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TV-Tipp

«Das Quartett» und ein Mord am Grill

Leipzig (dpa)

Die schlechte Nachricht ist: Es kommt kein neuer Samstagabend-Krimi. Die gute Nachricht ist: Der ZDF-Film von 2020 ist spannend erzählt.

Von Marco Krefting, dpa

Heidi (Johanna Gastdorf, l-r), Maike (Anja Kling), Linus (Anton Spieker), Christoph (Shenja Lacher) und Pia (Annika Blendl). Foto: Oliver Vaccaro/ZDF/dpa

Das Sommerloch hat im deutschen Fernsehen eigentlich noch nicht begonnen. Doch zumindest die Zuschauer, die mit Fußball nichts am Hut haben, haben es seit einigen Wochen häufig nicht so leicht.

An vielen Abenden zeigt ein Sender ein quotenstarkes Match und die übrigen Kanäle heben kostbare neue Produktionen lieber für später auf und servieren dafür Konserven. So läuft es auch an diesem Samstagabend. RTL überträgt den Klassiker Italien-Deutschland in der Nations League. Das Erste und das Zweite zeigen Wiederholungen - so läuft um 20.15 Uhr auch der ZDF-Krimi «Das Quartett: Das Mörderhaus».

Schauplatz ist diesmal ein Mehrfamilienhaus in Leipzig. Zwei Leichen liegen hier: ein Mann im Obergeschoss. Erstickt, weil er einen Grill in der Wohnung stehen hatte. Und eine Frau im Keller. Erschlagen mit blutigem Hinterkopf. Doch in der Folge geht es bald auch um die Tochter des Vermieters. Sie ist 15 und verschwunden. Hängen alle drei Fälle zusammen oder ist es Zufall, dass das Haus sie verbindet?

Regisseurin Vivian Naefe hat die Ermittlungen 2020 unaufgeregt, aber spannend inszeniert. Anfangs muss der Zuschauer bei den ganzen Namen der Opfer und Verdächtigen und Hausbewohner aufpassen. Die Ermittler der Mordkommission K14 dröseln zwar alles mit moderner Technik an der Computernachbildung des Hauses auf. Doch der Fall wird komplexer.

Die vier Kommissare können alle ihre eigenen Stärken mit einbringen. Maike Riem (Anja Kling) leitet das Team und schafft es zwischendurch noch, eine Entspannungseinheit einzulegen. Pia Walther (Annika Blendl) ist Fachfrau für Emotionen, Christoph Hofherr (Shenja Lacher) der klassische Ermittler und Linus Roth (Anton Spieker) Spezialist für Computerfragen. Mit Hightech und speziellen Kameras kann er den Tatort in 3D nachbilden. Ein bisschen CSI-Flair, der allerdings für Nicht-Technikfans in manchen Szenen etwas zu lang geraten könnte.

«Das Mörderhaus» ist der zweite Teil um «Das Quartett». 5,81 Millionen sahen im Dezember 2020 die Erstausstrahlung. Fast exakt genau so viele hatten im Oktober 2019 zur ersten Folge eingeschaltet. Aber auch wer nicht von Beginn an dabei war, ist schnell drin. Das Privatleben der vier Hauptfiguren bleibt dabei eher nebensächlich.

Mit zwei Leichen und einer vermissten Jugendlichen ist genug zu tun und Konzentration gefragt. Hinweise auf den oder die Täter sind durch den Film gestreut, erfahrene Krimi-Gucker werden sie recht leicht identifizieren. Für humorvolle Abwechslung sorgt da mancher Dialog. Sei es der Polizist, der sagt: «Der Freund der Leiche wäre jetzt verfügbar.» Oder der Nachbar, der von den Polizisten befragt zunehmend in Bedrängnis gerät und abwehrt: «Ich mag Sie beide überhaupt nicht mehr.» Oder die Kommissarin, die warnt: «Sie werden auch bald ersticken - und zwar an allem, was sie uns verschweigen.»

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