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TV-Tipp

Der Auftrag

Der «Tatort»-Regisseur Florian Baxmeyer widmet sich erneut dem Thema Clan-Kriminalität. Im Thriller «Der Auftrag» zeigt er, wie eine gestörte Berliner Durchschnittsfamilie ins Visier eines arabischen Gangsterbosses gerät.

dpa

Der Zeugenschützer Lobeck (Oliver Masucci, r) bringt den unvorsichtigen Miki (Aaron Hilmer) zurück ins Versteck. Foto: Stephan Rabold

Berlin (dpa) – Drogenhandel, Prostitution, Schutzgelderpressung und Raubüberfälle sind typische Straftaten für das Organisierte Verbrechen. Kriminelle Clans sind darauf spezialisiert.

In einigen deutschen Städten ist eine Parallelwelt entstanden, die die Behörden lange unterschätzt haben. Mit diesem Thema beschäftigt sich auch der packende Thriller «Der Auftrag» des renommierten Regisseurs Florian Baxmeyer. Das Erste zeigt ihn am Sonnabend (30. März) um 20.15 Uhr.

In «Brüder» (2014), einem seiner zahlreichen «Tatort»-Fälle, hatte sich der heute 44-Jährige schon einmal dem Thema gewidmet – damals in Bremen. Nach dem Drehbuch des mehrfachen Grimme-Preisträgers Holger Karsten Schmidt (53, «Gladbeck») spielt die Handlung diesmal in Berlin.

Um Clan-Kriminalität in der Hauptstadt drehte sich erst am vergangenen Montag der ZDF-Krimi «Gegen die Angst». Nadja Uhl spielt darin eine Staatsanwältin, die es mit einem Clan aufnimmt, der bei Prostitution, Schutzgelderpressung und Drogengeschäften mitmischt. Die Serie «4 Blocks», von der bisher zwei Staffeln zu sehen waren und die dritte angekündigt ist, spielt ebenfalls in Berlin und beschäftigt sich mit genau dem gleichen Themenspektrum.

Bei «Der Auftrag» ist der «4 Blocks»-Darsteller Oliver Masucci wieder mit von der Partie. Anna Bederke («Sommerfest») und Anja Kling sind zwei weitere sehenswerte Darsteller in der ARD-Produktion. Dazu gehört auch der junge Aaron Hilmer, der die Hauptfigur, den 16-Jährigen Miki Witt, anrührend glaubwürdig und sympathisch verkörpert.

Miki, der mit seiner Clique nachts auf den Straßen der Großstadt unterwegs ist, wird Zeuge, wie der libanesische Gangsterboss Ahmed Sayed (Timur Isik) einen Undercover-Agenten des Landeskriminalamts erschießt. Nur knapp entkommt der Teenager dem Mörder, der ihn mit allen Mitteln zum Schweigen bringen will. Deshalb werden Miki und seine getrennt lebenden Eltern (Anja Kling, Gregor Bloéb) bis zu seiner geplanten Aussage ins Zeugenschutzprogramm genommen. Dafür bringt man die Familie ins Ausland - in eine einsame Villa bei Rom.

Als Begleitung wählt LKA-Chef Decker (Johannes Allmayer), der eine undichte Stelle in seiner Abteilung vermutet, bewusst zwei Neulinge im Zeugenschutz aus: Kriminalhauptkommissarin Sarah Brandt (Bederke) und eine weitere junge Kollegin. Mit dem wortkargen Mario Lobeck (Masucci) stellt er den beiden zwar einen alten Hasen an die Seite.

Doch der handelt nicht nur gern eigenmächtig, sondern hat auch bei seinem vorigen Einsatz sein komplettes Team verloren. Und er ist Alkoholiker. «Ich bin zu feige, um mir das Leben zu nehmen. Aber andererseits ertrage ich es nicht», sagt Lobeck. Auf dem Villengelände halten sich außerdem italienische Vertreter der Staatsgewalt auf.

Bald kommt es zu Spannungen zwischen Eingeschlossenen und Bewachern. Und ein nächtlicher Überfall auf das Gelände zeigt der LKA-Beamtin Brandt das Ausmaß der Gefahr, in der sich alle befinden. Immer gewaltsamer spitzt sich die Lage zu. Niemandem ist mehr zu trauen. Am Ende bleiben Undurchsichtigkeit, Trauer, Trostlosigkeit – und nur die trübe Gewissheit: Die Mörder sind mitten unter uns. In grauen, oft sterilen Bildern, die frösteln machen, vermittelt Regisseur Baxmeyer in «Der Auftrag» eine aus den Fugen geratene Welt.

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