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Russische Invasion

Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Kiew (dpa)

Der Widerstand der Ukraine gegen Russland hängt davon ab, dass es überall Satelliten-Internet gibt. Doch nun will Starlink-Besitzer Elon Musk seine Dienste nicht mehr spenden. Der Überblick.

Von dpa

Ein Anwohner steht vor einem beschädigten Haus, das in der Nacht beschossen wurde. Foto: Andriy Andriyenko/AP/dpa

Die Ukraine setzt das vor wenigen Tagen von Deutschland gelieferte Flugabwehrwehrsystem Iris-T bereits im Süden des Landes ein. Das sagte der Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Jurij Ihnat, am Freitag im Fernsehen. Die Ukraine sei weltweit das erste Land, das über dieses hochmoderne Flugabwehrsystem verfüge.

Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, nach den schweren russischen Raketenangriffen vom Wochenanfang mache die Ukraine Fortschritte bei der Reparatur zerstörter Infrastruktur. 15 Objekte seien bereits wieder instandgesetzt worden, sagte er, ohne Einzelheiten zu nennen. «Alle anderen werden wir auch erneuern», versprach er in seiner Videoansprache in Kiew. Selenskyj besuchte verwundete Soldaten im Krankenhaus. Außerdem zeichnete er Militärangehörige mit Orden aus. Am Samstag ist der 234. Tag seit Beginn der russischen Invasion im Nachbarland vom 24. Februar.

Die Ukraine repariert ihr Stromnetz

«In den meisten Regionen sind die technischen Möglichkeiten der Stromversorgung wieder hergestellt worden», sagte Selenskyj. In anderen seien noch zeitweise Abschaltungen zur Stabilisierung des Gesamtnetzes nötig. Der Präsident rief seine Landsleute zum Stromsparen auf. «Auch das ist ein Beitrag zur Verteidigung unseres Landes», sagte er.

Die russische Armee hatte am Montag Dutzende Raketen auf Anlagen der ukrainischen Energie- und Wasserversorgung abgefeuert und auch in das Zentrum von Großstädten geschossen. Kremlchef Wladimir Putin sagte am Freitag, von 29 ins Visier genommenen Objekten seien 7 «nicht so beschädigt worden, wie das vom Verteidigungsministerium geplant war». Das werde man nachholen, drohte er an.

Selenskyj sieht Hoffnungslosigkeit in Russland

Zu dem Militärfeiertag, dem Tag der Verteidiger und Verteidigerinnen des Landes, dankte Selenskyj allen, die die Ukraine verteidigen. Russland habe zwar noch Waffen zum Einsatz gegen das Nachbarland, sagte er. «Sie haben immer noch die Möglichkeit, unsere Städte und alle Europäer zu terrorisieren, die Welt zu erpressen. Aber sie haben keine Chance. Und sie werden keine haben. Denn die Ukraine bewegt sich vorwärts.» Angesichts der ukrainischen Gegenoffensiven sah er Russland bereits in einer Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit und Niederlage gefangen.

Ukraine bekommt weitere Militärhilfe aus den USA

Die USA gewähren der Ukraine weitere Militärhilfe, mit der das Land unter anderem Artilleriegeschosse, Panzerabwehr-Waffen und Fahrzeuge bekommen wird. Das Hilfspaket habe einen Wert von bis zu 725 Millionen Dollar (745,6 Millionen Euro), wie die US-Regierung in der Nacht zum Samstag mitteilte. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar hätten die USA damit rund 17,6 Milliarden Dollar als Sicherheitsunterstützung für die Ukraine zugesagt.

Tech-Milliardär Musk will Geld für Satelliten-Internet sehen

Für den ukrainischen Widerstand gegen Russland seit siebeneinhalb Monaten ist die Nutzung des Satelliten-Internetdienstes Starlink unverzichtbar. Wo es wegen zerstörter Infrastruktur keinen Zugang zu Mobilfunk und Internet mehr gibt, dient er sowohl Zivilisten als auch dem ukrainischen Militär als Kommunikationsmittel.

Nun droht Tech-Milliardär Elon Musk damit, die Starlink-Kosten mit seiner Raumfahrt-Firma SpaceX nicht mehr zu tragen. SpaceX wolle keine Erstattung bisheriger Ausgaben, schrieb Musk bei Twitter. Man könne aber «auch nicht das bestehende System unbefristet bezahlen UND Tausende weitere Terminals schicken». Die Ukraine koste SpaceX rund 20 Millionen Dollar (20,6 Millionen Euro) monatlich.

Die Ukraine werde einen Weg finden, damit Starlink weiter in Betrieb bleibe, sagte Mychajlo Podoljak, ein Berater Selenskyjs. Musk habe geholfen, «die kritischsten Momente des Krieges zu überleben». Der Sender CNN berichtete, SpaceX habe das US-Verteidigungsministerium aufgefordert, die Kosten für die Ukraine zu übernehmen.

Bessere Stromversorgung für AKW Saporischschja

In dem von russischen Truppen besetzten Kernkraftwerk Saporischschja in der Ukraine hat sich die Stromversorgung von außen verbessert. Das AKW sei wieder an eine Reservestromleitung angeschlossen worden, teilte die Internationale Atomenergie-Behörde (IAEA) mit. Außerdem sei es gelungen, die Dieselvorräte des Werks aufzustocken. Damit könnten die werkeigenen Generatoren im Notfall zehn Tage lang die Reaktoren in Europas größtem Atomkraftwerk kühlen.

In den vergangenen Tagen hatten die Generatoren zweimal einspringen müssen, weil sowohl die letzte verbliebene Hauptleitung von außen wie die Reserveleitung ausgefallen waren. Derzeit stehen alle sechs Reaktoren still. Das Personal bereite sich darauf vor, zwei Reaktoren wieder hochzufahren, teilte IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi mit. Er versucht in Pendeldiplomatie zwischen Russland und der Ukraine, dass um das AKW eine Sicherheitszone ohne Kämpfe eingerichtet wird.

Deutsche Flugabwehr Iris-T bereits im Einsatz

Der ukrainische Luftwaffensprecher Ihnat sagte nicht, wo genau das deutsche System Iris-T im Einsatz sei; er sprach nur allgemein von «südlicher Richtung». Verteidigungsminister Olexij Resnikow hatte am Mittwoch bestätigt, dass das erste System Iris-T angekommen sei. Deutschland will Kiew zunächst vier der jeweils 140 Millionen Euro teuren Waffe zur Verfügung stellen, die Finanzierung von drei weiteren ist gesichert.

Jede Einheit besteht aus Radaranlage, Gefechtsstand und drei auf Lastwagen montierten Raketenwerfern. Iris-T SLM kann auf Ziele bis 20 Kilometer Flughöhe und 40 Kilometer Entfernung feuern. Damit kann eine mittlere Großstadt wie Nürnberg oder Hannover geschützt werden. Nach den russischen Raketenangriffen hatten mehrere Länder der Ukraine Luftabwehrwaffen zugesagt, auch die USA und Großbritannien.

Das wird am Samstag wichtig

Russland will den Lastwagenverkehr über die beschädigte Brücke zur annektierten Halbinsel Krim am Samstagabend wieder zulassen. Beladene Lkws müssten künftig aber vor der Auffahrt auf das strategisch wichtige Bauwerk kontrolliert werden, sagte Vizeregierungschef Marat Chusnullin.

Auf der 19 Kilometer langen Brücke hatte es eine Woche zuvor eine schwere Explosion gegeben. Nach Darstellung russischer Behörden explodierte ein Lastwagen mit Sprengstoff und setzte einen parallel auf der Brücke fahrenden Güterzug in Brand. Moskau sieht darin einen vom ukrainischen Geheimdienst organisierten Anschlag. Die Ukraine hat sich nicht zur Urheberschaft der Explosion geäußert.

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