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TV-Tipp

Dieter sucht noch mal einen Superstar

Köln (dpa)

Die Casting-Show «Deutschland sucht den Superstar» hat schon einige Veränderungen durchgemacht - zum Abschluss setzt sie nun zu einer Rolle rückwärts an. Dieter Bohlen kommt zurück, anschließend soll der TV-Klassiker eingestellt werden. Oder?

Von Jonas-Erik Schmidt, dpa

Mit der letzten Staffel der Casting-Show «Deutschland sucht den Superstar» mit Chefjuror Dieter Bohlen geht ein Stück TV-Geschichte zu Ende. Foto: Henning Kaiser/dpa

Wenn sich ein Karussell auf dem Jahrmarkt zum letzten Mal dreht, dann ruft der Karussell-Chef: «Letzte Runde! Alle noch mal aufsteigen!» Ein ähnlicher Vorgang spielt sich nun bei RTL ab, er klingt nur anders. In einem aktuellen Trailer sagt eine Stimme auffordernd: «Noch einmal alles geben!» Gefolgt von einem verschmitzten: «Mit einem Dieter, wie ihr ihn kennt.»

Die Stimme, die diesen letzten Satz ausspricht, ist unüberhörbar die von Dieter Bohlen (68). Was sie meint: Am Samstag (20.15 Uhr) beginnt eine neue Staffel der Casting-Show «Deutschland sucht den Superstar» (DSDS). Und der Sonnen-König des Formats, das schon viele TV-Runden gedreht hat, ist zurück auf dem Thron.

Bohlens Rückkehr ist eine von mehreren Geschichten, die man über die 20. Staffel der Show erzählen kann, das ist klar. Zur Erinnerung: Die vorausgegangene Ausgabe hatte der sogenannte Pop-Titan, der eigentlich einen Stammplatz in der Jury hatte, verpasst. RTL hatte entschieden, neue Wege zu gehen, auch personell. Bohlen war raus, Nachfolger wurde Schlagerstar Florian Silbereisen. Bohlen schmerzte das sehr, wie er später verriet. «Nicht eine Sekunde» habe er sich angeschaut.

Dass er angesichts der damals nicht ganz geräuschlosen Trennung nun sichtlich fidel wieder zurück ist, dürfte für viele Zuschauer eine überraschende Nachricht sein. RTL aber verband sie bei der Verkündung direkt mit einer zweiten: DSDS werde nach 20 Staffeln zudem eingestellt. Es sei die «finale» Staffel.

DSDS hat das deutsche Fernsehen geprägt

Diese Geschichte ist - wenn man so will - noch etwas größer. Denn DSDS war nie unumstritten, aber ohne Zweifel prägend, für RTL aber auch für das ganze deutsche Fernsehen. 2002, als die Show startete, war sie ein regelrechter Straßenfeger Es war zwar nicht die erste Casting-Show (zuvor hatte es etwa «Popstars» gegeben), aber die, die alles auf Übergröße aufpumpte. Selbst Dritt- oder Viertplatzierte wurden zu Berühmtheiten. Die erste Staffel verfolgten bis zu 15 Millionen Zuschauer.

«Das war damals die Zeit vor Instagram. Der klassische Journalismus entschied noch, wer berühmt wurde oder nicht. RTL war zugleich Marktführer», erklärt Marcus S. Kleiner, Professor für Medienwissenschaft an der SRH Berlin University of Applied Sciences. «Das bedeutete, dass es eine unglaubliche mediale Power gab, die Kandidaten ganz groß zu machen.»

Diese Power nahm ab, doch auch DSDS passte sich über die Jahre immer wieder an - zum Beispiel wurden die Seifenoper-Elemente markanter. Konstante blieb aber - mit einer Staffel als Ausnahme - Bohlen, der Kandidatinnen und Kandidaten mit Vorliebe abkanzelte («Ich hab' vorhin ein Schnitzel gegessen mit Gurkensalat. Und der Gurkensalat war musikalischer als Du.») und das Publikum so schon in den ersten DSDS-Jahren polarisierte.

«Bohlen hat sicherlich viele Menschen auch fasziniert, weil er provoziert hat», sagt Katrin Döveling, Professorin für Kommunikationswissenschaften und Medienkommunikation in Darmstadt, über diesen Faktor. «Man konnte sich vor dem Fernseher über ihn unterhalten. Wo ist die Grenze? War der Spruch jetzt zu hart? Man musste sich fast zwangsläufig über moralische Komponenten unterhalten. Weil es offensichtlich war, wie er Leute vor laufenden Kameras niedermachte.»

Um Bohlen herum fanden sich derweil immer wieder neue Juroren ein, darunter auch der Skandal-Schlagerbarde Michael Wendler oder der umstrittene Sänger Xavier Naidoo. Für die finale Staffel wurde allerdings eine Art Wohlfühl-Jury gezimmert. Zu ihr gehört etwa Ex-DSDS-Gewinner Pietro Lombardi, zu dem Bohlen eine väterliche Freundschaft unterhält. Komplettiert wird die Jury von den beiden Entertainerinnen Katja Krasavice und Leony.

Das Live-Finale steigt am 15. April

Ein Vollbad in Erinnerungen soll die Staffel gleichwohl nicht werden, wie es heißt. «Wir legen Wert darauf, ein neues Programm für die Zuschauerinnen und Zuschauer zu gestalten», erklärt Marco Thiel, Executive Producer bei Ufa Show & Factual für DSDS. Er spricht von einer «Prise Nostalgie», die es geben soll. «Und zum ersten Mal ein Jurypult in Gold», wie er verrät.

Er schätze an dem Format, dass es eine kreative Spielfläche biete. «Es sind drei Shows in einer. Casting, Recall, Live. Wir vereinen die Genres Musik, Reality und Shiny Floor. Das ist für Fernsehmacher ein riesiges Abenteuer», sagt er. Und der Erfolg sei unbestritten - etwa mit Millionen verkauften Singles.

Und damit ist dann bald Ende? «Das Live-Finale von DSDS am 15. April wird sicherlich sehr emotional werden», versichert Thiel. Und dann folgt ein Satz, der zeigt, dass vielleicht doch noch nicht alle mit DSDS abgeschlossen haben.

Natürlich könne es sein, dass ein Stück TV-Geschichte zu Ende gehe. Aber es habe auch schon viele Comebacks gegeben. Er sagt: «Sehen Sie sich Tom Brady an, der 40 Tage nach seinem Rücktritt sein Comeback verkündete und prompt den Superbowl gewann.»

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