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Hollywood

«Baby» tritt aus der Ecke: Jennifer Grey über ihr Leben

New York (dpa)

Mit «Dirty Dancing» wurde Jennifer Grey berühmt, doch danach kam ihre Karriere nie wieder richtig voran. Jetzt erzählt sie von Promi-Verlobungen, ihrer zeitweiligen Abneigung gegen Patrick Swayze und ihrer Nasen-OP.

Von Christina Horsten, dpa

Die Schauspielerin Jennifer Grey wurde mit dem Film-Klassiker «Dirty Dancing» weltberühmt. Jetzt hat sie ihr Leben in der Autobiografie «Out of the Corner» aufgeschrieben. Foto: Faye Sadou/AdMedia via ZUMA Wire/dpa

Kaum ein Satz aus dem Film-Klassiker «Dirty Dancing» wird häufiger zitiert als der von Tanzlehrer Johnny (Patrick Swayze), als er sich endlich zu seiner Tanzschülerin und späteren Freundin Frances «Baby» Houseman (Jennifer Grey) bekennt: «Mein Baby gehört zu mir.»

In der englischen Originalfassung lautet dieser Satz «Nobody puts Baby in a corner» - auf Deutsch etwa: «Niemand stellt Baby in die Ecke» - und ist ebenfalls in die Geschichte der Filmzitate eingegangen.

Genau diesen Satz hat sich die Hauptdarstellerin Grey nun 35 Jahre nach der Premiere des Kultfilms für ihre Autobiografie ausgesucht: «Out of the Corner» heißt das jüngst in den USA veröffentlichte Werk. Das Buch ist der Versuch eines Befreiungsschlags für Grey, die inzwischen 62 Jahre alt ist und deren Karriere nach dem vielversprechenden Auftakt mit «Dirty Dancing» nie richtig Fahrt aufnehmen konnte. Mit der Autobiografie will «Baby» nun endlich «aus der Ecke treten» - dabei - und das ist einer der vielen Einblicke hinter die Kulissen, die Grey gewährt - fanden eigentlich weder sie noch Swayze den Satz besonders gut und wollten ihn eigentlich aus dem Drehbuch streichen.

In ihrem Buch erzählt Grey auch von einem ganz anderen Drama - dem ihrer Nase. Schon ihre Eltern - beide ebenfalls berühmte Schauspieler, ihr Vater Joel Grey gewann für seine Rolle im Musicalfilm «Cabaret» 1973 den Oscar als bester Nebendarsteller - hatten sich ihre Nasen kosmetisch verändern lassen und ermunterten die Tochter immer wieder, es auch zu tun. Jennifer Grey wehrt sich lange und bekommt mit ihrer markanten Nase die Hauptrolle in «Dirty Dancing» - aber als die nächsten guten Rollen auf sich warten lassen, tut sie es doch.

Einst Liebling Amerikas

«Nach "Dirty Dancing" war ich der Liebling Amerikas - und man würde denken, dass das der Schlüssel gewesen wäre, um all meine Hoffnungen und Träume zu verwirklichen», schreibt Grey. «Das hatte ich auch erwartet. Aber so lief es nicht.» Das Ergebnis zweier Nasen-Operationen ist für sie verheerend: Niemand erkennt sie mehr, noch nicht einmal Freunde und Bekannte und schon gar nicht die Paparazzi am roten Teppich.

«In den Augen der Welt war ich nicht mehr ich», schreibt Grey - und erzählt davon, wie sie einmal für einen Flug eincheckte und die Frau am Schalter ihr einfach nicht glauben wollte, dass sie wirklich die Jennifer Grey aus dem berühmten Film sei. «Ich habe "Dirty Dancing» ein Dutzend Mal angeschaut», habe die Fluglinien-Mitarbeiterin gesagt. «Ich kenne Jennifer Grey. Und du bist es nicht.» Bis heute bleibt «Dirty Dancing» Greys einzige große Rolle, seitdem hat sie nur noch kleinere und unbedeutendere Rollen bekommen können.

Dabei war sie aufgrund ihrer berühmten Eltern schon als Kind hauptsächlich von Schauspielern umgeben, wuchs in New York und Los Angeles auf und studierte nach der Schule am Neighborhood Playhouse School of the Theatre in Manhattan. Maggie Wheeler - später als «Janice» aus der Kultserie «Friends» weltberühmt - gehört seit der Kindheit zu ihren besten Freundinnen, auch Jamie Lee Curtis und Michael Fox sind enge Freunde, die Grey bei der Autobiografie geholfen haben. «Wir alle kennen Jennifer Grey als talentierte Schauspielerin, aber "Out of the Corner" stellt uns eine talentierte Autorin vor», lässt sich Fox auf der Rückseite des Buches zitieren.

Mehrfach verlobt

Mit mehreren prominenten Schauspielern war Grey auch verlobt: In den 80er Jahren zunächst mit Matthew Broderick («Ferris macht blau»), der heute mit Sarah Jessica Parker verheiratet ist. Kurz vor der «Dirty Dancing»-Premiere erlebt das Paar ein Drama, als sie bei einem Urlaub in Nordirland in einen schweren Verkehrsunfall geraten, bei dem zwei Frauen sterben und Broderick schwer verletzt wird. Broderick habe sie danach eigentlich nicht zur «Dirty Dancing»-Premiere fliegen lassen wollen, schreibt Grey.

Kurz darauf trennt sich das Paar - und Grey verlobt sich nur wenige Wochen später mit Johnny Depp, der damals gerade mit der Serie «21 Jump Street – Tatort Klassenzimmer» berühmt geworden war. Aber auch diese Beziehung hält nicht lange und Depp kommt kurz darauf mit Greys Nachbarin in Los Angeles, der Schauspielerin Winona Ryder, zusammen. «Er wollte, dass wir uns gegenseitig unsere Namen tätowieren lassen und jetzt stand auf seinem Arm "Winona Forever"», erinnert sich Grey. «Praktischer wäre es wahrscheinlich gewesen, wenn Johnny sich "Dein Name hier" stechen lassen hätte.» Kurz nach ihrem 40. Geburtstag heiratet Grey dann den Drehbuchautor und Schauspieler Clark Gregg und bekommt die ersehnte Tochter Stella. Seit 2021 ist Grey wieder geschieden.

Ihr Verhältnis zu Patrick Swayze

Von dem aus Sicht von «Dirty Dancing»-Fans berühmtesten Mann in ihrem Leben fühlte sich Grey dagegen nie angezogen. «Patrick und ich waren manchmal wie Öl und Wasser. Ich glaube, er ging automatisch davon aus, dass ich mich mehr zu ihm hingezogen fühlen würde, als er zu mir, was Sinn gemacht hat, denn ich war wahrscheinlich die einzige Frau auf dieser Erde, die nicht wie Butter auf Toast geschmolzen ist, wenn er ins Zimmer kam.»

Swayze habe sie schon am Set eines vorherigen gemeinsamen Filmes («Die rote Flut») so geärgert und genervt, dass sie eigentlich nicht wollte, dass er die Rolle in «Dirty Dancing» bekommt, schreibt Grey. Auch während der Dreharbeiten, die sowieso von knappem Budget, kurzer Drehzeit, schwierigen Wetter-Verhältnissen und zahlreichen anderen Problemen erschwert wurden, habe sich ihre Beziehung nicht wirklich gebessert. Dann aber kam die berühmte Szene mit der Hebefigur, vor der Grey große Angst hatte und die Swayze locker meisterte. «Da wusste ich, dass er die einzige Person war, die diese Rolle hätte spielen können. Wenn ich den Mut hatte zu springen, würde er mich immer auffangen.» 

Swayze wurde mit «Dirty Dancing» zum Traummann einer ganzen Generation, sein Krebstod 2009 mit nur 57 Jahren weltweit beweint. «Ich wünschte, Patrick wäre noch am Leben. Ich wünschte, wir könnten uns treffen und darüber sprechen, wie wir beide zwar nicht mehr Kinder, aber doch noch ziemlich dumm waren», schreibt Grey. «Ich wünschte, ich könnte ihm sagen, wie glücklich ich mich schätze, dass er der Johnny für mein Baby war.»

- Jennifer Grey: Out of the Corner, Ballantine Books, 352 Seiten, ISBN 9780 59335 6708.

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