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Krimi

«Sarah Kohr» kämpft in «Irrlichter» gegen Corona-Leugner

Berlin (dpa)

Powerfrau Sarah Kohr ermittelt im Dunstkreis von Querdenkern und Impfgegnern. Eine neue Folge der ZDF-Krimireihe mit düsteren Untertönen und politischem Sprengstoff.

Von Johannes von der Gathen, dpa

Sarah Kohr (Lisa Maria Potthoff) in einer Szene aus «Sarah Kohr - Irrlichter». Foto: Christine Schroeder/ZDF/dpa

Ganz oben in den Schlagzeilen rangiert das Thema Corona schon länger nicht mehr, aber wie tief die Pandemie unsere Gesellschaft erschüttert hat, kann man auch bis heute nur erahnen. Die neue Folge aus der ZDF-Krimireihe «Sarah Kohr» begibt sich in das trübe Milieu der Corona-Leugner und militanten Impfgegner und versucht zu ergründen, warum Menschen wissenschaftlich fundierte Fakten ignorieren und stattdessen kruden Verschwörungstheorien hinterherlaufen. «Irrlichter» läuft am Dienstag um 20.15 Uhr im ZDF.

Zu Beginn scheint es lange so, als wäre die kampferprobte Protagonistin Sarah Kohr (Lisa Maria Potthoff) selbst ins Lager der Corona-Leugner übergelaufen. Einen Ruf als Quertreiberin hat die schweigsame Powerfrau ja schon länger, aber jetzt macht sich Staatsanwalt Anton Mehringer (Herbert Knaup) echte Sorgen: Sarah agiert in dem konspirativen Netzwerk des Verschwörungstheoretikers Felix Morgenroth (Matthias Matschke), beteiligt sich an Schlägereien und landet schließlich sogar im Gefängnis. Währenddessen wird in Hamburg ein Ärzte-Ehepaar, das sich in der Forschung verdient gemacht hat, von Mitgliedern der Gruppe bedroht und eingeschüchtert.

Zwischen Paranoia und Fake News

Regisseur Mike Marzuk («Der junge Häuptling Winnetou») und Drehbuchautor Timo Berndt tauchen tief ein in die von Paranoia und Fake News vergiftete Welt der Corona-Leugner. Was treibt scheinbar normale Bürger in diese Milieus hinein? Die beiden Brüder David (Lasse Myhr) und Mark (Kjell Brutscheidt) haben ihre Eltern durch Corona verloren, und ihr erfolgreiches Restaurant am Hamburger Hafen hat die Lockdowns nicht überlebt. Aber greift man deshalb Menschen an und betreibt den bewaffneten Sturz der Regierung? Einer der Brüder hat einen verdeckten Ermittler der Polizei auf dem Gewissen, und dies ist der Grund, warum Sarah Kohr, die keineswegs zur Querdenkerin mutiert ist, sich in die Bande eingeschmuggelt hat. Die Lage eskaliert, als der skrupellose Chefideologe Morgenroth zum großen Angriff aufruft.

Es gibt nur wenig Lichtblicke in diesem düsteren, brisanten TV-Krimi, der neben politischem Sprengstoff auch reichlich Action bietet. Sarahs Mutter Heike (Corinna Kirchhoff) taucht ein paar Mal als rettende Notärztin auf. Diese Frau verkörpert mit ihrer zupackenden Menschlichkeit das exakte Gegenteil zu all den egomanischen Hetzern. Aber die Traurigkeit und sogar Ratlosigkeit überwiegt ganz klar in dieser Folge, was natürlich auch an der Protagonistin liegt, die um ihre große Liebe trauert und auf Rache sinnt. Dem TV-Publikum gefällt diese doch eher simpel gestrickte Ermittlerfigur, die zwischen Handkantenschlägen und Kickbox-Einlagen ihre Fälle löst, trotzdem ganz gut. Für die letzte Folge «Geister der Vergangenheit» interessierten sich 6,49 Millionen Zuschauer (21,6 Prozent).

Und so werden sich Sarah Kohr und ihr inzwischen zum Oberstaatsanwalt beförderter, immer etwas wehleidiger Partner Anton Mehringer wohl noch öfter nach getaner Arbeit auf der Parkbank zusammenfinden - nicht wie ein altes Ehepaar, eher wie alte Freunde, die nicht voneinander lassen können.

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