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Außenhandel

Export wächst kräftig - Vorkrisenniveau überschritten

Wiesbaden (dpa)

Die weltweite Konjunkturerholung beflügelt die Nachfrage nach «Made in Germany». Erstmals exportieren deutsche Unternehmen wieder mehr als vor der Corona-Krise. Die Aussichten trüben sich allerdings ein.

Von Friederike Marx, dpa

Frachtcontainer im Hamburger Hafen. Die deutsche Exportwirtschaft hat wieder Tritt gefasst. Foto: Jonas Walzberg/dpa

Der deutsche Export hat das Corona-Tief nach unerwartet starken Geschäften hinter sich gelassen.

Trotz Materialmangels und Lieferengpässen überschritten die Ausfuhren im Juni erstmals seit Ausbruch der Pandemie das Vorkrisenniveau vom Februar 2020 (plus 1,1 Prozent), wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Die weltweite Konjunkturerholung beflügelte die Geschäfte und sorgte im ersten Halbjahr für einen kräftigen Anstieg von Ein- und Ausfuhren.

Allerdings ist das Bild nicht ungetrübt. Der Außenhandelsverband BGA verwies auf Logistikprobleme mit steigenden Frachtkosten und fehlende Planbarkeit beim Versand. Hinzu kämen Einreiseverbote in einigen Ländern und immer neue bürokratische Hürden für den Außenhandel, kritisierte BGA-Präsident Anton Börner.

Allein im Juni wurden Waren «Made in Germany» im Wert von 118,7 Milliarden Euro ins Ausland geliefert. Das waren 23,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und 1,3 Prozent mehr als im Mai 2021. Experten hatten im Monatsvergleich im Mittel nur einen Zuwachs um 0,3 Prozent erwartet.

Angekurbelt wurde das Export-Geschäft dem BGA zufolge vor allem von der Nachfrage aus den USA, China und der Europäischen Union. Im ersten Halbjahr stiegen die Ausfuhren um 16,7 Prozent auf 673,1 Milliarden Euro gegenüber den ersten sechs Monaten 2020. Die Einfuhren legten im selben Zeitraum um 15,4 Prozent auf 576,4 Milliarden Euro zu.

Auch nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) dürfen die Zahlen nicht über die Herausforderungen hinwegtäuschen. «Transportprobleme insbesondere im Schiffsverkehr und Lieferengpässe von Materialien führen aktuell zu Störungen in den internationalen Lieferketten», sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Auch die Sorgen vor neuen Corona-Infektionswellen und bestehende Einschränkungen bei Geschäftsreisen ließen nur verhalten auf das zweite Halbjahr blicken.

Für das Gesamtjahr erwartet der DIHK einen Anstieg der Exporte von acht Prozent. Die Corona-Krise hatte im vergangenen Jahr tiefe Löcher in die deutsche Exportbilanz gerissen.

«Die starken Zahlen zeigen, dass die Lieferkettenengpässe bislang noch nicht den deutschen Export in Mitleidenschaft ziehen», erläuterte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. Das könnte sich jedoch ändern.

Einer Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstitutes Ifo zufolge beklagen inzwischen 64 Prozent der befragten Industrieunternehmen Engpässe und Probleme bei Vorlieferungen als Hindernis für ihre Produktion. Derzeit bedienten die Hersteller die Nachfrage noch aus ihren Lagern, «aber die leeren sich nun auch zusehends», sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Wird wegen fehlender Teile weniger produziert, kann nicht so viel exportiert werden.

Das Thema treibt auch die Elektroindustrie um. «Zwar berichtet nur noch ein Zehntel der Elektrofirmen über Auftragsmangel, demgegenüber bereiten Materialknappheiten und Lieferengpässe inzwischen vier von fünf Unternehmen Schwierigkeiten», sagte Andreas Gontermann, Chefvolkswirt des Branchenverbandes ZVEI.

Bislang erholt sich die Branche mit etwa 870.000 Beschäftigen mit hohem Tempo vom coronabedingten Einbruch des vergangenen Jahres. «Nachdem die Auftragseingänge im ersten Halbjahr 2020 pandemiebedingt um ein Zehntel geschrumpft waren, konnten sie in der ersten Hälfte dieses Jahres wieder um mehr als ein Viertel wachsen», berichtete Gontermann. Die Bestellungen aus dem Ausland stiegen dabei um 32,2 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2020. Die Inlandsnachfrage zog um 21,3 Prozent an.

Die Produktion legte bereinigt um Preiserhöhungen in den ersten sechs Monaten um 12,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Der Umsatz erhöhte sich um 12,3 Prozent auf 96,7 Milliarden Euro. Der ZVEI hatte zuletzt seine Produktionsprognose für das Gesamtjahr von plus fünf Prozent auf plus acht Prozent heraufgesetzt und sich zuversichtlich gezeigt, das Minus des vergangenen Jahres von sechs Prozent in diesem Jahr wieder einholen zu können.

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