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Pandemie

Andrew Lloyd Webbers Wut auf feiernde Fußballfans

London (dpa)

Um die Öffnung der Theater zu erreichen, wollte er sogar ins Gefängnis gehen. Trotzdem verzichtet Andrew Lloyd Webber für sein neues Musical «Cinderella» aus Vorsicht auf eine Premierenfeier in London.

Von Christoph Meyer, dpa

Der britische Musical-Komponist Andrew Lloyd Webber will die anstehende Premiere von «Cinderella» doch nicht groß feiern. Foto: Caroline Seidel/dpa

Theater ein Luxus? Dieser Gedanke macht Andrew Lloyd Webber wütend.

Seine Stimme bebt ein wenig, wenn er darüber spricht. Der 73 Jahre alte britische Musical-Papst hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten vehement für eine Öffnung der Theater und Konzertsäle in Großbritannien eingesetzt. Sogar festnehmen lassen wollte er sich, sollte die Regierung nicht rechtzeitig Aufführungen vor vollen Rängen erlauben.

Doch das wird nicht nötig sein: Vom 19. Juli an darf in England wieder vor vollem Saal gespielt werden. Die Premierenfeier für sein neues Musical «Cinderella» hat Lloyd Webber vorsichtshalber abgeblasen, wie er der Deutschen Presse-Agentur in einem Interview verrät. Die Infektionszahlen in Großbritannien steigen seit Wochen drastisch an. «Ich habe einfach das Gefühl, dass für uns im Theater eine Gala-Premiere absolut falsch wäre», so Webber und fügt hinzu: «Wir müssen vorbildlich sein.»

Genau deshalb ärgert sich Webber über Zehntausende Fußball-Fans, die schon jetzt in Stadien und auf den Straßen Englands ausgelassen den Erfolg ihrer Nationalmannschaft in der Europameisterschaft feiern. Denn gleichzeitig finden die Previews von «Cinderella» noch vor einem stark reduzierten Publikum statt. «Das ist monströs, das ist unfair und ich werde dagegen kämpfen bis zum Letzten», wettert er. Dabei habe sich in Pilotprojekten herausgestellt, dass voll besetzte Theater keineswegs Brutkästen für die Pandemie seien. Um die Ergebnisse dieser Studien zu bekommen, hatte Webber sogar Klage gegen die Regierung eingereicht.

Hört man den Schöpfer von Musicals wie «Cats», «Evita» und «Jesus Christ Superstar» sprechen, bekommt man den Eindruck, dass Musik und Theater zu den lebenswichtigen Dingen gehören, beinahe wie die Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser. «Musik und Theater sind ein elementarer Teil unser aller Leben. Musik ist eine elementare Sache für junge Menschen und wir wissen, dass sie unser Wohlbefinden verbessert», so der Brite.

Für den Inhaber von sieben Theatern im Londoner West End gibt es natürlich auch einen finanziellen Aspekt: Vor halb gefüllten Publikumsrängen zu spielen, rentiert sich nicht und auch hier kritisiert er die britische Regierung heftig. «Die kommerziellen Theater haben abgesehen von einem einzigen absolut nichts bekommen», empört er sich. Das sei beispielsweise in den USA anders gewesen, wo es großzügige finanzielle Unterstützung gegeben habe und der Broadway schon wieder offen sei.

Nun hofft er, dass «Cinderella» trotz langer Verzögerung doch noch ein Erfolg wird. «Es hat alles, was es braucht, um ein großer Hit zu werden» sagt Webber. Das Album zum Musical erschien bereits am Freitag und gibt einen Vorgeschmack auf die Show. Im Zentrum der Neuerzählung von Skriptwriterin Emerald Fennell steht eine Art Anti-Cinderella, die sich Schönheitsidealen und verbreiteten Erwartungen an junge Frauen widersetzt. Dementsprechend heißt die erste ausgekoppelte Single auch «Bad Cinderella».

«Die zentrale Botschaft ist sehr wichtig für mich und besonders für junge Menschen heute, und zwar, dass man sich nicht anpassen sollte», sagt Webber. Wenn es ums Impfen geht, ist es aber in den Augen des Impresarios nicht angebracht, aus der Reihe zu tanzen. Der Komponist hatte sich bereits im vergangenen Sommer im Rahmen einer Studie als Freiwilliger gemeldet und hat inzwischen vier Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs erhalten. «Ich empfehle jedem nachdrücklich, sich impfen zu lassen», sagt er.

Wer glaubt, der umtriebige Engländer denke im Alter von 73 an den Ruhestand, täuscht sich. Er arbeite bereits an seinem nächsten Projekt, so Webber. Worum es genau geht, ist noch geheim, nur so viel verrät er: «Es ist ein ziemlich ernsthaftes Thema».

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