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Ultimatum für Gespräche

Hungerstreik: Klimaaktivisten drohen mit Verschärfung

Berlin (dpa)

Eine Hand voll junger Leute hungert aus Verzweiflung über die Klimakrise seit drei Wochen in Berlin. Ihre Forderung: ein Gespräch mit den Kanzlerkandidaten noch vor der Bundestagswahl. Jetzt erhöhen die Beteiligten nochmals den Druck.

Von dpa

Im Regierungsviertel haben die Hungerstreikenden ein Camp aufgebaut. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Nach drei Wochen Hungerstreik von Klimaaktivisten in Berlin droht eine weitere Zuspitzung. Zwei Beteiligte kündigten am Montag an, auch das Trinken zu verweigern, falls ein gefordertes Gespräch mit den Kanzlerkandidaten von Union, SPD und Grünen am Donnerstag (23. September, 19.00 Uhr) nicht zustande kommt.

Indes würden drei weitere Hungernde in dem Fall wohl ihre Aktion abbrechen, sagte Pressesprecherin Hannah Lübbert der Deutschen Presse-Agentur.

Die Gruppe junger Erwachsener hatte am 30. August in der Nähe des Reichstagsgebäudes einen unbefristeten Hungerstreik begonnen. Neben dem öffentlichen Gespräch mit den Kanzlerkandidaten fordern sie die Einsetzung eines Bürgerrats, der Klimaschutzmaßnahmen beschließen soll. Die Kandidaten Armin Laschet (CDU/CSU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) hatten Einzelgespräche nach der Bundestagswahl angeboten. Sie forderten zugleich die Hungernden auf, ihre Aktion abzubrechen.

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, bekräftigte am Montag: «Solche gesundheitsgefährdenden Aktionen wie dieser Hungerstreik, wie die Androhung, nichts mehr zu trinken, müssen einem doch Sorgen bereiten um die beteiligten jungen Menschen». Er hoffe, dass es nicht «zum Äußersten dieser Ankündigungen» kommen werde. Die Hungerstreikenden nannten Seiberts Äußerung «doppelzüngig und unaufrichtig». Erst die Politik von Kanzlerin Angela Merkel habe «uns in diese verzweifelte Lage gebracht», erklärte Sprecherin Lübbert.

Wegen gesundheitlicher Probleme waren mehrere Teilnehmer in den vergangenen Tagen zeitweise im Krankenhaus behandelt worden. Zwei von ihnen hatten den Hungerstreik am Wochenende beendet. Von der ursprünglichen Gruppe sind also noch vier Menschen an der Aktion beteiligt. Nach Lübberts Angaben schlossen sich aber am Montag bundesweit zehn andere Personen dem Hungerstreik neu an. Eine neue Teilnehmerin drohe zusammen mit einem der schon seit drei Wochen hungernden Aktivisten für die Zeit nach Donnerstag mit dem Durststreik.

Nahrungsverweigerung kann man je nach persönlicher Verfassung bis zu zwei Monate überleben, doch ohne Trinken drohen binnen weniger Tage ernste Gesundheitsgefahren bis hin zum Tod.

Die Berliner Polizei schaut nach Angaben einer Sprecherin regelmäßig in dem als Kundgebung angemeldeten Protestcamp nach dem Rechten. Die Beamten riefen «bei Feststellung von gegenwärtigen Gefahren für Leib oder Leben» notfalls die Feuerwehr, teilte die Sprecherin mit. Medizinische Erfordernisse würden dann von den Feuerwehrleuten oder dem Personal im Krankenhaus veranlasst.

Das Hausrecht auf der Grünfläche mit dem Protestcamp hat der Berliner Bezirk Mitte. Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel betonte, dass das geschützte Versammlungsrecht nicht durch das Hausrecht beschränkt werden dürfe. «Und damit können wir auch nicht den Abbruch des Hungerstreiks erzwingen, auch wenn ich mich sehr um die Gesundheit der jungen Menschen sorge», erklärte der Grünen-Politiker der dpa.

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