1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Nachrichten
  4. >
  5. Kultur
  6. >
  7. Opus magnum: Die Tedeschi Trucks Band ist am Ziel

  8. >

Bluesrock

Opus magnum: Die Tedeschi Trucks Band ist am Ziel

Berlin (dpa)

Dass die Tedeschi Trucks Band zu einem Americana-Großwerk fähig ist, wussten Fans und Kritiker schon lange. Nach diversen starken Alben sind die stimmgewaltige Soul-Sängerin Susan Tedeschi und Bluesrock-Gitarrenvirtuose Derek Trucks jetzt am Ziel.

Von Werner Herpell, dpa

Die Tedeschi Trucks Band um die Soul-Sängerin Susan Tedeschi und den Bluesrock-Gitarrenvirtuosen Derek Trucks (beide M) haben ihr Mammutprojekt «I Am The Moon» herausgebracht. Foto: David Mcclister/Oktober Promotion/dpa

Schon die schiere Masse an Material macht dieses Albumprojekt zum Opus magnum der ohnehin für epische Werke berühmten Tedeschi Trucks Band (TTB): 24 eigene Songs, verteilt auf vier Platten, also insgesamt mehr als zwei Stunden Musik sind auf «I Am The Moon» zu hören.

Und tatsächlich scheinen die zwölf großartigen Musiker dieses Bluesrock-Ensembles damit einen kreativen Höhepunkt zu erreichen, der schon lange angestrebt und von vielen Fans sehnsüchtig erhofft worden war.

Blues-Grammy für Debütalbum

Eigentlich bereits seit «Revelator» (2011), einem famosen Debüt, das der Bigband um die Powerhouse-Sängerin Susan Tedeschi (51) und ihren Ehemann Derek Trucks (42) an der E-Gitarre gleich einem Blues-Grammy und Platz 12 in den heimischen USA einbrachte. Es folgten starke Alben wie «Made Up Mind» (2013) oder «Let Me Get By» (2016), ehe man sich zuletzt an ein Pop-Heiligtum heranwagte: Live spielte die Tedeschi Trucks Band «Layla And Other Assorted Love Songs» in Gänze ein. Und die Band schaffte es tatsächlich, dem 50 Jahre alten Klassiker von Derek & The Dominos (damals mit Eric Clapton als Frontmann) auf «Layla Revisited (Live At LOCKN‘)» gerecht zu werden.

Nicht nur in den Staaten, wo ihre bläsersatt groovende Musik hörbar wurzelt, sondern auch in Deutschland gelangen TTB regelmäßig hoch in die Albumcharts. Sicher hat das damit zu tun, dass ihre Songs und ausgewählten Coverversionen sagenhaft gut gespielt und gesungen sind - aber andererseits überhaupt nicht abgehoben oder unnahbar virtuos klingen. Auch «I Am The Moon» ist nun, so bombastisch die Idee und teilweise auch die Produktion daherkommen, keineswegs ein eitel-selbstgefälliges Nischenprojekt.

Es gibt ja auch genug Genres, in denen die Tedeschi Trucks Band sattelfest, ja meisterlich ist: «Blues, Rock, Jazz, Soul, Gospel, Funk, Country, verschiedene afrikanische Musikarten und sogar Indisches» hat das renommierte Online-Poplexikon Allmusic aus den bisher gut zehn Karriere-Jahren des Ehepaars und seiner Mitstreiter herausgehört. Auch auf «I Am The Moon» werden nun wieder stilsicher von Song zu Song Klangfarben und Stimmungen gewechselt.

Inspiriert von mythischer Geschichte

Das über mehrere Wochen - von Anfang Juni bis Ende August - zur Veröffentlichung anstehende Mammutprojekt sei «inspiriert von einer mythischen persischen Geschichte über ein unglücklich verliebtes Paar und emotional getrieben von der Isolation und Abgeschiedenheit der Pandemie-Ära», heißt es vom Label. «Die Entscheidung, "I Am The Moon" in vier verschiedenen Episoden zu veröffentlichen, kam zustande, als wir an Platten dachten, die wir lieben», sagt Gitarrist Trucks (42), der auch schon bei der Allman Brothers Band spielte. Als Beispiel nennt er «Axis: Bold as Love» von der Jimi Hendrix Experience (1967).

Ausgehend von den bisher für Musikjournalisten zugänglichen Alben «I. Crescent» und «II. Ascension», hat sich die Tedeschi Trucks Band spätestens jetzt selbst einen Spitzenplatz in der großen Americana- und Bluesrock-Liga gesichert. Und das offenkundig ganz locker: «Man will immer etwas Größeres und Thematisches machen», sagt Trucks über die ehrgeizige Studioarbeit in Jacksonville/Florida. «Dies ist das erste Mal, dass es auf natürliche Weise passiert ist.»

Startseite
ANZEIGE