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Dorfkrimi «Harter Brocken» im Ersten

Im Keller lagern Kisten voll Waffen. Was haben die im beschaulichen St. Andreasberg zu suchen?

dpa

Dorfsheriff Koops (Aljoscha Stadelmann, r) und Postbote Heiner (Moritz Führmann) in der Klemme. Foto: Kai Schulz

Sankt Andreasberg (dpa) - Motorräder lärmen durch den grauen Nebel. Es ist früher Morgen im Harz. Die Sonne kann sich um diese Uhrzeit weder durch den Schleier aus winzigkleinen Wassertröpfchen kämpfen - noch durch das Dickicht im Wald.

Nur auf einer Lichtung, da erscheint es etwas heller. Und dort tut sich ein Loch im Boden auf: sauber ausgehoben, rechtwinklig, mit Klappe. Ein Grab?

Auf den Lederwesten der Männer prangt es deutlich zu lesen: «Blutadler Hannover». Schon in den ersten Minuten des neuen Teils der Krimireihe «Harter Brocken» wird den Zuschauern klar: Diesmal bekommt es Dorfpolizist Frank Koops (Aljoscha Stadelmann) mit einer Rocker-Gang zu tun, die im Zweifel über Leichen geht. Das Erste zeigt die Folge «Der Waffendeal» am Samstagabend (20.15 Uhr).

Es ist der sechste Teil der Reihe, die ursprünglich gar nicht als solche gedacht war. Der Auftakt 2015 war aber - wohl zur Überraschung aller - der erfolgreichste Fernsehfilm der ARD in jenem Jahr, wie Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt einmal erzählte. Also folgten weitere Teile. Mehrere Millionen Menschen schauten jeweils zu, bei Folge fünf kurz vor Weihnachten waren es fast sechs Millionen.

Inzwischen schreiben andere die Reihe fort. Anke Winschewski und Niels Holle haben für den «Waffendeal» von Schmidt übernommen. Die Hauptcharaktere bleiben aber dieselben: Neben Koops vor allem seine junge und dieses Mal extrem schwangere Kollegin Mette (Anna Fischer) und Postbote Heiner (Moritz Führmann), der nicht nur der Vater von Mettes Kind ist - sondern sich regelmäßig als eine Art Hilfssheriff verdingt und seine beiden Freunde bei Ermittlungen unterstützt.

Auch diesmal ist Heiner wieder mit von der Partie, als das Polizisten-Duo von Sankt Andreasberg skeptisch wird, was die Biker wohl hier wollen. Außerdem wird der Dorfförster vermisst. Er war eigentlich auf dem Weg zu seiner Scheidung, nachdem er mit Koops im Hochsitz gezecht hatte - nur kam er nie beim Amt an.

Dass unter den Motorradfahrern nicht alles rund läuft, wird auch gleich zu Beginn deutlich gemacht: Es muss in ihren Reihen einen Maulwurf geben. Nur wer? Das etwas ungleiche Brüderpaar? Der Mann mit den zwei Handys? Die einzige Frau aus der Clique? Bis es dem Fernsehpublikum gewahr wird, haben die Rocker für sich schon eine Entscheidung getroffen. Es ist eine tödliche. Aber auch die richtige?

Den sechsten Teil verstehen auch jene Zuschauer, die die Geschichten aus dem leicht verschlafen wirkenden Örtchen am steilen Hang im Harz bisher nicht verfolgt haben. Fans der Reihe werden ebenfalls auf ihre Kosten kommen. Die Autoren haben Koops' trockenen Humor und eine gewisse Slapstick-Komik beibehalten. Absurd wirkt es allein schon, wenn der Polizist den Bandenboss aus Kindertagen wiedererkennt und den bulligen, bärtigen Typen (Nicki von Tempelhoff) mit «Mofa-Andy» anspricht. Oder wenn er vieldeutig wissen lässt: «Wir haben hier so unsere Methoden.» Und überhaupt passen Kisten voll Waffen und gleich mehrere Leichen so gar nicht in diese idyllisch-abgelegene Gegend.

Ein besonderes Augen- oder in diesem Fall besser Ohrenmerk sollte man darüber hinaus auf den Soundtrack legen. Tobias Wagner und Justin Michael La Vallee haben quasi im wörtlichen Sinn von der ersten bis zur letzten Minute eine feine Auswahl getroffen.

© dpa-infocom, dpa:210514-99-597889/3

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