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Luftverkehr

Aufwind für die Drohnenbranche: Städte im Fokus

Köln (dpa)

In Science-Fiction-Filmen sind Drohnen längst Leinwandrealität. Die Wirklichkeit ist von so einer Intensität aber sehr weit entfernt. Eine neues Regelwerk könnte dem Drohnengeschäft bald Auftrieb geben.

Von Wolf von Dewitz, dpa

Eine Drohne des Modells GT100 des deutschen Herstellers Airial Robotics. Foto: Oliver Berg/dpa

Deutschlands Drohnenbranche ist bisher vor allem eins: ein Zukunftsversprechen. Die unbemannten Luftfahrzeuge werden zwar schon eingesetzt, etwa zur Vermisstensuche, Pipeline-Inspektion oder zum Medikamenten-Transport.

Das eigentliche Potenzial aber - darin sind sich Experten einig - ist viel größer als derzeit praktiziert. Mit einer im nächsten Jahr anstehenden Gesetzgebung könnte besagtes Potenzial im städtischen Raum besser ausgeschöpft werden. Diese neuen Drohnen-Möglichkeiten sind bei der heute in Köln startenden Luftfahrt-Messe European Rotors ein großes Thema.

Es geht um «U-Spaces», also urbane Lufträume in Bodennähe, in denen die Flüge von Drohnen, Hubschraubern und Flugzeugen koordiniert werden. Sie sind nur einige Hundert Meter hoch - wie hoch genau, muss noch festgelegt werden. Sie befinden sich unterhalb der Flughöhe von Flugzeugen - es sei denn, diese starten oder landen.

Flüge außerhalb der Sichtweite sind zwar möglich, aber...

Im Gegensatz zum weiteren Luftraum, wo die Flugbewegungen mit Radar überwacht werden, ist dieser Bereich gewissermaßen unkontrolliert - es gibt dort keinen Datenaustausch, der einen genauen Überblick über alle Flugbewegungen bietet, also auch die von Drohnen. Daher dürfen die unbemannten Fluggeräte eigentlich nur in Sichtweite des am Boden befindlichen Piloten fliegen. Flüge außerhalb der Sichtweite sind zwar möglich, aber das Genehmigungsprozedere ist sehr aufwendig.

Die U-Spaces sollen das ändern, dort sollen Drohnen im Regelbetrieb auch außerhalb der Sichtweite fliegen dürfen. Um Kollisionen zu vermeiden, sollen die Standorte der Flugkörper für alle Beteiligten sichtbar gemacht werden. Ein Service Provider autorisiert die Flüge und gibt dem Drohnenpiloten Hinweise, wohin er fliegen darf.

«U-Spaces sind ein Meilenstein, um unbemannte Luftfahrzeuge besser in den Luftraum zu integrieren», sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Anja Troff-Schaffarzyk. Die Grüne Susanne Menge sagt, dass der Betrieb von größeren Drohnen ohne U-Spaces auf Sonderanwendungen begrenzt bliebe. «Handelt es sich um andere, wiederkehrende Drohnen-Missionen, geht es kaum ohne die Einrichtung von U-Spaces.»

Vorschlag für ein U-Space-Gesetz erwartet

Die EU-Kommission hat in einer Rahmenverordnung festgelegt, dass ab Ende Januar losgelegt werden darf. Wie das genau gemacht wird, bleibt den Mitgliedstaaten überlassen. Man werde im kommenden Jahr einen Vorschlag für ein U-Space-Gesetz vorlegen, teilt das Bundesverkehrsministerium mit. Bis zum Abschluss des Gesetzgebungsverfahren könnten «Reallabore» zu Forschungszwecken ausgewiesen werden. Dies geschah bereits 2021 am Hamburger Hafen, in Ingolstadt wird derzeit an einem weiteren Reallabor gearbeitet.

Nach Einschätzung von Achim Friedl vom Verband für unbemannte Luftfahrt (UAV DACH) könnten die ersten U-Spaces im Herbst 2023 beginnen. «U-Spaces können ein großer Schritt nach vorne sein, damit Drohnen häufiger eingesetzt werden als bisher.» Die Fluggeräte könnten dann in der Breite der Wirtschaft ankommen und auch Dienste für Handwerker übernehmen, etwa wenn sich ein Dachdecker aus der Ferne einen aktuellen Überblick verschaffen will.

«U-Spaces dürfen kein Hemmnis werden»

Auch die Drohneninspektion von Strom- und Gasleitungen könnte wesentlich vereinfacht werden und die Nutzung der unbemannten Flugkörper in der Medizin könnte anziehen. «Wenn bei einer Operation eine Gewebeprobe entnommen wird und diese möglichst schnell wegen des Verdachts auf einen bösartigen Tumor in einem entfernt liegenden Labor untersucht werden muss, könnte sich die Transportzeit mit einer Drohne im Vergleich zum Auto-Kurier erheblich verringern.» Friedl fürchtet aber, dass die Gebühren so hoch sein werden, dass sich das für viele Anwendungen nicht lohnt. «U-Spaces dürfen kein Hemmnis werden, das Wachstum bremst und Fortschritt abwürgt.»

Als U-Space Service Provider bringt sich die Frankfurter Firma Droniq in Stellung - der Dienstleister, der der Deutschen Flugsicherung und der Deutschen Telekom gehört, ist bereits in der Branche tätig. Firmenchef Jan-Eric Putze weist darauf hin, dass die externen Betriebskosten noch unklar seien, unter anderem weil die Größe der U-Spaces noch nicht definiert worden sei vom Gesetzgeber. Je größer, desto besser, weil die Flugraum-Nutzung dann attraktiver werde für die Wirtschaft, sagt Putze. Zu den Preisen sagt der Manager, es sei im Interesse von Droniq, dass die Nachfrage nach Flügen steige.

Die Grünen-Politikerin Menge sagt, zu Beginn müssten U-Spaces subventioniert werden, «um überhaupt in Gang zu kommen». Am Ende müsse sich dieses Geschäftsfeld aber selbst tragen, betont sie.

«Mit Drohnen vielfältige Facetten des Lebens verbessern»

Nach Einschätzung von Droniq-Chef Putze werden die U-Spaces Auftakt sein für rasches Wachstum der Drohnenbranche - vorausgesetzt, die Gesetzgebung sei klar und nicht restriktiv definiert. Vorbehalte in der Bevölkerung seien bedauerlich, sagt er. «Die Drohne ist nicht dazu da, heimlich den Nachbarn zu fotografieren, sondern um mit ihren ganzen vielfältigen Facetten das Leben zu verbessern.» So wie einst Flugzeuge als Erfindung skeptisch beäugt worden seien und sich später als sicheres Verkehrsmittel durchgesetzt hätten, so seien nun Drohnen auf dem Weg zum anerkannten und verlässlichen Transportmittel.

Zu den Drohnenherstellern, die große Hoffnungen in die Neuerung setzen, gehört Quantum Systems aus dem bayerischen Oberpfaffenhofen. «Eine erfolgreiche Einführung von U-Spaces wird die Drohnenindustrie beflügeln», sagt Firmenchef Florian Seibel. Anstatt dass ein Pilot mit dem Auto durch die Gegend fährt, anhält und die Drohne dann in Sichtweite fliegen lässt, um Bahngleise oder Pipelines zu überwachen, könnte er dies künftig viel unkomplizierter und effizienter aus der Ferne machen. Technisch sei das längst gut und sicher machbar. «Es ist höchste Zeit, dass der Gesetzgeber endlich nachzieht.»

Werden Drohnen in einigen Jahren zum üblichen Anblick gehören, wenn man zum Himmel blickt? Wird es ein Massengeschäft, wenn auch Lebensmittel und andere Waren damit zum Käufer gelangen? Volker Gollnick von der Technischen Universität Hamburg schüttelt den Kopf. «In Deutschland werden Drohnen noch lange ein Nischenmarkt bleiben», sagt der Professor. Inspektionsflüge zu Infrastrukturen, Gebäuden, Stromtrassen, Bahngleisen oder Industrieanlagen werden zunehmen und Lufttaxis werden eingeführt, und dafür seien die U-Spaces eine unverzichtbare Grundlage. Dass aber Lieferdrohnen zu Konsumenten fliegen und Ware abliefern, werde sich nicht so schnell etablieren.

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