1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Nachrichten
  4. >
  5. Politik
  6. >
  7. Kommentar: Die Angst ist echt

  8. >

Umfrage zur Kriminalität

Kommentar: Die Angst ist echt

Statistiken über Kriminalität gibt es regelmäßig. Die zeigen aber nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit, nämlich jene Taten, von denen die Polizei erfährt. Den Rest beleuchtet eine umfassende neue Befragung. Ein Kommentar.

Nancy Faeser (SPD), Bundesministerin für Inneres und Heimat, gibt eine Pressekonferenz zur Sicherheit und Kriminalität in Deutschland. Foto: dpa

Kriminalität schadet – selbst dem, oder hier eher derjenigen, die nicht selbst zum Opfer wird. Es ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft, wenn Frauen Angst in Bus und Bahn, auf dunklen Straßen, beim Geräusch von Schritten hinter sich haben. Das gilt selbst dann, wenn die Angst bei Licht besehen statistisch eher un­begründet ist. Deutschland ist ein sicheres Land. Das ­Risiko, Opfer eines Verbrechens zu werden, ist hier deutlich niedriger als in fast allen anderen Teilen der Welt.

Nur: Das ändert nichts am Leid der Kriminalitätsopfer – und an der Angst derjenigen, die fürchten, zum Opfer zu werden. Auch wenn das Risiko überschaubar ist, so ist doch die Angst real. Statistik hin, Fakten her – die Beklemmung bleibt. Wir sollten sie ernst nehmen.

Die Angst vertreiben könnten nur mehr Beamtinnen und Beamte im Streifendienst, mehr Kameras und Licht an Angst-Orten und mehr Security im ÖPNV. Das Geld dafür wäre gut angelegt. Kostenlos, aber in Angst­situationen unbezahlbar ist Aufmerksamkeit füreinander: Wüssten wir alle, dass niemand wegschaut, wenn in dunklen Ecken, in Bus und Bahn ein Mensch bedrängt wird – wir müssten uns alle weniger Sorgen machen.

Startseite
ANZEIGE