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Zinswende wird bei Kontoüberziehung spürbar

Dispozins liegt oft über zehn Prozent

Münster/Frankfurt

Bei den Dispozinsen langen manche Banken inzwischen wieder richtig zu. Das kann Verbraucher in Zeiten hoher Teuerungsraten zusätzlich in Bedrängnis bringen.

Der Dispozins steigt immer schneller. Foto: dpa

„Ich vermute, dass manche Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts der steigenden Inflation schneller in den Dispo rutschen werden als in der Vergangenheit“, sagte Heike Nicodemus von der Zeitschrift „Finanztest“ der Stiftung Warentest am Montag. „Wenn Kreditinstitute derzeit die Dispozinsen erhöhen, dann gleich kräftig. Die Dynamik hat sich seit Mai verstärkt“, berichtete Nicodemus. Das sorgt für Diskussion.

Wer ein Girokonto hat, kann es in der Regel bis zu einer festgelegten Summe überziehen. Nehmen Verbraucher den Kredit in Anspruch, müssen sie dafür in den allermeisten Fällen Zinsen zahlen.

Nach Angaben von Nicodemus lag der Dispozinssatz im Mai vor der „Finanztest“-Girokontenuntersuchung im Rahmen einer Stichprobe im Schnitt bei 9,25 Prozent. Bei noch 99 Kontomodellen war er damals nicht höher als acht Prozent. Bis Mitte November stieg der Zinssatz auf durchschnittlich 9,89 Prozent, nur noch 69 Modelle von insgesamt knapp 440 wiesen nicht mehr als acht Prozent auf. Im teuersten Fall waren es 13,92 Prozent. „Alles bis acht Prozent ist aus unserer Sicht noch vergleichsweise günstig“, sagte Nicodemus.

Dispozins im Münsterland

Im Münsterland liegt der Dispozins meist oberhalb der Zehn-Prozent-Marke. So meldet beispielsweise die Kreissparkasse Steinfurt auf ihrer Homepage einen Zinssatz von 10,33 Prozent, bei der Sparkasse Münsterland Ost in Münster sind es sogar 10,831 Prozent. Noch höher ist der Disposatz bei der Volksbank Münsterland Nord mit 11,97 Prozent. Bei der VR-Bank Westmünsterland liegt der Wert für Kunden mit Klassik-Konten bei 12,38 Prozent, Premium-Kunden und junge Menschen zahlen lediglich günstige 8,38 Prozent.

Der Dispozins ist an ein Referenzzinssystem gekoppelt. Ein üblicher Referenzzins ist der Drei-Monats-Euribor. Er geht bei steigenden Zinsen zeitversetzt nach oben, berichtete Nicodemus. „Banken müssten die Erhöhung nicht umsetzen, aber sie können es. Wir haben festgestellt, dass Kreditinstitute im Schnitt vergleichsweise schnell die Zinsen erhöhen.“

Auch nach Daten des Verbraucherportals Biallo sind die Dispozinssätze gestiegen. Noch teurer kann es unter Umständen werden, wenn der von dem Institut eingeräumte Disporahmen überschritten wird. Dem Portal zufolge wurden in diesem Fall nach Daten von knapp 1200 ausgewerteten Geldhäusern im Schnitt Überziehungszinsen von 12,39 Prozent fällig (Stand: Oktober 2022), im Oktober 2021 waren es noch 12,29 Prozent.

Gerade in Zeiten hoher Inflation droht das laufende Einkommen in manchen Fällen nicht zu reichen. Bei einer Befragung im Auftrag der Auskunftei Schufa Anfang Oktober gab die Hälfte der Verbraucherinnen und Verbraucher (50 Prozent) an, in den vergangenen sechs Monaten bereits auf Rücklagen zurückgegriffen zu haben. 24 Prozent der rund 1000 Befragten sagten, dass sie in diesem Zeitraum ihr Konto überzogen hätten. Ein Viertel zögerte die Zahlung von Rechnungen hinaus – bis zur Zahlungsfrist oder sogar darüber hinaus.

Schufa-Vorstandsmitglied Ole Schröder sprach von einer beunruhigenden Entwicklung. „In unserem Datenbestand sehen wir, dass in den Monaten August bis Oktober die Zahl der Personen, die erstmals Zahlungsstörungen haben, um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen ist.“

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