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Ende einer Talk-Ära: Schluss für «Anne Will» im Ersten

Hamburg (dpa)

Sie ist eine der bekanntesten Polittalkerinnen und will ab 2024 etwas Neues machen: Anne Will beendet zum Jahresende ihre Sendung im Ersten. Was kommt künftig nach dem «Tatort»?

Von Anna Ringle, dpa

Die Talkshow «Anne Will» wird Ende des Jahres 2023 beendet. Foto: Jörg Carstensen/dpa/Archiv

Für die Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker des Landes ist es Pflicht. Für viele TV-Zuschauer schlicht eine Sonntags-Tradition: «Anne Will» im Ersten. Regelmäßig werden dort zum Wochenstart vor einem Millionenpublikum politische Spitzen gesetzt und Botschaften platziert. Will (56) gehört zur ersten Garde der Polit-Talkerinnen. Bislang. Denn Ende 2023 ist Schluss.

Ist es Zufall, dass sich das gerade häuft? Dass nach und nach eine ganze Generation von Talkshow-Granden abzutreten scheint? Erst vor kurzem nahm Frank Plasberg seinen Hut bei «Hart aber fair» - ebenfalls im Ersten. Der 65-Jährige verabschiedete sich vom Bildschirm mit dem Rat eines älteren Herren, den er künftig beherzigen wolle: «Immer helle Kleidung tragen und gut riechen.» Immerhin: Die Talkshow gibt es noch - Moderator Louis Klamroth ist nachgerückt.

Bei Anne Will ist das anders. «2024 ist Neustart angesagt! Dann ist Zeit für Veränderung, andere Projekte, neue Perspektiven», teilte die 56-Jährige am Freitag mit. Was sie damit meint, ist offen. Vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) hieß es: «Eine erneute Vertragsverlängerung für die bisherige Sendung schließt Anne Will zugunsten neuer Projekte aus, über die sie sich auch mit dem NDR bereits im Gespräch befindet.»

Wie es auf dem prominenten Sonntagabend-Platz im ARD-Gemeinschaftsprogramm weitergeht, ist noch nicht bekannt. Bis Ende des Jahres läuft «Anne Will» noch. Dann läuft der Vertrag läuft aus. Der NDR und die ARD sind laut Senderangaben in Gesprächen. Die Talk-Konkurrenz im ZDF ist mit Markus Lanz und Maybrit Illner unter der Woche groß. Das Erste baute dafür vor einiger Zeit die Sendeplätze von Sandra Maischberger aus.

16 Jahre Politiktalk im Ersten mit Anne Will

Wenn Will aufhört, wird sie über 16 Jahre Polittalk im Ersten präsentiert haben. Zu ihr kam die damalige Kanzlerin Angela Merkel, wenn sie eine Botschaft platzieren wollte - und zwar im Einzelgespräch.

Auch Angela Merkel war in ihrer Zeit als Bundeskanzlerin bei «Anne Will» zu Gast. Foto: Rainer Jensen/dpa/Archiv

Aber schon vor ihrer Talk-Zeit war Will bekannt. Bis 2007 war sie beim ARD-Nachrichtenflaggschiff «Tagesthemen» Moderatorin. Vor den «Tagesthemen» war sie Moderatorin der «Sportschau». Ihre Karriere begann sie mit einem Volontariat beim Sender Freies Berlin (später RBB). Ein Gewächs des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Sendeplatz am Sonntagabend

2011 wechselte der Sendeplatz ihrer Talkshow mal auf den Mittwoch, 2016 aber kehrte man wieder zurück auf den Sonntag. Im Jahr 2022 verfolgten im Schnitt mehr als 3,6 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer den Talk am Sonntagabend, das entspricht einem Marktanteil von 15,1 Prozent. 2021 waren es 4,12 Millionen. Ein Blick auf frühere Jahre: 2010 waren es laut NDR 4,18 Millionen Zuschauer, 2020 3,97 Millionen. 2015 - Sendeplatz Mittwoch - dagegen nur 1,48 Millionen.

ARD-Programmdirektorin Christine Strobl sagte: «Wenn Anne Will sich Ende des Jahres verabschiedet, hat sie über 16 Jahre den Polittalk im Ersten geprägt. Dies war und ist nur möglich, weil sie sich persönlich und mit ihrer Sendung immer weiterentwickelt hat.»

Vermissen wird sie offensichtlich auch einer, den man als heimlichen Talkshow-Gast-König vor seiner Zeit als Bundesgesundheitsminister bezeichnen könnte. Karl Lauterbach (SPD) twitterte: «Sendung mit @annewill ist fast immer spannend und mittlerweile fast eine Art demokratische Institution. Sicher ist das Niveau der Diskussion deutlich höher als in Teilen der sozialen Medien. Man wird die Sendung vermissen. Aber zum Glück noch nicht».

Der Polit-Talk von Will besteht bis heute, und das obwohl es in den vergangenen Jahren immer wieder viel Häme gab für derartige TV-Formate. Kritiker bemängelten etwa, dass zu viele Politiker dort seien - und häufig sogar dieselben.

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