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TV-Tipp

Arte zeigt Doku «Pop & Passion»

Berlin (dpa)

Tanzen und singen vor der Mattscheibe ist längst aus der Mode. Die Arte-Doku «Pop & Passion. Der Rausch der Emotionen» knüpft mit alten Musikvideos an die Zeit des Musikfernsehens an.

Von Vanessa Reiber, dpa

Skin (r), die Leadsängerin von Skunk Anansie, mit einem weiblichen Fan. Foto: India Fleming/ZDF/Arte/dpa

Was haben Beyoncé, Tokio Hotel und Rammstein gemeinsam? Was der Beginn eines schlechten Witzes sein könnte, löst die Doku «Pop & Passion».

Der Rausch der Emotionen» direkt schon zu Beginn auf: Die Musikstars transportieren Wut und Zorn in ihrer Musik. Tokio Hotel Frontmann Bill Kaulitz etwa nennt Wut den Motor seiner frühen Karriere. «Natürlich hast du da Wut im Bauch», erinnert sich sein Bruder Tom an den Karrierestart im Teenageralter.

Mann, ist das alles lange her - der Gedanke drängt sich beim Schauen der Doku zwangsläufig schon bei den Passagen mit den Kaulitz-Zwillingen auf. Mehr als 15 Jahre nach der Veröffentlichung vom Debütalbum «Schrei» hat sich die Band optisch und musikalisch enorm verändert.

Regisseurin Schyda Vasseghi gräbt sich aber viel tiefer in der Popgeschichte und kombiniert Ausschnitte bekannter Musikvideos mit Mitschnitten von Konzerten. Nirvarnas «Smells Like Teen Spirit», Whitney Houston mit «I Will Always Love You» oder «Fight The Power» von Public Enemy - es herrscht akute Ohrwurmgefahr.

Neben Musikexpertinnen und Musikexperten geben auch die Künstlerinnen und Künstler selbst immer wieder Kommentare ab. Unter anderem US-Rapper Kendrick Lamar, die britische Sängerin Skin (Skunk Anansie) und auch US-Sängerin Gayle verraten in gut 50 Minuten mehr über ihre Musik und was sie antreibt. Gayle etwa, die in ihrem Nummer-eins-Hit «abcdefu» wütend mit einem Ex-Freund abrechnet, sagt: «Ich habe das Gefühl, dass es so viele Dinge gibt, bei denen man automatisch als zickig, herrisch, dramatisch oder als Diva abgestempelt werden kann.»

Vasseghi setzt aber nicht nur auf Musikstars und Welthits, sondern schafft in «Pop & Passion. Der Rausch der Emotionen» auch Platz für Gesellschaftskritik. Unter dem Stichwort Wut legt sie etwa einen Schwerpunkt auf die Diskriminierung von Schwarzen in den USA. Kendrik Lamar, der die Black Lives Matter Hymne «Alright» lieferte, wird in einen größeren Kontext mit den Hip-Hoppern von N.W.A gesetzt. «Ich tue Dinge für meine Generation. Ich bin mir sicher, dass meine Vorfahren sehr stolz darauf wären, dass ich uns in einem positiven und nicht in einem negativen Licht repräsentiere», sagt Lamar.

Die «Pop & Passion. Der Rausch der Emotionen» ist nicht nur für Musikfans sehenswert. Die Doku zeigt auch unangenehme Aspekte des Musikgeschäfts wie die Sexualisierung von Frauen. Tina Turner, die von ihren Mann und Produzenten Ike gezwungen worden sein soll, Oralsex auf der Bühne nachzuspielen, oder auch Donna Summer, die nicht wusste, dass ihr gestöhnter Welthit «Love to Love You Baby» veröffentlicht wurde, sind nur zwei Beispiele, die die Doku zeigt. Solche Aufnahmen machen wütend und Vasseghi gelingt es, den Kreis zur Wut wieder zu schließen.

Arte zeigt den ersten Teil der Doku am Freitag (22.00 Uhr) und im Anschluss «Pop & Passion. Der Treibstoff des Erfolgs».

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