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TV-Tipp

Fußball-Thrillerserie «Das Netz» im Ersten

Berlin (dpa) –

Es geht um Gier, Korruption und eine «World League»: Die Parallelen eines ARD-Serienprojekts zur realen Schattenwelt des Fußballs sind offensichtlich. Kann das unterhalten - und sogar informieren?

Von Meyel Löning, dpa

Strafverteidigerin Lea Brandstätter (Birgit Minichmayr) zwischen Jean Leco (Raymond Thiry) und Richard Felgenbauer (Tom Wlaschiha) in einer Szene aus «Das Netz». Foto: Stephan Rabold/ARD Degeto/Sommerhaus Serien GmbH/Das Netz Gmbh/dpa

Neben der Frage «Wer wird Weltmeister?» bewegt Fußball-Deutschland bei der WM in Katar diesmal auch eine weitere: «Wer guckt das überhaupt?» Eine Reihe von Zuschauern haben wegen der Menschenrechtsverstöße beim WM-Gastgeber schon einen Fernsehboykott angekündigt.

Das setzt die Sender unter Zugzwang, die zwar die WM-Spiele zeigen, aber ebenso der Kritik am System FIFA Gewicht verleihen wollen. Die ARD hat ein länderübergreifendes Projekt mit fiktionalen Thrillerserien über die Schattenseiten des Fußballs ins Leben gerufen: «Das Netz». Taugt das als Alternativprogramm?

In der achtteiligen deutschen Thrillerserie «Spiel am Abgrund» (ab Donnerstag, 3. November, 20.15 Uhr; in der ARD-Mediathek bereits abrufbar) geht es um die kriminellen Machenschaften der Funktionärswelt. Birgit Minichmayr glänzt als Anwältin Lea Brandstätter, die eigenmächtig die Mörder ihres Partners jagt, der in das besagte «Netz» verstrickt war. Max von der Groeben spielt einen ihr dabei behilflichen Ex-Hooligan – mit der berüchtigt miserablen Affektkontrolle, die von der Groeben in seiner Rolle als «Danger» in «Fack ju Göhte» schon zum Shootingstar machte.

In der österreichischen «Das Netz»-Produktion «Prometheus» kämpft dann Tobias Moretti als Ex-Fußballprofi und Mediziner Georg Trotter im Dopingsumpf um gesunden Sport. Weitere Serien sind geplant.

Die zur realen Welt gezogenen Parallelen sind offensichtlich, nur die Namen andere. Die FIFA heißt WFA, und der skrupellose Präsident Jean Leco (Raymond Thiry) will eine «World League» etablieren, die an die 2021 gescheiterte «Super League» erinnert. Gegner seiner Pläne kriegen in dem großangelegten Theater aus Gier und Korruption nicht nur Sprüche gedrückt wie «Beißen Sie nicht mehr ab, als Sie kauen können, Maurizio». Es gibt auch Tote. Und das ist nicht nur spannend, sondern auch ein Problem.

Ein paar der zahlreichen Handlungsstränge - um Menschenhandel geht es auch noch - sind so überzeichnet, dass die Serien sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, die realen Ereignisse im Vergleich zur auftragsmordenden WFA zu verharmlosen. Die Thriller klären nicht auf, helfen als System-Kritik deshalb nicht weiter. Wer eine schonungslose Betrachtung der realen Probleme des Sports wünscht, greift besser zu Dokus - wie etwa «Katar – WM der Schande» (in der ARD-Mediathek abrufbar).

Wer die überzeichneten Ereignisse und Figuren aber als Stilmittel für einen steilen Thriller-Spannungsbogen zu nehmen weiß, dürfte sich freuen. Denn spannender wird etwa das WM-Eröffnungsspiel Katar gegen Ecuador wohl nicht. Die gute Nachricht für die WM-Kritiker: Die Episoden der beiden Serien dauern so lange, dass man immerhin ziemlich genau acht Spiele boykottieren könnte. Oder siegt in der Zuschauergunst am Ende doch die echte WM?

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