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Präsidentenwahl

Österreich: Van der Bellen schwach bei den Jungen

Wien (dpa)

Das alte und neue Staatsoberhaupt Österreichs verbuchte viele Stimmen aus dem Kreis der älteren Wähler. Bei den Jungen punktete Rocksänger Dominik Wlazny.

Von dpa

Alexander Van der Bellen, neuer alter Bundespräsident von Österreich, in Wien. Foto: Markus Schreiber/AP/dpa

Der Erfolg von Alexander Van der Bellen bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich geht auch auf einen Zustrom von Wählern zurück, die vor sechs Jahren für den damaligen FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer gestimmt haben.

Laut einer Wähleranalyse des Instituts für Wahl-, Sozial- und Methodenforschung am Montag votierte fast jeder Fünfte dieser ehemaligen Rechts-Wähler diesmal für Van der Bellen. Nur jeder Dritte der damaligen Hofer-Wähler habe am Sonntag sein Kreuz beim FPÖ-Kandidaten Walter Rosenkranz gemacht, hieß es. Generell hatte der ehemalige Grünen-Chef Van der Bellen großen Zuspruch bei älteren Wählern, während er von unter 30-Jährigen deutlich weniger als 50 Prozent bekam.

Amtsinhaber Van der Bellen fuhr am Sonntag gegen sechs Mitbewerber einen klaren Sieg ein. Nach Auszählung der Briefwahlstimmen am Montag gewann er mit insgesamt 56,69 Prozent der gültigen Stimmen, vor Rosenkranz mit 17,68 Prozent. Einen Achtungserfolg landete Dominik Wlazny mit 8,31 Prozent. Der Rockmusiker, der als Chef der linken Bierpartei bislang nur in der Wiener Stadtpolitik aktiv war, wurde laut einer Analyse für den Sender ATV von 20 Prozent der Wähler unter 30 Jahren unterstützt.

Stichwahl nicht mehr nötig

Der rechtskonservative Kolumnist Tassilo Wallentin lag am Sonntagabend bei 8,07 Prozent. Der rechte Blogger Gerald Grosz kam auf 5,57 Prozent, der Kandidat der impfkritischen Partei MFG, Michael Brunner, auf 2,11 Prozent. Der links-alternative Schuh-Fabrikant Heinrich Staudinger erzielte 1,59 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 65 Prozent.

Da der 78-Jährige Van der Bellen im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichte, ist eine Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten nicht mehr nötig. Somit wird er am 26. Januar 2023 erneut als Staatsoberhaupt Österreichs vereidigt. Seine Amtszeit beträgt sechs Jahre.

Van der Bellen wies am Sonntagabend vor seinen jubelnden Anhängern darauf hin, dass die Wahl jenseits der Grenzen genau beobachtet worden war. «Auch auf europäischer Ebene wird dieser Wahlerfolg von uns allen sehr, sehr wahrgenommen», so der 78-Jährige. Während Van der Bellen großer Anhänger der EU ist, vertrat Gegenkandidat Rosenkranz wie die FPÖ generell äußerst EU-skeptische Positionen. So warb Rosenkranz für ein Ende der EU-Sanktionen gegen Russland.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begrüßte die Wiederwahl Van der Bellens mit Blick auf den Zusammenhalt in Europa in Zeiten des Ukraine-Kriegs. Mit ihm behalte Österreich «einen Bundespräsidenten, der an unser gemeinsames Europa glaubt und mutige Schritte der Versöhnung und Zusammenarbeit geht», hieß es in einer Mitteilung.

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