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Marktforschung

Bei Bio wird gespart – Fachmärkten bleiben die Kunden weg

Düsseldorf

Viele Reformhäuser, Naturkostläden und Bio-Supermärkte kämpfen ums Überleben. Die Deutschen greifen zwar auch in der aktuellen Krise gerne zu Bio-Produkten. Aber sie achten dabei mehr auf den Preis.

Bio-Produkte sind nach wie vor beliebt, werden aber wegen der starken Inflation immer öfter beim Discounter gekauft. Foto: dpa

In der Corona-Pandemie gehörten Bio-Supermärkte, Reformhäuser und Naturkostläden noch zu den Krisengewinnern. Doch seitdem infolge des Ukrainekrieges die Energie- und Lebensmittelpreise explodieren, hat sich das Bild gewandelt. Die Kunden bleiben weg. Selbst traditionsreiche Biohändler kämpfen nun ums Überleben.

„Bio-Supermärkte, Reformhäuser und Naturkostläden erleiden zurzeit deutliche Umsatzeinbußen“, sagte der Handelsexperte Robert Kecskes vom Marktforschungsunternehmen GfK. Der Grund: Angesichts knapper Kassen kaufen viel Verbraucherinnen und Verbraucher Bioprodukte immer öfter im Supermarkt oder beim Discounter.

Bio ist nicht gleich Bio

Doch Bio ist eben nicht gleich Bio: Michael Radau, Unternehmensgründer und -vorstand der Super-Bio-Markt AG in Münster spricht von „Billig-Bio beim Discounter“. Denn im Fachhandel sei die Transparenz vielfach größer, die Beratung besser. Die Folge laut Radau: „Wir haben eine Personalkostenquote von 15 bis 18 Prozent, die Discounter lediglich eine von sechs bis sieben Prozent.“

Nach den jüngsten Zahlen der GfK lagen die Umsätze der Biosupermärkte im August um 10,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Naturkostläden und Reformhäuser verzeichneten sogar ein Minus von 37,5 Prozent. Der Chef der Bio-Kette Alnatura Götz Rehn, klagte kürzlich: „Der Bio-Markt erlebt gerade den schlimmsten Einbruch seit 35 Jahren.“

Reformhaus Bacher musste Insolvenz anmelden

Die ersten Händler mussten bereits den Gang zum Insolvenzgericht antreten: Die 1927 gegründete Reformhauskette Bacher mit ihren bundesweit mehr als 100 Filialen beantragte im Sommer Insolvenz in Eigenverwaltung. Auch Radaus Unternehmen suchte Rettung in einem Schutzschirmverfahren. Doch nicht nur Branchengrößen, auch viele kleine Unverpackt-Läden kämpfen ums Überleben. Und das Branchenfachblatt „Lebensmittel Zeitung“ warnte: „Der Ausleseprozess hat gerade erst begonnen.“

„Wenn man nur die Zahlen der Fachmärkte sieht, könnte man den Eindruck haben, Bio spiele angesichts der hohen Inflation keine so große Rolle mehr im Bewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher. Aber das ist nicht wahr“, sagte Kecskes. Bio gewinne sogar weiter Marktanteile. Doch die Menschen hätten ihr Einkaufsverhalten deutlich geändert, um angesichts der gestiegenen Preise ihre Wünsche nach einem nachhaltigen Konsum mit ihrem kleiner werdenden finanziellen Spielraum unter einen Hut zu bringen.

Immer mehr Bio-Einkäufe im klassischen Supermarkt

Bereits seit Ende des letzten Jahres ist Kecskes zufolge zu beobachten, dass die Menschen weniger in den häufig als hochpreisig empfundenen Bio-Fachgeschäften einkaufen und stattdessen günstigere Alternativen suchen. Schritt für Schritt hätten Verbraucherinnen und Verbraucher Bio-Einkäufe in die klassischen Supermärkten wie Rewe oder Edeka verlagert.

„Jetzt sehen wir aufgrund der starken Preiserhöhungen die nächste Stufe“, sagte Kecskes. Beim Einkauf im Supermarkt werde immer öfter vom Bio-Markenprodukt zur Bio-Handelsmarke gewechselt. Oder die Bioprodukte würden gleich beim Discounter einkauft.

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