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Atomkonflikt

Ex-Botschafter: Nordkorea erhöht wieder die Spannungen

Seoul (dpa)

Es wird befürchtet, dass Nordkorea dabei ist, Plutonium für den Bombenbau zu gewinnen. Damit verfolgt das Land Ziele im Poker um sein Atomwaffenprogramm, sagt ein früherer deutscher Diplomat.

Von dpa

Das von der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zur Verfügung gestellte Foto zeigt Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea. Foto: -/KCNA/dpa

Die mutmaßliche Wiederinbetriebnahme des umstrittenen nordkoreanischen Atomreaktors in Yongbyon stellt nach Einschätzung des früheren deutschen Diplomaten Thomas Schäfer eine Herausforderung für die USA dar.

«Ich glaube, dass Nordkorea die Spannungen langsam wieder erhöhen will,» sagte der ehemalige Botschafter in Pjöngjang in einem Gespräch mit der Deutschen Press-Agentur in Seoul. Dass der Reaktor offenbar wieder hochgefahren worden sei, sei ein Schritt in diese Richtung.

Schäfer bezog sich auf einen Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) von vergangener Woche, wonach der Reaktor im Nuklearzentrum Yongbyon seit Anfang Juli anscheinend wieder in Betrieb ist. Mit einer Leistung von nur fünf Megawatt ist der Reaktor zwar klein, kann aber Plutonium zur Herstellung von Atombomben liefern. Nordkorea ist wegen seines Atomwaffenprogramms harten internationalen Sanktionen unterworfen.

Mit Yongbyon lenkt Nordkorea laut Schäfer den Blick auch wieder auf das Angebot von Machthaber Kim Jong Un, das dieser bei seinem Gipfeltreffen mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump im Februar 2019 in Vietnam unterbreitet habe. Nordkorea sei offenbar bereit gewesen, unter bestimmten Bedingungen ganz Yongbyon zu schließen oder auf Teile zu verzichten.

Trump ging das Angebot damals nicht weit genug, und der Gipfel wurde ohne Abschlusserklärung vorzeitig abgebrochen. Washington verlangt von Nordkorea einen kompletten Abbau seines Atomwaffenarsenals.

«Bei Nordkorea muss man bei den langfristigen Zielen anfangen, und die Ziele sind seit mehreren Jahren, eigentlich seit dem Regierungsantritt von Kim Jong Un die militärpolitischen Ziele», sagte Schäfer. Dazu gehöre ein Ende der gemeinsamen Manöver der USA und Südkoreas, «und dann als größeren Schritt der Abzug der amerikanischen Truppen, um so das südkoreanisch-amerikanische Verhältnis zu schwächen». Andere Forderungen wie etwa Sanktionserleichterungen spielten eher eine untergeordnete Rolle. Wirtschaftliche Anreize hätten für Pjöngjang weit weniger Wert, als von der internationalen Gemeinschaft oft angenommen werde.

«Die Nordkoreaner haben über Trump gejubelt», betonte Schäfer, (68), der während seiner diplomatischen Laufbahn insgesamt acht Jahre in Pjöngjang war. Schon in seinem Wahlkampf habe Trump über den Abzug der in Südkorea stationierten US-Truppen gesprochen. «Die Nordkoreaner haben voll darauf gesetzt.» Mit dem derzeitigen US-Präsidenten Joe Biden dagegen werde das nicht zu machen sein. Nordkorea hatte zuletzt auf Angebote der USA, bedingungslos neue Verhandlungen aufzunehmen, ablehnend reagiert.

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