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Kommentar: Digitale Wende

Die Einstellung zählt

Deutschland als digitales Entwicklungsland zu bezeichnen, ist billig - aber nicht falsch. Das ist im Alltag oft vor allem nervig, mit Blick aufs große Ganze aber brandgefährlich. Unser aller Wohlstand hängt perspektivisch davon ab, wie gut wir die digitale Wende meistern. Und wie schnell. Ein Kommentar.

Messungen zufolge gibt es weiterhin Defizite beim Internet zu Hause. Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa-Zentralbild/dpa

In puncto Digitalisierung ist Deutschland ein Entwicklungsland. Auch die selbst ernannte Fortschrittskoalition hat daran nichts geändert. Breitband ist kein Standard, die digitale Verwaltung Zukunftsmusik. Und wer schnelles Internet gebucht hat, kann längst nicht sicher sein, auf der High-Speed-Welle zu surfen. All das ist bedauerlich, laut beklagt wird es aber nicht. Das ist das eigentlich Skandalöse: Es scheint, dass sich Land, Regierungen und Regierte mit dem Missstand abgefunden haben. Ist halt so …

Das aber ist brandgefährlich. Denn: Den Wohlstand von morgen garantieren nicht nur eine gesicherte Energieversorgung und engagierte Friedenspolitik. Er hängt vor allem davon ab, wie schnell sich das Land auf die digitale Wende einstellt. Modernisierung heißt auch zu verstehen, dass Deutschland ohne flächendeckendes Hochgeschwindigkeitsnetz und künstliche Intelligenz unaufhaltsam und in allem zurückfällt.

Sicher, das Erbe der Merkel-Jahre ist hier eine Hypothek. Wahr ist auch: Die Ampel ist durch andere Aufgaben gefordert. Dennoch muss Scholz zwei Dinge tun: die Digitalisierungsthemen im politischen Schaufenster nach vorne stellen und jemanden finden, der sie verkörpert – also jemand anderen als den hier konturlosen Volker Wissing. Ansonsten verliert Deutschland den Anschluss. Nicht nur im europäischen, sondern im weltweiten Vergleich.

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