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Energie

Industrie sieht Gefahr einer Gasmangellage nicht gebannt

Berlin (dpa)

Seit dem Beginn der Energiekrise ruft die Politik zum Sparen auf, wenn es ums Heizen geht. Derzeit sieht es in Deutschland recht gut aus. Doch der Industriepräsident warnt.

Von dpa

Industriepräsident Siegfried Russwurm sieht die Gefahr einer Gasmangellage in Deutschland noch nicht gebannt. Foto: Christoph Soeder/dpa

Industriepräsident Siegfried Russwurm sieht die Gefahr einer Gasmangellage in Deutschland noch nicht gebannt. «Für eine Entwarnung gibt es keinen Anlass», sagte Russwurm der Deutschen Presse-Agentur.

«Niemand kann ausschließen, dass wir vor einem harten Winter stehen. Deshalb ist es unerlässlich, dass Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger, aber auch die öffentliche Hand Energie sparen - wann und wo immer möglich.»

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie sagte: «Es war immer klar, dass es zwei große Unwägbarkeiten gibt: das Wetter und wie viel Energie wir an unsere europäischen Nachbarn exportieren müssen, gegenwärtig vor allem nach Frankreich. Der ultimative Stresstest ist nicht die Theorie, sondern die Realität dieses und des kommenden Winters. Wir müssen durch diesen Winter kommen, dann die Speicher wieder füllen und auch den nächsten Winter überstehen. Die Sache ist noch nicht erledigt.»

Eine Gasmangellage wäre mehr als nur unangenehm, sagte Russwurm. «Zwangsweise Abschaltungen für Unternehmen wären hochgradig schädlich. Das heißt, Sparanstrengungen aller müssen unbedingt weitergehen.» Die Industrie habe Gas eingespart, zum einen durch Effizienzanstrengungen und den Ersatz von Gas etwa durch Öl. «Zum anderen gab es erhebliche Produktionsrückgänge. Das spart zwar Gas, ist aber das Letzte, was das Industrieland Deutschland als Perspektive braucht.»

Gaspeicher und Energiewende

Für den Winter 2023/2024 müssten die Gasspeicher wieder so voll sein, wie sie es im November dieses Jahres waren. «Da steht der eigentliche Stresstest erst noch bevor. Denn wir müssen Nachschub herbeischaffen aus anderen Quellen als Russland. Alle vorgesehenen LNG-Terminals müssen ans Netz.» Mit dem ersten neuen Terminal in Wilhelmshaven sei die Gefahr einer Gasmangellage noch längst nicht gebannt. «Für eine sichere Energieversorgung müssen wir international weitere Partner finden, die bereit sind, uns ausreichend Gas zu liefern. Und schließlich wir müssen die heimische Gasförderung stabilisieren.»

Russwurm forderte außerdem mehr Tempo bei der Energiewende. «Die Politik muss vor allem angemessene Randbedingungen für die notwendigen Investitionen schaffen. Bei der Energiewende hakt es in Deutschland nicht am Willen, sondern an der Umsetzung - und an vielfältigen lokalen Befindlichkeiten. Notwendige politische und regulatorische Veränderungen dauern zu lang. Der Ausbau muss das bisherige Tempo bei Weitem übertreffen.»

Bundeskanzler Olaf Scholz habe die «sehr erfreulich schnelle» Realisierung des ersten LNG-Terminals in Wilhelmshaven als «neues Deutschland-Tempo» bezeichnet, so Russwurm. «Das brauchen wir in der Tat - auch für den Ausbau von Netzen und erneuerbaren Energien. Das hohe Ambitionsniveau der Bundesregierung allein baut noch kein neues Windrad. Die Dekarbonisierung gelingt nur, wenn ab jetzt alles wie am Schnürchen läuft.»

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