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Corona-Album

«Immer noch wütend» - The Specials covern Protestlieder

London (dpa)

Die Pandemie hat den Specials nach eigenen Angaben zu schaffen gemacht und die Ska-Veteranen ihrer Kreativität geraubt. Um trotzdem neue Musik vorlegen zu können, nahm die Band ein Coveralbum auf.

Von Philip Dethlefs, dpa

Terry Hall (l-r), Lynval Golding und ‎Horace Panter wollten unbedingt mal wieder «fröhlichen Lärm» machen. Foto: --/Universal Music/dpa

Fast genau 40 Jahre ist es her, dass The Specials ihren Kulthit «Ghost Town» veröffentlichten. Die atmosphärische, düstere Reggae-Nummer war ein Protestsong gegen den Status Quo, es ging um Arbeitslosigkeit und Gewalt in verlassenen britischen Innenstädten.

Schon immer legte die Ska-Band den Finger in die Wunden, kritisierte Rassismus («Racist Friend») und andere Missstände. Vier Jahrzehnte später hat sich an dieser Attitüde nichts geändert. Auf ihrem neuen Album covern The Specials zwölf internationale Protestlieder der vergangenen knapp 100 Jahre: «Protest Songs 1924-2012».

«Ungerechtigkeit ist zeitlos», sagt Bassist Horace Panter, die Band sei «immer noch wütend». Panter ist neben Terry Hall (Gesang) und Lynval Golding (Gitarre/Gesang) das letzte verbliebene Originalmitglied der Gruppe, die 1977 in Coventry gegründet wurde und aktuell etwa ein Dutzend Mitglieder zählt.

Der bekannteste Song auf dem neuen Album ist vermutlich Bob Marleys Klassiker «Get Up, Stand Up». Die Specials haben daraus eine minimalistische Akustik-Nummer gemacht. So tritt die Botschaft des Songs in den Vordergrund und wirkt eindringlicher als beim stimmungsvollen Original.

Von Rock'n'Roll bis Post-Punk

Der typische Specials-Stil, diese lässige Mischung aus Reggae und 2-Tone, tritt insgesamt auf dem neuen Album in den Hintergrund. Die Briten wagen eine breitere musikalische Palette - von Rock'n'Roll («Freedom Highway») über Folk («I Don't Mind») bis zu Post-Punk («More Trouble Every Day»).

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Dass es ein reines Coveralbum wurde, liegt laut Panter nur an der Corona-Pandemie. «Der Lockdown nimmt dir alle Kreativität», klagte er im US-Magazin «The Quietus». Das soll eine Ausnahme bleiben. «Protest Songs 1924-2012» sei nur «eine klägliche Ausrede» gewesen, um ins Studio zu gehen und «fröhlichen Lärm zu machen». Das nächste Album soll voraussichtlich wieder eine typische Specials-Platte werden.

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