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Bilanz zum 9-Euro-Fahrschein

Trotz Sparticket: Das Auto bleibt die erste Wahl

Münster

Drei Monate lang durften die Deutschen kreuz und quer durch Deutschland fahren – und das für nur 9 Euro monatlich. Viele wähnten in dem Sparangebot eine Chance für die so dringend benötigte Verkehrswende. Die Erfolgsbilanz fällt gleichwohl durchwachsen aus.

Von Ulrich Schaper

Viele Menschen nutzten in den vergangenen drei Monaten das 9-Euro-Ticket. Knapp 40 Millionen Fahrkarten wurden verkauft. Foto: Michael Matthey

Seit dem Verkaufsstart Ende Mai wurden bis heute rund 40 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft. Noch knapp eine Woche kann das Sparticket genutzt werden. Dann ist vorerst Schluss. Eine Anschlusslösung ist noch nicht in Sicht. Der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) geht davon aus, dass es frühestens zum 1. Januar ein ähn­liches Angebot geben wird.

Viele feiern den Billigfahrschein als politischen Erfolg. Doch das Projekt hat auch zahlreiche Untiefen: Mobilitätsforscher und Verkehrs­betriebe sind unter Hochdruck dabei, die Daten – die bislang für die Monate Juni und Juli vorliegen – auszuwerten, um mit den Erkenntnissen wesentliche Fragen in Verbindung mit dem Ticket beantworten zu können. Wer nutzt das Ticket? Wie ver­ändert ein solches Angebot das Mobilitätsverhalten? Und welchen Preis sind die Bürgerinnen und Bürger künftig bereit zu bezahlen?

Mobilitäts­ausweitung wurde festgestellt

Zunächst als Teil des Entlastungspakets zwei eingeführt, wurde mit dem 9-Euro-Ticket später die Hoffnung verknüpft, eine kleine Mobilitätswende einzuleiten. Erste Auswertungen legen nahe, dass das nicht vollständig gelungen ist. Wie Jan Schilling, Geschäftsführer ÖPNV vom Verband deutscher Verkehrsbetriebe sagt, sei zwar der Eisenbahn­verkehr in den zurück­liegenden zwei Monaten gestiegen, der individuelle Autoverkehr habe aber nicht signifikant abgenommen. Das Auto bleibe weiterhin die erste Wahl. In Summe sei es zu einer Mobilitäts­ausweitung gekommen.

Kommentar: Das Erkenntnis-Ticket

„Insgesamt sind die Menschen mit dem Ticket sehr zufrieden. Nicht nur in der Freizeit, auch auf dem Weg zur Arbeit wurde das Ticket zunehmend genutzt.“ Ins­besondere die Zahl der alltäglichen Fahrten sei im Zeitverlauf gestiegen. Welchen Effekt der gleichzeitig gewährte Tankrabatt und die einsetzende Ferienzeit hatten – das werden spätere Analysen zeigen müssen. „Viele Menschen haben das Ticket zwar aus einem ­wachsenden Umweltbewusstsein heraus gekauft, vornehmlicher Kaufgrund war aber der Preis“, sagt Schilling.

Schon jetzt wird darüber debattiert, wie teuer das ­Ticket künftig sein darf. Hilmar von Lojewski vom Städtetag sagt dazu: „Der Preis wird zwischen Bund und Ländern ausgehandelt werden müssen – er wird wesentlich vom Veränderungswillen bestimmt werden. Fakt ist: Wir brauchen ein solches Ticket, um die Menschen aus dem Auto in die alternativen Verkehrsmittel zu bekommen.“

ADAC: Ölkonzerne haben Tankrabatt  nicht in voller Höhe weitergegeben

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