1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. MZ: Mantel (Shared Content)
  4. >
  5. Der Reformdruck steigt

  6. >

Kommentar zur Kostendebatte in der Pflege

Der Reformdruck steigt

Eine der größten sozialpolitischen Baustellen ist die Pflege, denn die geburtenstarken Jahrgänge laufen langsam, aber sicher und oft auch ohne stützende Familie ins Rentenalter ein. Wer soll sie pflegen? Wie soll dies finanziert werden?

Eine Altenpflegerin im Schutzanzug hält die Hand eines Bewohners in einem Pflegeheim. Foto: dpa Foto: Sebastian Gollnow

In den alles überlagernden Debatten um die ­„Zeitenwende“ geraten sozialpolitische Großbaustellen leicht aus dem Blickfeld. Eine der größten davon ist die Pflege, denn die geburtenstarken Jahrgänge laufen langsam, aber sicher und oft auch ohne stützende Familie ins Rentenalter ein. Wer soll sie pflegen? Wie soll dies finanziert werden?

Das macht immer mehr Menschen Sorge. Denn was in Zukunft kommt, ist bereits spürbar. Dass Pflegekräfte in Heimen mehr Geld erhalten ist richtig, treibt aber die Kosten weiter nach oben. Heimplätze sind rar, und angesichts von Corona und Pflegenotstand fällt es immer schwerer, den Standard zu halten. Viele Ältere können sich einen Heimplatz nicht mehr leisten, Hunderttausende setzen auf günstige Pflegekräfte aus Osteuropa. Viele pflegende Angehörige geben zwar gerne ihren Job für geliebte Familienmitglieder auf, fühlen sich aber alleingelassen im schweren Alltag. Die Gefahr: eine Grauzone aus Selbstausbeutung und würdeloser Verwahrung.

Der Staat darf Bürger in der existenziellen Frage, wie man den letzten Lebensabschnitt achtsam gestalten kann, nicht allein­lassen. Der Druck für eine grundlegende Reform – weit über Finanzfragen hinaus – wächst.

Startseite
ANZEIGE