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IHK-Konjunkturumfrage

Energiepreisschock trifft regionale Wirtschaft

Münster

Die heimischen Betriebe schätzen ihre wirtschaftliche Lage zunehmender pessimistischer ein: Das zeigt die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage. Vor allem die durch den Ukraine-Krieg ausgelöste Preisexplosion auf den Energiemärkten macht den Unternehmen zu schaffen.

Ein Bild mit Seltenheitswert: Vor allem der Handelt leidet unter der Inflation und der Zurückhaltung der Verbraucher. Foto: Carsten Rehder

Die Energiekrise treibt Deutschland in eine Rezession. In der vergangenen Woche schraubte die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose herunter und auch bei der aktuellen Konjunkturumfrage, die die IHK Nord Westfalen am Dienstag veröffentlicht hat, ist der Pessimismus der heimischen Wirtschaft zu spüren.

Lage spitzt sich zu

„Unsere Wirtschaft hat kaum Zeit zum Durchatmen. Die Erholung infolge der Corona-Pandemie kommt an ein Ende. Die Lage spitzt sich angesichts der explodierenden Energiekosten erwartbar zu“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Fritz Jaeckel. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen seien auf ein Allzeittief gesunken, die wachsende Anspannung zu spüren. „Ein herber konjunktureller Rückschlag ist in den kommenden Monaten kaum noch zu vermeiden“ ist auch die Einschätzung Jaeckels.

Laut Umfrage nimmt das Eigenkapital der Unternehmen deutlich ab, Liquiditätsengpässe treten häufiger auf. Infolge der Corona-Pandemie seien die finanziellen Rücklagen geschmolzen. Noch beobachte man keine Insolvenzwelle, so Jaeckel, aber die Risiken seien angesichts der enormen Belastungen hoch.

Verbraucher geben weniger aus

Während sich die Lage bei den Dienstleistungen vergleichsweise stabil darstellt, steuert der Handel bereits in schweres Fahrwasser. Die hohe Inflation sorge für deutlich gesunkene Konsumausgaben der Verbraucher.

Betriebe versuchen Mitarbeiter zu halten

„Interessant ist, dass der Arbeitsmarkt von der konjunkturellen Entwicklung entkoppelt ist“, sagt Jaeckel. „Im Gegenteil könnte man sogar sagen, dass vom Arbeitsmarkt eine eher stabilisierend Wirkung ausgeht.“ Angesichts des Fachkräftemangels würden viele Betriebe offenbar versuchen, ihre Mitarbeiter unter allen Umständen zu halten – trotz der konjunkturellen Schwächephase.

Grundsätzlich sei die Lage sehr ambivalent, die Branchen würden sehr unterschiedlich reagieren. „Was man schon sagen kann: In der Entwicklung werden am Ende solche Unternehmen gewinnen, die es schaffen, sich von der Energiepreisentwicklung unabhängiger zu machen“, sagt Jaeckel.

Den 200-Milliarden-Euro-Wumms der Bundesregierung begrüßt der IHK-Hauptgeschäftsführer ausdrücklich: „Wir können uns das leisten – nur nicht jedes Jahr. Und: Er muss schnell kommen, damit er rechtzeitig wirken kann.“

Die repräsentative Befragung von 500 Unternehmen im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region lief vom 19. September bis zum 7. Oktober.

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