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Tragikomödie

«Over & Out» mit Nora Tschirner und Jessica Schwarz

Hamburg (dpa)

Wie glücklich bin ich eigentlich mit meinem Leben? Diesen und anderen Fragen müssen sich drei Freundinnen stellen, als sie ihrer Freundin Maja den letzten Wunsch erfüllen möchten.

Von Carola Große-Wilde, dpa

Roadtrip nach Italien: Steffi (Julia Becker), Toni (Petra Schmidt-Schaller) und Lea (Jessica Schwarz) Foto: -/Warner Bros GmbH/dpa

Aus tiefstem Herzen trällern die vier Freundinnen Lea (Jessica Schwarz), Maja (Nora Tschirner), Steffi (Julia Becker) und Toni (Petra Schmidt-Schaller) den Caught-In-The-Act-Song «Love Is Everywhere» durch die Nacht.

Angetrunken hocken die vier Mädels auf der Einfahrt eines Einfamilienhauses, als sie von Majas Mutter (Sabine Vitua) überrascht werden. Zu Teenagerzeiten schwören sie sich, alle ihre Hochzeiten gemeinsam zu feiern.

Mehr als 20 Jahre später lädt Maja ihre Freundinnen per Videobotschaft zu ihrer Hochzeit nach Italien ein. Eher widerwillig begeben sich die drei Freundinnen, die sich längst aus den Augen verloren haben und völlig unterschiedliche Leben führen, auf einen Roadtrip nach Italien, der zu einer emotionalen Achterbahnfahrt der Gefühle werden soll.

Ein letzter Wunsch

Denn dort angekommen erwartet die drei Freundinnen eine böse Überraschung: Maja hat sie nicht zu ihrer Hochzeit, sondern zu ihrer Beerdigung eingeladen! Und sie hat auch noch einen letzten Wunsch an ihre Freundinnen: Lea, Steffi und Toni sollen ihren Leichnam vor der Überführung nach Deutschland entführen und an ihrem Sehnsuchtsort an der italienischen Küste dem Meer übergeben. Um ihrer Freundin diesen letzten Wunsch zu erfüllen, raufen sich die drei zusammen und stellen sich endlich den unbequemen Wahrheiten in ihrem Leben.

Mit ihrem Low-Budget-Regiedebüt «Maybe, Baby!» lieferte Julia Becker 2017 einen gelungenen Auftakt als Regisseurin. In «Over & Out» stand die Schauspielerin erneut vor der Kamera, führte Regie und hat auch noch das Drehbuch verfasst. «Ich wollte einen Film über Frauen machen, in dem ich mich auch selbst wiederfinden kann. Meine Hauptfiguren sind allesamt starke Charaktere, die nicht nur gackernd und bunt sind, sondern auch echte Probleme haben - auch abseits davon, die wahre Liebe zu finden», sagte Becker im Presseheft. Gedreht wurde der Film in Hamburg, Niedersachsen und Kroatien, das die Kulisse für Italien darstellte.

Neid und Missgunst

Jessica Schwarz («Romy») spielt eine frustrierte Geschäftsfrau, die bei der Beförderung übergangen wird, obwohl sie besser ist als ihr männlicher Kollege. Petra Schmidt-Schaller («Leanders letzte Reise») gibt eine taffe Sängerin, die heimlich in ihren Manager verliebt ist. Julia Becker ist die gelangweilte Hausfrau und Mutter, die sich zwischendurch mit dem Postboten vergnügt und Nora Tschirner («Gut gegen Nordwind») eine Aussteigerin, die in Italien ihr Glück findet. Alle halten krampfhaft an ihren Lebensentwürfen fest, obwohl sie in Wahrheit ziemlich unglücklich sind. Stattdessen blicken sie mit Neid und Missgunst auf das Leben der anderen und machen sich gegenseitig das Leben schwer.

Julia Becker schafft es, zusammen mit ihrem hervorragenden Schauspielerinnenteam, der Tragikomödie die nötige Tiefe zu geben und auch eine gewisse Leichtigkeit. Trotzdem fragt man sich, warum die weiblichen Figuren so klischeehaft gezeichnet wurden. Mittlerweile geht es bei den meisten Frauen doch nicht mehr um die Entscheidung zwischen Kind und Karriere, sondern viele (und auch viele Männer) möchten beides unter einen Hut bekommen - und dann fangen die Probleme erst richtig an. Trotzdem stimmt natürlich die Botschaft des Films: Es wäre schön, wenn es mehr Solidarität unter Frauen geben würde und mehr Toleranz gegenüber den Lebensentwürfen der anderen.

Over & Out, Deutschland 2022, 109 Min., FSK ab 12, von Julia Becker, mit Jessica Schwarz, Nora Tschirner, Petra Schmidt-Schaller

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