallt.“

Interesse der Münsteraner ist überschaubar 

Der zweite Verkehrssicherheitstag war dem Eindruck nach nicht sehr gut besucht. Selbst auf dem zentrumsnahen Hafenplatz war die Zahl der Interessierten in der späten Mittagszeit sehr überschaubar. „Wir hatten uns von dem Tag tatsächlich mehr erwartet“, sagte Marc Belusa von der Polizei.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) indes berichtete von guter Nachfrage schon bei Aktions-Beginn um 10 Uhr. Bis zum frühen Nachmittag hätten sich 15 Personen in der Geschäftsstelle an der Dortmunder Straße ihren Fahrradrahmen codieren lassen, damit es bei Verlust besser wiedergefunden werden kann. Auch stellte der ADFC seine Selbsthilfewerkstatt vor, die sonst mittwochs von 16 bis 19 Uhr geöffnet ist.

Alle Veranstaltungsorte des Verkehrssicherheitstages befanden sich im Osten der Stadt, recht nah beieinander. Damit mehrere (mit dem Fahrrad) besucht werden konnten.

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