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Netflix-Film

«Bardo»: Surrealistische Reise nach Mexiko

Berlin (dpa)

In seinem neuen Film «Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten» befreit sich der oscargekrönte Regisseur Iñárritu von allen formalen Zwängen. Das verwirrt und beeindruckt zugleich.

Von dpa

Daniel Gimenez Cacho spielt Silverio im Film «Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten». Foto: Rodrigo Jardon/Netflix/dpa

Alleine die Anfangsszene: Wir sehen eine weite Wüstensteppe und einen langen Schatten, der sich als der eines Mannes herausstellt, der rennt und immer wieder in die Luft abhebt. Der Oscar-Preisträger Alejandro González Iñárritu («The Revenant», «Birdman») ist bekannt für seine atemberaubenden Bilder. Und so ist auch sein neuestes, von Netflix produziertes Werk visuell hinreißend.

«Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten» - seit Freitag zu streamen - erzählt von einem erfolgreichen Journalisten und Filmemacher namens Silverio (Daniel Giménez Cacho), der wegen einer Preisverleihung in sein Heimatland Mexiko zurückkehrt und dort in eine existenzielle Krise stürzt. Er ist von Erinnerungen und Ängsten bestimmt, die sich im Film immer wieder mit der Gegenwart vermischen.

Zwischen Wahrheit und Fiktion

Was ist echt, was nur die Vorstellung der Hauptfigur? Der Film spielt damit geschickt, schlägt aber auch ziemlich viele Haken. Man merkt, dass Netflix dem aus Mexiko stammenden Filmemacher - «Bardo» hat zweifelsohne autobiografische Elemente - kreative Freiheit gelassen hat.

Immer wieder wird es surrealistisch. Wir sehen Silverio zum Beispiel im Krankenhaus bei der Geburt seines Kindes, das sich entscheidet, angesichts der schrecklichen Welt lieber wieder in den Bauch seiner Mutter zurückzukehren. Später stellt sich heraus, dass es in Wirklichkeit kurz nach der Geburt starb.

Persönliche Elemente

Silverio erkundet seine eigene Identität, aber auch die seines Heimatlandes. So eindrucksvoll wie beklemmend ist etwa eine Szene, in der er einen großen Berg aus Leichen von indigenen Mexikanern erklimmt. Oben trifft er Hernán Cortés, den spanischen Kriegstreiber, unter dessen Führung die Spanier das Reich der Azteken im heutigen Mexiko unterwarfen.

In «Bardo» reihen sich viele solcher Szenen aneinander, die stets handwerklich großartig gemacht sind, denen aber manchmal der Fokus fehlt. Ein ausufernder Film, in dem sich Iñárritu von allen formalen Zwängen zu befreien scheint. «Bardo» ist kein neuer «Birdman» - aber wegen seiner grandiosen Bilder und des tollen Sounds lohnt sich das Schauen.

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