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Industrie

Autozulieferer Schaeffler baut 1300 Stellen ab

Herzogenaurach (dpa)

Dem fränkischen Unternehmen geht es nicht schlecht. Aber die Autoindustrie zieht sich weit schneller als angenommen aus der Verbrenner-Technologie zurück. Treiber sind China und die USA.

Von Michael Donhauser, dpa

Schaeffler beschäftigt weltweit knapp 83.000 Mitarbeiter. Foto: Daniel Karmann/dpa

Der wachsende Markt für E-Mobilität setzt die Auto-Zulieferer unter Druck: Der Industriekonzern Schaeffler baut bis 2026 weitere 1300 seiner weltweit knapp 83.000 Stellen ab, davon 1000 in Deutschland.

Das Unternehmen begründete die Maßnahme mit einer schnelleren Transformation weg von Verbrenner-Antrieben hin zur E-Mobilität als erwartet. «Dies ist keine Folge der gestiegenen Energiekosten oder gar der geopolitischen Situation, sondern der Transformation», sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld der Deutschen Presse-Agentur.

Umbruch in der Branche

Der Auto- und Industriezulieferer gehört damit zu den prominentesten Beispielen für den Umbruch in der Branche. Es ist das zweite Transformationsprogramm innerhalb kurzer Zeit bei dem fränkischen Konzern. 2020 hatte Schaeffler den Abbau von 4400 Stellen bekanntgegeben. Werksschließungen seien diesmal nicht beabsichtigt.

Das Problem betrifft viele der Branche. Bei ZF, der bundesweiten Nummer zwei der Branche, haben kürzlich im Werk Saarbrücken Tausende Mitarbeiter auf Teile ihrer Bezüge verzichtet - um den Standort in der Transformation zukunftsfest zu machen. ZF baute bisher im Werk Saarbrücken Getriebe - die braucht das Elektroauto nicht mehr.

Die anderen, übergreifenden Probleme kommen hinzu - Fachkräftemangel, Rohstoffknappheit, Lieferengpässe und die galoppierenden Energiepreise. Schaeffler will deshalb verstärkt von Gas auf Strom umstellen - und diesen zum Gutteil selbst produzieren.

Von den Stellenstreichungen, die bis 2026 sozialverträglich umgesetzt werden sollen, sind nach Angaben von Schaeffler vor allem die drei Standorte Herzogenaurach, Bühl in Baden und Homburg im Saarland betroffen. Drei Viertel der wegfallenden Stellen kämen aus den Bereichen Forschung und Entwicklung von Teilen für Verbrennerantriebe oder aus Zentralfunktionen. Das Programm wird nach Angaben von Rosenfeld 130 Millionen Euro kosten und soll ab 2026 jährlich 100 Millionen Euro einsparen.

Treiber sind China und die USA

Die Transformation hin zu Elektroantrieben gehe viel schneller als vor kurzem angenommen, hieß es. Als Treiber nennt Rosenfeld keineswegs die europäische oder gar deutsche Politik. Vielmehr seien es die Entwicklungen auf den großen Märkten in China und den USA. In China etwa gingen die Zulassungen für Verbrenner rapide zurück. In den USA werde die ohnehin rasante Entwicklung noch durch ein Anti-Inflationsprogramm der Regierung beschleunigt. Die beiden Länder gehören zu den größten Absatzmärkten auch für deutsche Autobauer.

Deshalb müssten Überkapazitäten abgebaut werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig komme der Aufbau neuer Technologien voran. Rosenfeld nannte ein neues Zentrallabor in Herzogenaurach, ein Wasserstoffzentrum sowie ein Zentrum für E-Mobilität als Beispiele.

Umsätze insgesamt gestiegen

Der Auftragseingang bei Lösungen für E-Mobilität übertreffe die Erwartungen deutlich, sagte er. Derzeit stünden Aufträge im Wert von 4,7 Milliarden Euro in den Büchern. Geplant seien 2 Milliarden bis 3 Milliarden gewesen. Insgesamt sei das dritte Quartal gut gelaufen, vor allem dank guter Geschäfte im Bereich Industrie, wo Schaeffler unter anderem Antriebe für Windräder herstellt. «Auf der Autoseite sind die Dinge noch nicht ganz so, wie wir uns das wünschen», sagte Rosenfeld. Die Umsätze stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum insgesamt demnach um 20,2 Prozent.

Für das Gesamtjahr bleibt Schaeffler bei seiner Prognose eines Umsatzwachstums von sechs bis acht Prozent. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen einen Anstieg um 9,7 Prozent auf 13,9 Milliarden Euro erzielt. Nach drei Quartalen liegt Schaeffler in diesem Jahr bei 11,8 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Sondereffekten sank zugleich von 962 Millionen auf 813 Millionen Euro.

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