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Catania

Lage auf Rettungsschiffen: Menschen springen ins Wasser

Catania (dpa)

Rund 250 Migranten harren auf Schiffen im Hafen von Catania aus. Sie dürfen nicht an Land gehen. Die Lage an Bord wird immer schwieriger. Drei Menschen wagen eine verzweifelte Aktion.

Von dpa

Migranten halten Transparente mit der Bitte um Hilfe an Deck des unter norwegischer Flagge fahrenden Schiffes «Geo Barents». Foto: Salvatore Cavalli/AP/dpa

In der italienischen Hafenstadt Catania wird die Lage auf zwei vor Anker liegenden Rettungsschiffen immer schwieriger. 35 Migranten auf der deutschen «Humanity 1» und 214 Migranten auf der norwegischen «Geo Barents» warteten am Montagabend weiter darauf, an Land gehen zu dürfen.

Die italienischen Behörden verweigerten dies mit dem Hinweis, dass bei ihnen keine Notfälle vorlägen. Am Wochenende hatten 144 Migranten und Flüchtlinge die «Humanity 1» verlassen dürfen, bei der «Geo Barents» waren es 358 Menschen.

Die neue italienische Regierung der ultrarechten Ministerpräsidentin Giorgia Meloni will die unkontrollierte Migration über das Mittelmeer sehr stark einschränken.

Situation für die Menschen zunehmend unerträglich

Für die Menschen, die in Catania auf den Schiffen ausharren mussten, wurde die Situation nach Angaben der Helfer zunehmend unerträglich. Am Montagnachmittag sprangen drei Migranten von der «Geo Barents» ins Hafenbecken, um ans Festland zu schwimmen. Sie wurden von der Küstenwache aus dem Wasser geholt und blieben Medienberichten zufolge unverletzt. Am Hafenkai war zu hören, wie Menschen auf den Schiffen um Hilfe riefen. Auf dem deutschen Schiff «Humanity 1» wollten einige Menschen nicht mehr wie gewohnt essen, wie eine Sprecherin sagte.

«Ich kann den Hafen auf keinen Fall verlassen, wenn diese Leute noch an Bord sind», sagte der deutsche Kapitän der «Humanity 1» bei einer spontanen Pressekonferenz im Hafen von Catania. «Ich bin wirklich wütend und traurig, dass ich zu einer illegalen Tat gedrängt werde».

Die Retter argumentieren, dass laut internationalem Recht Gerettete am nächsten, sicheren Hafen an Bord gehen dürften. «Wir behandelten mehrere Menschen mit Panikattacken», berichtete Caroline Willemen, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen.

Rettungsschiff geht langsam der Treibstoff aus

Vor der Küste Siziliens kreuzten am Montag zwei weitere Schiffe. Eines davon war die «Rise Above» der Dresdner Organisation Mission Lifeline mit knapp 90 Migranten, der langsam der Treibstoff ausgeht, wie Sprecherin Hermine Poschmann der Deutschen Presse-Agentur sagte. Am Abend teilte die NGO dann mit, dass ihr von den italienischen Behörden Reggio Calabria als Hafen zum Anlegen zugewiesen worden sei. Eine Ankunft dort wird in der Nacht erwartet. Auf der «Ocean Viking» von SOS Méditerranée mussten indes mehr als 230 Menschen ausharren.

Die Vereinten Nationen fordern ein Einlenken. «Für alle verbliebenen Überlebenden auf allen vier Schiffen auf See wird dringend eine Lösung benötigt», teilten die Internationale Organisation für Migration (IOM) und das UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR mit. Die Staaten in der Region sollten einen sicheren Ort anbieten, an dem die Migranten von Bord gehen könnten. Grundsätzlich sei aufgrund der brisanten Lage und der vielen Ertrunkenen eine sinnvolle Aufteilung der Verantwortlichkeiten zwischen allen betroffenen Staaten dringend geboten. Laut IOM verschwanden in diesem Jahr mindestens 1337 Menschen auf der Migrationsroute im zentralen Mittelmeer.

Die EU-Kommission drängt Rom auf eine zügige Aufnahme der Migranten. «Im Einklang mit den internationalen Normen sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um sicherzustellen, dass die Zeit für die an Bord dieser Schiffe verbleibenden Personen so kurz wie möglich ist», sagte eine Kommissionssprecherin in Brüssel. Alle zuständigen Behörden sollten zusammenarbeiten, um einen «geeigneten sicheren Ort» zu schaffen. Die Sprecherin begrüßte, dass Italien am Vorabend mehrere Hundert Frauen, Kinder und Verletzte an Land ließ.

Mit Blick auf die Frage, ob es rechtens sei, nur bestimmten Menschen den Landgang zu erlauben, rief die Sprecherin alle EU-Staaten dazu auf, «Leben zu retten und dafür zu sorgen, dass sie ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen, um sicherzustellen, dass Menschen, die in Seenot geraten sind, gerettet werden».

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