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Tarifeinigung in der Metallbranche: Vorteile für alle

Nach der massiven Warnstreikwelle musste Schlimmes befürchtet werden. Die Bedeutung der Metall- und Elektrobranche für die deutsche Wirtschaft ist groß. Wäre es hier zu flächendeckenden Arbeitskämpfen gekommen, dürfte das Land vermutlich im kommenden Jahr in eine weitaus tiefere Rezession gerutscht sein.

Nach Protesten und Warnstreiks hat die IG Metall einen üppigen Tarifabschluss durchgesetzt. Foto: IMAGO/haertelpress

Der Tarifkompromiss ist so, wie Kompromisse meist sind: Er tut auf beiden Seiten weh. Die IG Metall kann zwar die erreichten Gehaltszuwächse auf über acht Prozent aufsummieren – aber sie sind eben auf zwei Jahre gestreckt. Für IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sicher auch wichtig: Der Abschluss liegt über dem der Chemieindustrie von lediglich sechs Prozent.

Die Arbeitgeber verweisen auf künftiges Wachstum – das steht aber zunächst noch in den Sternen. Doch der Vorteil des Tarifabschlusses liegt klar auf der Hand: Die erste Lohnerhöhung ist erst im Sommer des kommenden Jahres zu berappen.

Aber: Die Einigung hilft allen – selbst dem Einzelhandel im Weihnachtsgeschäft. Höhere Einkommen machen es somit auch in Zeiten extremer Preissteigerungen möglich, die großzügigere Geschenke unter den Christbaum zu legen.

Und die größeren Maschinenbauer, zu denen ja beispielsweise auch die Autobauer zählen, zahlen gerne etwas mehr, wenn jetzt, wo sich die Lieferprobleme allmählich in Wohlgefallen auflösen, die Bänder ohne Streikunterbrechungen laufen.

Doch die Branche ist vielfältig: Manchem kleinen oder mittelgroßen Unternehmen dürfte der großzügige Schluck aus der Lohnpulle angesichts der konjunkturellen Ungewissheit Schwierigkeiten bereiten. Ein stärker differenzierter Abschluss wäre deshalb wünschenswert gewesen.

Trotz aller Zufriedenheit über die friedliche Einigung bleibt aber das grundsätzliche Problem, dass hohe Gehaltsanhebungen die sogenannte „Lohn-Preis-Spirale“ in Gang setzen. Das heißt: Das üppige Einkommensplus heizt die Inflation an, was wieder die Lohnforderungen der Gewerkschaften in anderen Branchen nach oben treibt – ein Teufelskreis, der dann von der Europäischen Zentralbank mit kräftigen Zinsanhebungen gestoppt werden muss. Dadurch wird die Konjunktur abgewürgt – zum Nachteil für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, letztlich dann für die deutsche Wirtschaft insgesamt.

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