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Trumps Waterloo - Demokrat Warnock siegt in Georgia

Donald Trump wird Georgia als sein persönliches Waterloo erleben. Seine erneute Kandidatur wird durch den Sieg von Senator Raphael Warnock geschwächt. Denn es geht auch um Macht in Washington.

Senator Raphael Warnock hat in Georgia die Senatswahlen gewonnen. Foto: dpa Foto: IMAGO/John Arthur Brown

Schon wieder blicken die USA mit Erstaunen auf Georgia. Senator Raphael Warnocks erneuter Sieg in dem Südstaat zeigt, dass demokratische Erfolge dort keine Eintagsfliege sind. Georgia mit seiner Bürgerrechtsgeschichte, den boomenden Vororten der Wirtschaftsmetropole Atlanta und seiner ethnischen Vielfalt ist einfach kein sicherer republikanischer Hort mehr.

Mit der Niederlage des Footballstars Herschel Walker zementiert Donald Trump, der bereits bei den Midterms einen Dämpfer erhalten hatte, den Eindruck, er habe nicht mehr das Zeug, seiner Partei Siege zu sichern. Walker, der hauptsächlich bei schwarzen Männern punkten sollte, gelang es nicht, seine Wahlbasis entsprechend zu erweitern. Er war zudem in die Schlagzeilen geraten durch Vorwürfe der häuslichen Gewalt von seiner Ex-Frau. Außerdem soll er als kategorischer Abtreibungsgegner zwei Frauen zu Abtreibungen gedrängt haben, was er bestreitet.

Erneute Kandidatur geschwächt

Doch wer in Georgia dauerhaft siegen will, muss seriös daherkommen und in den Vororten punkten können bei Wählern mit College-Abschluss – „Football-Mums“ und „Peloton-Väter“ nannte es ein Wahlstratege gerade – und meinte damit aktive jungen Eltern, die zu Hause am Heimtrainer in Form bleiben wollen.

Die Bäume wachsen trotzdem dort für die Demokraten keineswegs in den Himmel. Stacey Abrams, die Biden 2018 das gute Abschneiden in Georgia gesichert hatte, unterlag bei den Gouverneurswahlen gerade erneut dem republikanischen Kandidaten Brian Kemp. Das Interessante: Der war ein parteiinterner Lieblingsfeind von Trump, weil er sich bei den US-Präsidentschaftswahlen 2020 geweigert hatte, Trumps Forderungen nachzukommen, in Georgia Wahlergebnisse anzufechten. Hätte der beliebte Kemp nun Walker nicht aktiv unterstützt, hätte der wohl noch deutlicher verloren.

Kurzum: Trump wird Georgia als sein persönliches Waterloo erleben. Seine erneut Kandidatur wird geschwächt. Denn es geht auch um Macht in Washington. Und die Lage für die Demokraten im US-Senat dürfte sich mit der Personalie Warnock deutlich entspannen. Künftig sind sie im Plenum nicht mehr auf Vizepräsidentin Kamala Harris angewiesen. Und der demokratische Senator Joe Manchin, der sich gerne bei Abstimmungen seiner Partei quer stellte, wird ausgebremst.

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