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«Für immer Eltern»: Kaum weg, schon wieder da

Wenn die Kinder aus dem Hause sind, hört der Elternjob damit nicht unbedingt auf. Das muss ein Ehepaar in einer Arte-Komödie erfahren.

dpa

Das «Empty Nest» ist wieder voll. Foto: Jürgen Olczyk

Berlin (dpa) - Sind die Kinder endlich groß, wird das Leben ganz grandios - denken sich Michael (Devid Striesow) und seine Frau Anja (Anja Schneider).

Sie freuen sich über ihre kleine, schöne Wohnung, die nicht weit entfernt ist von der Münchner Innenstadt. Sie wissen ihre beiden erwachsenen Kinder wohl versorgt: Tochter Stella (Pauline Fusban) hat einen ziemlich gut dotierten Job im Ausland, Sohn Niklas (Max Schimmelpfennig) steht kurz vor der letzten Prüfung im Referendariat zum Lehrer und lebt in einer WG.

So harmonisch beginnt die Komödie «Für immer Eltern» an diesem Freitag um 20.15 Uhr auf Arte. Doch es kommt natürlich anders. Denn Niklas fliegt kurzerhand und hochkant raus. Und da bezahlbare Wohnungen gerade kaum zu finden sind, platzt er bei den Eltern rein - und seine Freundin folgt ihm bald nach.

Regisseur Florian Schwarz (46, «Das weiße Kaninchen») und Drehbuchautor Peter Probst (63, «Schönes Schlamassel») haben einen angenehm leichten Film inszeniert, der von Anfang an komödiantische Töne anschlägt.

Doch neben den vielen durchaus realistischen, teils absurden Szenen aus einem ganz normalen Familienalltag wie Schnarchen und Warten vor dem Bad und allerhand Situationskomik durchziehen den ebenso unterhaltsamen wie lebensklugen Film auch einige Momente mit beachtlichem Tiefgang.

Das Thema Nesthocker bringt hier nämlich nach und nach alle Beteiligten erst an den Rand des Wahnsinns und dann zunehmend zu der Erkenntnis, dass getrennte Wege oft zu einem entspannteren Miteinander führen können.

Die Schauspieler agieren genau und gut. Als etwas zu gutmütiges und darob zunehmend genervtes Ehepaar vermögen Devid Striesow (47, «Acht Tage», «Tatort») und Anja Schneider (43, «Die Eifelpraxis») zu überzeugen. Während der Papa ständig mit seiner erfolgreichen Tochter angibt und damit seinen Sohn zunehmend verunsichert, fällt die Mama ziemlich schnell in ihre Mutterrolle zurück und macht sogleich die Wäsche vom Filius - bis das Ehepaar fast vor einer Trennung steht.

Auch Max Schimmelpfennig (25, «Dark») als ziemlich verpeilter Sohn Niklas ist glaubhaft - der Mittzwanziger bekommt einfach nichts auf die Reihe. Jedenfalls bis kurz vor dem Ende, das glücklicherweise keine Harmoniesoße auskippt, sondern eine handfeste Überraschung bereithält.

© dpa-infocom, dpa:210317-99-854477/3

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