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Bürgerlabor Mobiles Münsterland

So wird im Kreis Coesfeld Mobilität im ländlichen Raum neu gedacht

Münsterland

Mobilität neu denken? Im Kreis Coesfeld passiert das gerade. Bürgerbus, Bus, E-Scooter und Sammeltaxi: Alles wird kombiniert - und das nun auf zu einem deutlich reduzierten Preis. Das Bürgerlabor Mobiles Münsterland zeigt: Es geht, wenn man nur will ...

Von Elmar Ries

Fünf Mobilitäts­stationen sind zwischen Olfen und Münster geplant – gebaut werden ­sollen sie aus auf­gehübschten Seecontainern Foto: Bürgerlabor Mobiles Münsterland

Während sich das linke Ratsbündnis in Münster und die Landräte im Münsterland über die Erreichbarkeit des Oberzen­trums streiten, rollt seit geraumer Zeit im Kreis Coesfeld ein Verkehrsversuch, der problemlos auf die anderen Kreise übertragbar wäre – und damit viele der Mobilitätsprobleme auf einen Schlag beseitigen könn­te.

Das Projekt firmiert unter dem Namen Bürgerlabor Mobiles Münsterland, was schon auf den Versuchscharakter hinweist, hat im Kern den ­taktbeschleunigten Schnellbus X 90, der zwischen Olfen, Lüdinghausen Senden und Münster fährt, angeflanschte Bürgerbus- und ÖPNV-Verbindungen, angedachte Mobilitätsstationen und einen gerade frisch reduzierten Preis. Für den Projektkoordinator Josef Himmelmann ist das Ganze „eine runde Sache“.

Projekt mit neuem Namen „Kommit“

Die ist nicht vom Himmel gefallen. Schon 2018 war das Münsterland Musterland in Sachen Mobilität. Der damalige Verkehrsminister Hen­drik Wüst (CDU) wollte ein Konzept erarbeitet wissen, das im ländlichen Raum taugt und neben Zug und Bus auch Auto, Fahrrad und alles, was sonst noch so rollt, einbezieht, klug vernetzt und digital aufmotzt.

Anschauungsobjekt einer Mobilitätsstation in Senden. Foto: Bürgerlabor Mobiles Münsterland

Geboren wurde seinerzeit die Idee, die sieben münsterlandweiten RVM-Schnellbuslinien noch schneller zu ­machen und Mobilitäts­stationen einzurichten. Die Idee war gut – umgesetzt wurde sie leider nicht.

Aber jetzt aufgegriffen vom Bürgerlabor, hinter dem der Kreis Coesfeld, der Münsterland e.V., das NRW-Verkehrsministerium, der Regionalverkehr Münsterland (RVM) und der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) stehen. Das Labor gab dem Projekt mit der Bezeichnung „Kommit“ einen neuen Namen und schrumpfte das Ideenpotpourri auf eine machbare Größe, indem all das Neue zunächst auf einer Referenzstrecke erprobt wird. Heißt: Aus dem Schnellbus S 90 wurde der X 90, der nun zwischen Senden und Münster im Viertelstundentakt verkehrt. „Da brauche ich kei­nen Fahrplan mehr“, sagt Himmelmann.

Pr­oblemlos koordiniert über das Handy

Schnell von A nach B kommen ist das eine. Mobilität im ländlichen Raum funktioniert aber nur, wenn ich vorher problemlos nach A gekommen bin und von B auch fix weiterkomme. „Wir müssen also die Fläche erschließen“, sagt Ute Schmidt-Vöcks, die in dem Projekt den Münsterland e.V. vertritt. Das ist der Punkt, an dem Bürgerbusse, Shuttle, Car-Sharing-Optionen und Mobilitäts­stationen ins Spiel kommen. Verknüpft wird all das über eine App, über die später auch bezahlt werden soll.

Himmelmanns Zukunftsmusik klingt ungefähr so. Der Fahrgast ordert beispielsweise in Senden den Bürgerbus, der ihn zur gewünschten Zeit zur Mobilitätsstation bringt. Dort trinkt er vielleicht einen Kaffee, ehe er mit dem X 90 nach Münster weiterfährt. In der Stadt muss er nicht zwangsläufig bis zum Bahnhof fahren, sondern steigt am Haltepunkt seiner Wahl in ein Loop-Shuttle um, das ihn zum Ziel bringt. Alles pr­oblemlos koordiniert über das Handy – und für einen niedrigen Komplettpreis.

Fünf Mobilitätsstationen geplant

Den schnellen Schnellbus gibt es schon, Bürgerbusse und Shuttle auch, den günstigeren Fahrpreis ebenso. Statt 109 Euro fürs Gesamtpaket ab Senden werden nun 62 Euro im Monat fällig. „Das Land hat das Portemonnaie aufgemacht“, sagt Himmelmann. Ab Lüdinghausen ­kostet die Monatskarte anstatt 131 noch 74 Euro. Was fehlt, sind die Mobilitäts­stationen, fünf davon sind zwischen Olfen und Münster geplant – gebaut werden ­sollen sie übrigens aus auf­gehübschten Seecontainern – und die App, die für Mai ­avisiert ist.

Labor heißt, wie gesagt, Versuchsfeld: Das Bürgerlabor ist offen für neue Partner und weitere Ideen – etwa die von den Landräten ins Spiel gebrachten Velorouten, die Münster sternförmig mit dem Umland verbinden sollen als eine Art Fahrrad-Autobahn: „Warum nicht drüber nachdenken, die einzubinden“, sagt Himmelmann. Dem eines wichtig ist: „Wir haben überhaupt nichts gegen Autos“, sagt er. Nur: ­Attraktive Mobilität könne heute auch ganz anders organisiert werden.

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