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Klimapolitik

Umweltgipfel Stockholm+50: «Krieg gegen die Natur beenden»

Stockholm (dpa)

Viele Teilnehmer sind sich auf dem Umweltgipfel Stockholm+50 einig: Seit der ersten UN-Konferenz dieser Art vor 50 Jahren wurde einiges für den Umweltschutz getan - es reicht jedoch bei Weitem nicht aus.

Von dpa

Die Exekutivdirektorin des UN-Umweltprogramms, Inger Anderse (l), Schwedens Umweltministerin Annika Strandhall und ihr kenianischer Amtskollege Keriako Tobiko beim Umweltgipfel Stockholm+50. Foto: Jessica Gow/TT NEWS AGENCY/AP/dpa

Zahlreiche Staaten haben auf dem Umweltgipfel Stockholm+50 auf die Dringlichkeit eines schnelleren Vorgehens im Kampf gegen die ökologischen Krisen des Planeten hingewiesen.

50 Jahre nach der ersten UN-Konferenz zum Thema Umwelt betonten viele Staats-, Regierungs- und UN-Vertreter am Donnerstag in der schwedischen Hauptstadt, dass der Kampf gegen globale Probleme wie Erderwärmung, Artensterben und Vermüllung zügiger angegangen werden müsse. «Die natürlichen Systeme der Erde können mit unseren Anforderungen nicht Schritt halten», sagte UN-Generalsekretär António Guterres. «Wir müssen jetzt unseren Kurs ändern und unseren sinnlosen und selbstmörderischen Krieg gegen die Natur beenden.»

Stockholm war 1972 Schauplatz der ersten Konferenz der Vereinten Nationen, die sich mit Fragen der Umwelt des Menschen beschäftigt hatte. Das Treffen gilt somit als Geburtsstunde der internationalen Umweltpolitik. Damals wurde unter anderem das UN-Umweltprogramm UNEP ins Leben gerufen. Viele Länder schufen danach Umweltministerien. Es gab seither auch zahlreiche globale Klima- und Umweltschutzabkommen.

Feier und Sprungbrett

Nun trifft sich die Welt erneut in Stockholm, um noch bis Freitag über drängende Umweltfragen zu sprechen. Unter dem Motto «Ein gesunder Planet für den Wohlstand aller - unsere Verantwortung, unsere Chance» sollten dabei 50 Jahre globaler Umweltpolitik gefeiert werden. Zum anderen soll das Treffen auch als Sprungbrett für die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) und des Pariser Weltklimaabkommens dienen. Herauskommen sollten Botschaften und Empfehlungen, nicht aber neue Bekenntnisse und Beschlüsse.

Guterres wies in seiner Eröffnungsrede auf die seit 1972 gemachten Fortschritte etwa bei der Rettung der Ozonschicht hin. «Aber heute ist das globale Wohlergehen in Gefahr, zum großen Teil, weil wir unsere Versprechen in Bezug auf die Umwelt nicht eingehalten haben», sagte er. Mit zunehmender Bevölkerungszahl und größerem Wohlstand sei der ökologische Fußabdruck der Menschheit unerträglich groß geworden.

Diese Ansicht - viel sei getan worden, aber umso mehr liege noch vor der Menschheit - hallte in etlichen Reden der teilnehmenden Staaten wider. Schwedens Ministerpräsidentin Magdalena Andersson sah die Welt an einer entscheidenden Kreuzung, an der die Umsetzung von Maßnahmen beschleunigt werden müsse. Die Klima- und Umweltkrise betreffe alle Menschen, aber die Ärmsten würden am härtesten getroffen, sagte sie.

«Umweltpolitik eine Politik des Friedens»

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) merkte an, man habe in den vergangenen 50 Jahren gelernt, dass multilaterale Umweltpolitik selbst in Zeiten der Krise funktioniere. «Umweltpolitik ist eine Politik des Friedens.» Der globale Frieden werde momentan von Russlands brutalem Angriffskrieg in der Ukraine bedroht, zugleich müsse man sich mit den Bedrohungen begegnen, die sich aus den globalen ökologischen Krisen wie der Erderhitzung und dem Artensterben ergeben. Auch diese Krisen gefährdeten Frieden und Stabilität, sagte die führende deutsche Vertreterin auf dem Gipfel.

UNEP-Chefin Inger Andersen rief dazu auf, andere globale Krisen wegen des Ukraine-Kriegs nicht zu vergessen. «Die Welt muss lernen, mit mehreren Krisen fertig zu werden und nicht eine zugunsten einer anderen loszulassen», sagte sie. Die Solidarität mit den Menschen, die unter Krieg litten, sei groß. Dies dürfe jedoch nicht bedeuten, dass man anderes außer Acht lassen könne.

Schweden richtet die zweitägige Umweltkonferenz gemeinsam mit Kenia und in Zusammenarbeit mit den UN aus. Am Freitagmittag plant die Klimabewegung Fridays for Future einen großen Protestmarsch durch die Heimatstadt von Klimaaktivistin Greta Thunberg.

Kritik von Aktivisten: «Wollen wirklich drastische Maßnahmen»

Viele Klima- und Umweltaktivisten monierten, dass der Gipfel keine neuen Verpflichtungen und konkrete Beschlüsse zutage fördern wird. Sie wünsche sich von den Politikerinnen und Politikern etwas, dass über Erklärungen und Versprechungen hinausgehe, sagte die Aktivistin Vanessa Nakate aus Uganda der Deutschen Presse-Agentur.

«Sie halten schicke Reden, aber das wird leidende Gemeinschaften nicht retten und die Erwärmung des Planeten nicht aufhalten. Was wir wollen, sind wirklich drastische Maßnahmen, die von diesem Ort ausgehen», sagte Nakate. UNEP-Chefin Andersen sagte dazu, es handle sich um keine Konferenz, auf der Vereinbarungen verhandelt würden. Vielmehr gehe es darum, Ideen zusammenzubringen und die globale Umweltagenda voranzubringen.

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