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Russische Invasion

Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Moskau/Kiew/Berlin (dpa)

Russland will 300.000 Reservisten für den Kampf mobilisiert haben. Zehntausende sind schon im Einsatz. Bundespräsident Steinmeier malt wegen der Kriegsfolgen ein düsteres Zukunftsszenario. Die News im Überblick.

Von dpa

Rauch und Feuer steigen von brennenden Tanks auf, nachdem ukrainische Streitkräfte ein Öldepot in Schachtarsk beschossen haben. Foto: Uncredited/AP/dpa

Russlands Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten für den Krieg in der Ukraine ist nach Angaben von Verteidigungsminister Sergej Schoigu abgeschlossen. Rund 82.000 der Männer seien bereits an der Front im Einsatz, die übrigen würden derzeit in Russland auf den Kampf vorbereitet.

Neue Maßnahmen der Mobilmachung seien nicht geplant, von nun an werde mit Freiwilligen auf Vertragsbasis gearbeitet, sagte Schoigu bei einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin in der Nähe von Moskau.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu bei einem Treffen mit Wladimir Putin. Foto: Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Die Soldaten an der Front sollen sicherstellen, dass Russland die von der Ukraine annektierten und teilweise besetzten Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson nicht wieder verliert. Putin hatte erklärt, es gehe darum, einen Frontverlauf von rund 1100 Kilometern Länge zu sichern. Die Ukraine will die Gebiete - und die bereits 2014 von Moskau annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim - wieder befreien.

Putin räumte einmal mehr ein, dass es bei der vor mehr als einem Monat begonnenen Teilmobilmachung viele Probleme gegeben habe. Die Soldaten hatten oft keine passende Ausrüstung oder wurden nicht den russischen Vorschriften gemäß auf den Einsatz im Kriegsgebiet vorbereitet. Viele Reservisten kehrten zudem in Särgen zurück.

Selenskyj prangert russischen Terror an

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verglich den Kampf seines Landes gegen Russland mit dem Widerstand gegen die Nazis im Zweiten Weltkrieg. Russland verfolge dieselben Ziele wie einst der Nationalsozialismus, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft. «Die Form des Bösen hat sich gewandelt, aber das Wesen ist unverändert.»

Selenskyj sagte, Russland sei vom Nachbarn zum Aggressor und Terroristen geworden. Immer wieder würden friedliche Städte mit Bomben und Raketen beschossen, sagte der 44-Jährige. Russland vermine und besetze Kraftwerke, stehle Getreide und verschleppe auch Kinder, sagte er in der Nacht zum Freitag. Mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg und den Kampf gegen die Nazis damals sagte Selenskyj, dass sich das «Böse nach 80 Jahren wieder aus der Asche» erhoben habe.

Ukraine hat «keine Angst vor der Dunkelheit»

Selenskyj beklagte, dass der Aggressor Russland seit Beginn des Krieges 4500 Raketen auf die Ukraine abgeschossen und insgesamt 8000 Luftangriffe geflogen habe. Sein Land werde sich aber nicht brechen lassen, betonte er. Angesichts der Stromabschaltungen wegen zerstörter Energieinfrastruktur meinte er, dunkel sei nicht ein Leben ohne Licht, sondern ohne Freiheit. Auch den harten Winter würden die Ukrainer überstehen. «Wir haben keine Angst vor der Dunkelheit.»

Steinmeier beschwört deutschen «Widerstandsgeist»

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stimmte die Menschen in Deutschland als Folge des Ukraine-Kriegs auf eine schwierige Zukunft ein. «Es beginnt für Deutschland eine Epoche im Gegenwind», warnte er am Freitag. Die Zeit vor dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar sei eine «Epoche mit Rückenwind» gewesen, in der die Deutschen von der Friedensdividende nach dem Ende der Blockkonfrontation reichlich profitiert hätten. «Die Friedensdividende ist aufgezehrt. Es beginnt für Deutschland eine Epoche im Gegenwind.»

Er sagte voraus: «Es kommen härtere Jahre, raue Jahre auf uns zu.» Steinmeier beschwor in seiner Rede gleichzeitig Rede den Widerstandsgeist der Deutschen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: «Es kommen härtere Jahre, raue Jahre auf uns zu.» Foto: Michael Kappeler/dpa

Ukrainische Luftwaffe: Schon 300 iranische Drohnen abgeschossen

Das ukrainische Militär schoss nach eigenen Angaben seit Mitte September mehr als 300 russische Kamikaze-Drohnen vom iranischen Typ Schahed-136 ab. Man gehe davon aus, dass Russland 2400 solcher Drohnen bestellt habe, sagte Luftwaffensprecher Jurij Ihnat in Kiew. Wie groß der Bestand tatsächlich sei, wisse man nicht. Die russische Armee setze diese Kampfdrohnen vor allem nachts und in mehreren Wellen ein. Kamikaze-Drohnen kreisen eine Zeit lang über einem Zielgebiet und stürzen dann mit einer Sprengladung auf ein bestimmtes Ziel ab.

Russen geben mehr Geld für Antidepressiva aus

In Russland werden unterdessen seit Beginn des Jahres deutlich mehr Mittel gegen Depressionen gekauft als im Vorjahr. Bis Ende September seien 8,4 Millionen Packungen Antidepressiva im Wert von fünf Milliarden Rubel (umgerechnet gut 80 Millionen Euro) über den Ladentisch gegangen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf eine Statistik des Zentrums für perspektivische Technologien.

Der Anstieg bei den Packungen beläuft sich demnach auf 48 Prozent, bei den Ausgaben sogar auf 70 Prozent. Ob die höheren Verkaufszahlen für Medikamente gegen Depressionen direkt mit dem Ukraine-Krieg zusammenhängen, ist nicht klar.

London: Russland schickt Reservisten nach Cherson

Russland richtet sich in der Ukraine nach Einschätzung britischer Geheimdienste zunehmend auf die Verteidigung seiner Positionen ein. In den vergangenen Wochen hätten russische Truppen in den meisten Frontabschnitten eine langfristig ausgerichtete, defensive Stellung eingenommen, berichtete das Verteidigungsministerium . Die stark unterbesetzte, schlecht ausgebildete Truppe in der Ukraine sei derzeit nur zu defensiven Operationen fähig, hieß es im täglichen Bericht der Geheimdienste. Russland habe einige zuletzt extrem schwach besetzte Truppen entlang des Flusses Dnipro offenbar mit jüngst mobilisierten Reservisten aufgestockt, hieß es weiter.

Russische Besatzer: Cherson von Zivilisten geräumt

Die russischen Besatzer haben nach eigenen Angaben die ukrainische Stadt Cherson und das Gebiet nordwestlich des Flusses Dnipro von Zivilisten geräumt. Vize-Verwaltungschef Kirill Stremoussow sagte aber nicht, wie viele Menschen die Region verlassen hätten, in der ein ukrainischer Angriff erwartet wird.

«Es war keine zwangsweise Evakuierung. Wir haben den Menschen die Möglichkeit gegeben, die Kampfzone zu verlassen», sagte Stremoussow der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge. Aus ukrainischer Sicht sind die Menschen indes verschleppt worden. Es gab keine Möglichkeit, auf ukrainisch beherrschtes Gebiet zu wechseln.

Kadyrow gibt hohe Verluste bei eigener Einheit zu

Der Machthaber der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, räumte nach einem Artilleriebeschuss durch ukrainische Truppen hohe Verluste in den eigenen Reihen ein. «Es sind 23 Kämpfer gestorben und 58 verletzt worden», schrieb Kadyrow auf seinem Telegram-Kanal. Ukrainische Quellen hatten Anfang der Woche berichtet, dass eine tschetschenische Einheit im südukrainischen Gebiet Cherson durch Artilleriebeschuss getroffen wurde.

IAEA plant noch diese Woche Inspektionen in der Ukraine

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) will nach den Vorwürfen Russlands, Kiew plane den Einsatz einer «schmutzigen», also atomar verseuchten, Bombe, in Kürze eine Beobachtermission in die Ukraine entsenden. Experten sollen auf Bitten Kiews an zwei Standorten Nachprüfungen machen. Putin hatte auch eine solche Mission gefordert.

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