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Tarifreform

Das 49-Euro-Ticket kommt - Was geplant ist

Berlin (dpa)

Die neue Flatrate im Nah- und Regionalverkehr liegt bei 49 Euro im Monat. Der neue Name: Deutschlandticket. Worauf sich Fahrgäste einstellen können und was offen ist.

Von Andreas Hoenig, dpa

Eine S-Bahn der Deutschen Bahn fährt durch den Dresdner Hauptbahnhof. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Nach dem 9-Euro-Ticket kommt nun das Deutschlandticket für Busse und Bahnen im Nah- und Regionalverkehr. Es soll zum Start 49 Euro im Monat kosten - könnte aber im Laufe der Zeit teurer werden. Ob es wie von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) angestrebt zum 1. Januar eingeführt wird, scheint offen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hält einen Start wegen offener Fragen zum 1. März für realistisch. Debatten gibt es auch über den Preis.

Bund und Länder hatten am Mittwoch mit einer Einigung über Finanzfragen den Weg für das Ticket freigemacht. Wissing sprach von der größten Tarifreform im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland. Der ÖPNV soll nun dauerhaft attraktiver werden, der Tarifzonen-Dschungel ein Ende haben. Vor allem Pendler sollen vom Auto auf Busse und Bahnen umsteigen. Das soll auch helfen, Klimaziele zu erreichen. Doch reicht das bisherige Angebot aus, um die Ziele zu erreichen?

Was genau wurde entschieden?

Die 9-Euro-Tickets ermöglichten im Juni, Juli und August jeweils für einen Monat bundesweit Fahrten in Bussen und Bahnen. Nach Branchenangaben wurden rund 52 Millionen verkauft. Politiker und die Verkehrsbranche werteten das als großen Erfolg - auch weil das Ticket bundesweit gültig war. Bisher gibt es viele Tarifzonen und unterschiedliche Angebote.

Auf Dauer sei ein solch «extrem günstiger Tarif» nicht zu finanzieren, hatte Wissing deutlich gemacht. In der Diskussion waren daraufhin verschiedene Preismodelle. Mitte Oktober einigten sich die Verkehrsminister von Bund und Ländern grundsätzlich auf ein 49-Euro-Ticket als Nachfolgemodell für das 9-Euro-Ticket.

Auch zu den Finanzfragen gibt es nun eine Einigung. Der Bund erhöht dauerhaft Regionalisierungsmittel, mit denen die Länder Bahn- und Busverbindungen bei den Verkehrsunternehmen bestellen. Die Länder hatten dies zur Bedingung gemacht, dass sie das 49-Euro-Ticket mitfinanzieren. Das neue Ticket kostet drei Milliarden Euro. Bund und Länder finanzieren das jeweils zur Hälfte. Über die weitere Entwicklung der Regionalisierungsmittel und des Deutschlandtickets für die Zeit ab 2025 wollen Bund und Länder Ende 2024 sprechen.

Was ist konkret geplant?

Das digitale, bundesweit gültige Deutschlandticket ist für einen Einführungspreis von 49 Euro im Monat in einem monatlich kündbaren Abonnement vorgesehen. Für eine Übergangszeit werde es das Ticket auch in Papierform geben, sagte Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die digitalen Kanäle müssten vorbereitet werden, das brauche Zeit.

Das Ticket könnte außerdem mit der Zeit teurer werden. Nach den Plänen der Verkehrsminister ist ab dem zweiten Jahr eine «Dynamisierung» in Form eines automatischen Inflationsausgleichs geplant.

Kritik gibt es daran, dass die vom Bund zugesagten Regionalisierungsmittel nicht ausreichten. Es seien keine Mittel in Sicht, um Kapazität und Qualität des öffentlichen Verkehrs auszubauen, so Christian Böttger, von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Der Sommer habe gezeigt, dass auf vielen Strecken die Kapazität der Eisenbahn erschöpft sei.

Die Bundesvorsitzende des ökologischen Verkehrsclubs VCD, Kerstin Haarmann, erklärte: «In den Städten sind Busse und Bahnen oft überfüllt, auf dem Land fahren sie viel zu selten.» Es brauche eine Ausbau-Offensive.

Wann wird das Ticket eingeführt?

«Schnellstmöglich» - so steht es im Beschlusspapier von Bund und Ländern. Wissing sagte, Ziel sei ein Start zum Jahreswechsel. Es seien Vorarbeiten geleistet worden, aber noch Fragen zu beantworten.

Die Verkehrsunternehmen dagegen halten einen Start im Januar für nicht machbar. Realistisch sei eine Einführung am 1. März, sagte Wolff. Das Ticket sei in kurzer Frist nicht umzusetzen. Er verwies auch auf Gesetzgebungsverfahren. So muss es Beschlüsse in den Ländern geben. Außerdem müssten Bund und Länder bei Finanzierungsfragen nachbessern. Sie hätten einen Deckel eingezogen. Was aber passiert, wenn das nicht reicht? Wolff will deswegen eine sogenannte Nachschusspflicht, falls die Kosten steigen. Den Unternehmen könne nicht aufgebürdet werden, das von Bund und Ländern beschlossene Ticket umzusetzen und dabei das eigene Unternehmen in eine massive Schieflage zu bringen.

Inwiefern sind soziale Staffelungen geplant?

Die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland, Michaela Engelmeier, lobte zwar die Einigung. «Trotzdem bleiben wir dabei, dass sich 49 Euro nicht alle Menschen leisten können. Deshalb fordern wir weiterhin ein 365 Euro-Ticket.»

Wissing verteidigte den Preis. «Das ist ein hochattraktiver Preis. Er liegt deutlich unter dem, was die meisten Menschen heute für den ÖPNV bezahlen» sagte er der «Rheinischen Post» und dem «Bonner General-Anzeiger». Darüber hinaus sei es den Ländern unbenommen, wie gehabt weitere Vergünstigungen etwa für Azubi-, Schüler- oder Sozialtickets vorzunehmen.

Für viele Nutzer in den Städten werde sich wenig ändern, so Verkehrsexperte Böttger. Der Preis liege im Bereich heutiger Abopreise in den Städten. Große Profiteure seien Fahrgäste im «Speckgürtel», die lange Strecken pendeln und eher nicht zu den sozial Benachteiligten gehörten. «Ihre Fahrpreise sinken deutlich.»

Zum 49-Euro-Ticket sind weitere Fragen ebenfalls offen. So fordert der Fahrradclub ADFC, dass Räder in Nahverkehrszügen grundsätzlich kostenlos mitgenommen werden dürfen. Ob das so kommt, scheint aber fraglich.

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